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Besuch der Motorjournalisten beim TÜV Rheinland in Köln

Das Engagement vom TÜV Rheinland im Motorsport am Nürburgring

Regionalkreisleiter Klaus Ridder hatte eingeladen und rund 30 Mitglieder des VdM und MPC trafen sich vergangene Woche beim TÜV Rheinland in Köln-Poll. Schon von weitem sieht man bei der Anfahrt auf das Firmengelände das Logo am TÜV-Tower in Blau leuchten. Doch der Turm stammt noch aus Mitte der 70er Jahre und wird gerade kernsaniert, erklärte uns der Gastgeber und VdM-Kollege Wolfgang Partz, Pressesprecher beim TÜV Rheinland, der die Verbandsmitglieder im Seminarzentrum des Unternehmens empfing. Welche Aktivitäten der TÜV Rheinland im Allgemeinen, aber vor allem im Motorsport und speziell am Nürburgring hat, konnten die VdMler aus erster Hand durch den Bereichsvorstand Mobilität Prof. Dr.-Ing. Jürgen Brauckmann erfahren. Motorsportfan Klaus Ridder nahm die Verbandsmitglieder anschließend mit auf eine spannende Zeitreise rund um den Nürburgring. Da gab es neben den Schwarzweißbildern aus den ersten Epochen der Rennstrecke natürlich auch die eine oder andere interessante Anekdote zu erzählen.

Nach einer Begrüßung durch Jürgen Brauckmann gab dieser einen kurzen historischen Überblick über die Entwicklung des TÜVs und seine zahlreichen Aktivitäten. Gegründet im Jahr 1872 zur Überprüfung von Dampfkesseln, entwickelte sich der TÜV Rheinland in den zurückliegenden 140 Jahren von einem regionalen zu einem international führenden Prüfdienstleister. Der heute weltweit führende technische Dienstleistungskonzern ist in den Bereichen Prüfung, Inspektion, Zertifizierung, Beratung und Training tätig. So prüft er als unabhängiger Dritter technische Anlagen, Produkte und Dienstleistungen, aber auch Prozesse in Unternehmen und Organisationen. Daneben verfügt der TÜV Rheinland über ein globales Netz anerkannter Labore sowie Prüf- und Ausbildungszentren und kann beeindruckende Daten und Fakten vorweisen. An über 500 Standorten in 61 Ländern beschäftigt er rund 19.300 Mitarbeiter. Allein am Sitz des Unternehmens in Köln-Poll arbeiten 2.000 Mitarbeiter. Von den 1,9 Mrd. Euro Umsatz wird knapp die Hälfte im Ausland erzielt.

Die Leitidee des Konzerns ist die nachhaltige Entwicklung von Sicherheit und Qualität im Zusammenspiel von Mensch, Technik und Umwelt. Das spiegelt sich auch im Logo wider, denn die Eckpunkte des Dreiecks symbolisieren das Spannungsfeld Mensch – Technik – Umwelt. „Die Welle in unserem Logo stellt eigentlich eine technische Prüfung dar, aber viele sehen darin eine Welle des Rheins“, erklärt Jürgen Brauckmann schmunzelnd.

Warum engagiert sich der TÜV Rheinland im Motorsport am Nürburgring?
Dass sich der TÜV Rheinland auch am Nürburgring engagiert, sieht man schon bei der Anfahrt durch den Tunnel vom alten Fahrerlager auf das neue Fahrerlager. Das Emblem des TÜV Rheinland prangt am großen Zeitnehmerhaus. Doch warum engagiert sich ein Unternehmen wie der TÜV überhaupt im Motorsport? Darauf hat Jürgen Brauckmann natürlich eine Antwort: „Der Motorsport steht für die Leistung von Menschen und Teams. Hier werden Höchstleistungen von hoch motivierten Top-Teams wie Phoenix-Racing mit absoluten Spitzenfahrern wie Frank Stippler und Christian Mamerow erbracht – natürlich in Verbindung mit Spitzentechnologie. Das ist beim TÜV Rheinland nicht anders, denn seit mehr als 140 Jahren begleiten wir technische Innovationen mit dem Ziel stetiger Verbesserung von Qualität und Sicherheit. Daher ist der Nürburgring für uns die ideale Plattform, um in einen Dialog mit der Industrie und unserer Kundschaft zu treten.“ Die größtenteils ehrenamtlich tätigen Experten des TÜVs stellen beispielsweise DMSB-Wagenpässe aus, verfassen Schaden- oder Wertgutachten von Rennfahrzeugen und prüfen Anlagen und Maschinen im Umfeld von Rennstrecken.

