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Neue Mobilität – quo vadis?

In der automobilen Diskussion über die Zukunft der Mobilität bleibt derzeit kein Stein auf dem anderen. Vieles wird in Frage gestellt oder verworfen. Vieles wird aber auch neu in die Diskussion gestellt bzw. ist kurz vor dem Durchbruch. Licht in den Dschungel brachte Dr. Ulrich W. Schiefer, selbst 30 Jahre in der Fahrzeugentwicklung renommierter Hersteller tätig, seit 2004 Inhaber der Entwicklungs- und  Beratungsgesellschaft AtTrack GmbH sowie Entwickler des brandneuen Elektrofahrzeugs AtTrack TE 700 (vgl. auch www.attrack.de sowie www.attrack-mobility.de) anlässlich seines Vortrags „E-Motor und Verbrennungsmotor - Freunde oder Feinde“ am 16. Mai im Seehaus in München vor den Mitgliedern des VdM Regionalkreises Bayern und des MPC Bayern.

Die Automobilindustrie steht für Ulrich W. Schiefer vor einem klaren Paradigmenwechsel. Zwar sei Europa mit VW als derzeit nach wie vor größtem Automobilhersteller noch führender Entwicklungsstandort, jedoch nähere sich Korea und China bereits an die größten Hersteller an. China sei zudem neben den USA für die deutsche Autoindustrie wichtigster Auslandsmarkt, während Russland durch einen nahezu zum Erliegen gekommenen Export gekennzeichnet sei. Dabei sieht Schiefer jedoch ganz klar die Gefahr eines durch asiatische Hersteller initiierten künftigen Preiskriegs, der allerdings wegen Zulassungshürden und Deckung des Inlandsbedarfs bislang noch nicht ausgebrochen sei. „Können wir in Europa und speziell in Deutschland neben Premium am oberen Ende auch billig am unteren?“, fragte Schiefer daher provokativ. Schließlich, so der langjährige Fahrzeugingenieur und -entwickler, könne Premium allein auch ganz schnell zur Achillesferse werden. Auch im Verpassen technischer Trends steckt derzeit für die europäische Automobilindustrie ein signifikantes Risiko. In Asien ist der E-Mobilitätszug bereits losgefahren, während er bei uns gefühlt noch im Bahnhof steht. Dabei steigert unsere Industrie weiter die Komplexität des Verbrenners und setzt viel von ihren Ressourcen auf einen „industriellen Anachronismus“. Daher, so der Ingenieur, sei es an der Zeit damit zu beginnen, umzudenken.

Wichtiges Brückenglied ist aus seiner Sicht die Hybridisierung. Der Elektromotor kommt dem Verbrenner zu Hilfe dort wo er Schwächen hat und ermöglicht es, den Verbrenner zu vereinfachen. 

„Nicht nur die Asiaten mit Ihren Abgasproblemen in den Megacities spiegeln uns, dass komplett emissionsfreie Antriebe in Zukunft verstärkt gefragt sein werden. Kein Wunder auch, dass die ersten Brennstoffzellenkleinserienautos aus Korea und Japan kommen“, so Schiefer.

Schiefers Resüme: „Der Verbrennungsmotor wird durch Downsizing immer kleiner und reibungsärmer und läuft durch Start/Stop und Segelfunktionen dank Hybridisierung immer seltener. Und das ist gut so, auch weil längst klar ist, dass die Hochaufladung ihn defektanfälliger und kurzlebiger machen, wie die Pannenstatistiken eindrucksvoll zeigen.

Für den seit 2004 amtierenden AtTrack Inhaber, ehemaligen Gründer & CEO der Porsche Engineering Group (2002), Entwicklungsvorstand von Aston Martin (2000), BMW 24h Le Mans Gesamtprojektleiter (1999), BMW Leiter Innocenter Fahrzeugplattformen/Gesamtfahrzeug und Karosserieleiter/Leiter Rennsport (ab 1985), der bei Daimler ab 1980 Aerodynamiksimulation und Motoreile in CFK entwickelte, steht somit fest: „Spätestens mit der breiten Marktdurchdringung des autonomen Fahrens wird der E-Antrieb mit Batterie und Brennstoffzelle den Verbrennungsmotor in allen wichtigen Disziplinen überflügeln.“

Schiefer: „Wir brauchen für jede Mission das richtige Verkehrsmittel. Die antriebsbedingte Komplexität der heutigen Fahrzeuge ist dabei jedoch für das Individualfahrzeug ein behindernder Faktor.“ Kurzum, so resümiert der Branchenexperte: „Bedingt durch industrielle Gegebenheiten in Europa sind wir sehr spät dran. Nur schnelle Einsicht in die Notwendigkeiten und die uns eigene hohe Umsetzungskraft  können uns davor bewahren, den Anschluss an die asiatischen und amerikanischen Industrien zu verlieren. Dies gilt insbesondere für die Behebung des Mangels an Batteriespeicherkompetenz und Batteriefertigungskapazitäten.

Isabella Finsterwalder (14.6.2017)

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