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Die großen Motoren und wir: Mitglieder des VdM-Regionalkreises Nord bei MTU am Bodensee

Einverstanden, der Begriff „groß“ ist sehr dehnbar. Aber wenn man einen üblichen 4-Zylinder-Motor in einem Pkw mit den Motoren vergleicht, die wir anlässlich eines Besuchs in Friedrichshafen gesehen haben, dann sind diese Motoren wirklich groß. Der Besuch galt der Motoren- und Turbinen-Union, kurz MTU.

Jetzt gehört die MTU zu 100 Prozent zum Rolls-Royce Konzern und firmiert unter Rolls-Royce Power Systems. In den letzten 50 Jahren durchlief die MTU eine wechselvolle Geschichte. Aus der Luftfahrzeug-Motorenbau GmbH in Bissingen/Enz in 1909 wurde nach Umsiedlung nach Friedrichshafen die Maybach-Motorenbau GmbH. Maybach ist noch heute eine gern gezeigte Vergangenheit des Hauses. Doch in den sechziger Jahren wandelte sich das Unternehmen erneut. Zuerst als Tochter von Daimler-Benz wurde später daraus eine Eignergemeinschaft aus Daimler-Benz, MAN und weiteren, z.B. den Familien Maybach und Brandenstein-Zeppelin. Integriert wurde zudem der Flugzeugtriebwerksbauer MTU München. MTU München ist heute außen vor und eine Aktiengesellschaft  mit der Firmenbezeichnung MTU Aero Engines.

In der wechselvollen Geschichte blieb Friedrichshafen immer ein ruhender Pol mit seinen zwei Werken, eines wunderschön am Ufer des Bodensees gelegen. Dieses und der Entwicklungsstandort in der Stadtmitte wurden jetzt von Norddeutschen VdM-Kollegen erobert. Vom 6-Zylinder, nach Aussagen von MTU ein kleiner Motor, bis zum 20-Zylinder werden hier alle Motoren nach Kundenwunsch gebaut. Die Leistungspalette geht bis zu 10.000 KW. Alle Motoren sind sogenannte „Schnellläufer“. Dies unterscheidet sie von den anderen Schiffsantrieben, die in den Megaschiffen eingesetzt werden. Dort arbeiten meistens „Langsamläufer“.

Trotzdem hat MTU die meisten Kunden im Schiffsbereich, aber auch bei Sonderfahrzeugen z.B. im Bergbau, in der Landwirtschaft oder im Bahnbereich. Einige Kunden konnte man bei der diesjährigen AgriTechnica im November in Hannover sehen.

Die großen Motoren beeindrucken nicht nur durch ihre schiere Größe, sondern auch durch ihre ausgefeilte Technik. Um die Motoren zu montieren, braucht es schon maschinelle Hilfe die Kurbelwelle und Kolben an die richtige Stelle zu bugsieren. Es ist erforderlich den ganzen Motorblock zu drehen, damit die Kolben nicht verkantet von der Seite einzuführen sind, sondern nur senkrecht von oben. Es ist viel Montagepersonal zu sehen. So könnte man eigentlich sagen: „…jeder Motor individuell von Hand gefertigt.“ Es fehlt nur die Unterschrift des Monteurs auf dem Motorblock. Von dort geht es auf die Prüfstände. Hier werden sie dann auf Herz und Nieren getestet, wieder individuell je nach Einsatzzweck.

Nach so viel Technik und atemberaubender Größe saßen wir noch eine Weile mit dem Leiter der Elektronikentwicklung mit Blick auf den Bodensee zusammen, im Werk 1.

Joachim General

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