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Energiewende – Zeitenwende

Rückblickend ist es nicht verwunderlich, dass Opel und Mercedes-Benz am 2. September den Stand der Dinge in der Entwicklung der Brennstoffzellen-Technik und der dazugehörigen Infrastruktur für ein vernünftiges Wasserstoff-Versorgungsnetz zeigen wollten. Bemerkenswert jedoch war der Zuspruch der Kollegen beider Verbände und sogar einiger nicht organisierter Kollegen aus dem Motor- und Mobilitätsjournalistenkreis, die in der Region ansässig sind. Rund 100 Zusagen hatte Eva M. Übel zu verzeichnen, die die Region Rhein-Main des VdM leitet; ein paar wenige, die zugesagt hatten, kamen dann doch nicht.

Einstieg waren Probefahrten mit den Brennstoffzellen-Antaras von Opel und zwei wasserstoff-betriebenen B-Klasse-Modellen von Mercedes. Nun ist ja der Wasserstoff-betrieb nichts anderes als ein Elektro-Betrieb. Mit dem Unterschied, dass hier der Strom nicht aus der Steckdose kommen muss oder vom Konstantmotor wie beim Opel Ampera, sondern während der Fahrt in einer chemischen Reaktion in der Brennstoffzelle im Auto selbst produziert wird. Fahrverhalten, Geräuschentwicklung usw. sind also wie bei bekannten Elektromobilen, Raumangebot, Batteriekapazität und Reichweite lassen sich aber durchaus messen mit den Range-Extender-Konzepten wie z.B. von Opel.

In Egelsbach bei Schuhbecks trafen die VdM/MPCler auf Uwe Deller von der Technischen Kommunikation Europa und Dr. Rittmar von Helmolt, den Entwicklungsleiter „strategische Elektromobilität“ vom ausgelagerten Opel-Zentrum für alternative Energien. Mercedes war vertreten mit Pressechef Christoph Horn, seinem Mitarbeiter Norbert Giesen sowie der für die Pressearbeit für alternative Antriebe erantwortlichen Madeleine Herdlitschka. Referent zum Thema war Peter Froeschle, Senior Manager für Strategische Energieprojekte und Marktentwicklung.

Unisono waren sowohl Opel-Referent von Helmolt als auch der Mercedes-Brennstoff-Stratege davon überzeugt, dass der Zeitensprung ins Wasserstoff-Zeitalter in den nächsten zwanzig Jahren gelingen muss. Wenn heute weltweit bereits über 900 Millionen Kraftfahrzeuge unterwegs sind und bis 2020 mit rund 1,1 Milliarden Vehikeln gerechnet wird, muss das Erdölzeitalter schon allein wegen der immer schwieriger werdenden Rohstoffgewinnung und der immer heftigeren Klimaerwärmung beendet werden. Die plastische Darstellung der Weltautomobilisierung von Helmolt war überzeugend: Der Fahrzeugbestand 2020 würde zur einfachen Umrundung des Erdballs 125 Fahrspuren benötigen. Sechszehn Mal so breit wie die bereits achtspurig ausgebaute Autobahn von Darmstadt nach Frankfurt! Aber der Dreck, der aus all den Autos hinten rauskommt! Und beim Wasserstoffantrieb dafür nichts, nur Wasserdampf. Die Erdöl-Zeit, so Helmolt, muss in der Weltgeschichte verzeichnet bleiben wie eine einzelne Kerze in der Nacht.

Die Fakten sprechen inzwischen dafür. In Elektromobilität schafft man derzeit bereits Reichweiten von rund 500 km. Die Batterien hierfür allerdings würden nach herkömmlicher Bauart immer noch 830 kg wiegen, weswegen die Stromerzeugung während der Fahrt der sinnvollste Weg ist. Und die Technik ist auf gutem Wege. Wasserstoff-Antriebe sind bereits heute alltagstauglich bis zu minus 24 Grad Kälte und halten rund 125.000 km. 2015 wird die Zuverlässigkeit der Antriebe bereits bei über 200.000 km liegen.

Und die Infrastruktur, ergänzt Peter Froeschle von Mercedes,  wird nun strategisch ausgebaut. Während wir heute noch nur rund 10 Wasserstoff-Tankstellen in Deutschland anfahren können, werden es dank der Daimler-Linde-Initiative – die Daimler wohl sehr bedacht vor der IAA gestartet hat – in 2014 schon 30 Tankstellen allein durch die Maßnahmen der beiden strategischen Partner sein. Nachahmereffekte und der steigende Bedarf an Wasserstoff nebst Infrastruktur durch die H2-Mobility-Aktion werden dazu beitragen, dass schon 2020 deutschlandweit rund 1000 Wasserstoff-Zapfstellen zur Verfügung stehen.

Kein Wunder, wenn man eine Woche später während des IAA-Presseabends von Mercedes-Benz aus Dr. Dieter Zetsches Munde hört, dass Mercedes-Benz mit seinem Zukunftsprojekt F125 ein wasserstoffbetriebenes Fahrzeug präsentiert, das den Komfort und Platz einer S-Klasse bietet, mit Reichweite in gewohnter Größenordnung und CO2-Austoß gleich Null. Geschickte Kommunikationsstrategie von Chris Horn, der eingangs noch beschwor, dass die PR-Abteilung so kurz vor der IAA keineswegs Langeweile habe, um mit Opel zusammen schnell noch den Schuhbeck-Abend dazwischen zu schieben. So fügen sich Bausteinchen eines Puzzles zum Bild der Zukunft bei Mercedes-Benz – und bei Opel – zusammen. Muss man nicht mehr darüber diskutieren, welche Techniken für Elektroantriebe im Auto künftig die besseren sein werden. Alles bis zum Wasserstoff-Antrieb ist Brückentechnologie. Hoffentlich stabiler als die gleichnamige von Frau Merkel.

mpp

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