Neben seinem Engagement bei der VLN und dem 24-h-Rennen am Nürburgring, was mit seinen jährlich mehr als 200.000 Zuschauern ein echter Publikumsmagnet und zugleich ein Highlight im deutschen Motorsport ist, bietet das Unternehmen zahlreiche, weitere Events für seine Kunden. Dazu zählen der beliebte Truck-Grand-Prix, der Oldtimer-Grand-Prix, aber auch Ausstellungen und Messen sowie Fachkonferenzen, zu denen beispielsweise auch das mittlerweile fest etablierte Truck-Symposium im Vorfeld des ADAC-Truck-Grand-Prix gehört. Zu den vom TÜV angebotenen Dienstleistungen zählen jedoch nicht nur Events mit entsprechender Bewirtung, sondern auch technischer Service für Gebäude, Equipment und Systeme, das Fahrsicherheitszentrum und die Fahrerakademie. Da verwundert es nicht, dass der TÜV Rheinland auch Partner und Mitgesellschafter des „auto motor und sport“-Fahrsicherheitszentrums vom Nürburgring ist.

„Wir betrachten den Nürburgring als unser Wohnzimmer“, erklärt Jürgen Brauckmann, „und ins Wohnzimmer laden wir uns auch gern Gäste ein.“ Dabei finden auch konzerninterne Tagungen in diesem besonderen Ambiente statt. So ist der Motorsport am Ring ein gutes Instrument, um Kunden und Mitarbeiter zu binden.

Einfach rennverrückt und lebenslang vom Motorsportbazillus infiziert
Den Ausführungen konnte Motorsportfan Klaus Ridder nur zustimmen, denn auch für ihn ist der Ring wie ein zweites Zuhause. Schon als 15-Jähriger war ihm kein Weg zu weit, um seine Rennfahreridole zu sehen. Ob der Argentinier JM Fangio (fünfmaliger Weltmeister), Stirling Moss (ewiger Vize-Weltmeister), Wolfgang Graf Berghe von Trips oder Hermann Lang – er traf sie alle. „Um 7 h waren wir im Fahrerlager, um 9 h wurden wir herausgeschmissen“, erzählt er augenzwinkernd. Zeit genug, um hautnah Rennluft zu schnuppern und Autogramme der Rennfahrer zu kassieren. Klaus Ridder ist heute Pressesprecher der Initiative „Freunde des Nürburgrings“ und hält hin und wieder Vorträge über seine Lieblingsrennstrecke in der Eifel – so wie an diesem Abend in Köln. Nach einer Zeitreise durch die 88-jährige Geschichte des Nürburgrings, bei der er die letzten 60 Jahre live dabei war, nennt er die Errichtung der 22,8 km langen Nordschleife und die offizielle Eröffnung des Rings 1927 als wichtiges Datum. Kriegsbedingt kam 1940 der Rennbetrieb zum Erliegen und wurde erst sieben Jahre später wieder aufgenommen. Mit der neu gegründeten Formel 1 begann 1951 eine wahre Motorsport-Euphorie in Deutschland. Diese wurde 1976 mit dem schweren Unfall von Niki Lauda am Streckenabschnitt „Bergwerk“ jäh beendet und die Formel 1 zog sich nach der Rennsaison wegen Sicherheitsbedenken aus der Eifel zurück. Ein weiterer wichtiger Meilenstein ist laut Ridder der Bau der 4,542 km langen Grand-Prix-Strecke 1984 als zweite Rennstrecke, auf die die Königsklasse – Formel 1 – bereits ein Jahr später zurückkehrte. Ein weiteres Jahr später feierte der Truck-Grand-Prix Premiere.

Beginn einer neue Ära am Ring – Einstieg in die Insolvenz
Im November 2007 wurde der Nürburgring zu einem Freizeit- und Businesszentrum ausgebaut, um wetterunabhängige Eventflächen und zusätzliche Freizeitangebote für Fans und Touristen zu schaffen. Zwei Jahre später folgten der Boulevard mit Shops führender Automobil- und Zubehörmarken, Fanartikeln, die Indoor-Arena, ein weiteres Business-Hotel und die Erlebnisgastronomie Eifeldorf Grüne Hölle in unmittelbarer Nähe zur Rennstrecke. Geboten wird eine Mischung aus Museum und Science-Center rund um die Themen Mythos Nürburgring, Motorsport und Mobilität. Lange Zeit galt der Nürburgring als eine der attraktivsten Sport- und Freizeiteinrichtungen Deutschlands mit rund zwei Millionen Besuchern jährlich.

Doch auf der Rennstrecke in der Eifel wurden seit Jahren Millionen versenkt. Die Landesregierung von Rheinland-Pfalz hatte rund 500 Millionen Euro Steuermittel investiert, um die Rennstrecke zum Freizeitparkt umzubauen, und musste für die weitgehend landeseigene Nürburgring GmbH im Juli 2012 Insolvenz anmelden. Zu dem Zeitpunkt war das Land Rheinland-Pfalz mit 90 Prozent Haupteigentümer, die anderen zehn Prozent gehörten dem Landkreis Ahrweiler. Hinzu kam das Problem mit dem kostspieligen Formel-1-Vertrag, denn alleine durch die Formel 1 klaffte von 2003 bis 2011 ein Loch von rund 70 Millionen Euro in der Kasse.

Nach ein paar „turbulenten Jahren“ sieht es für die Traditionsrennstrecke in der Eifel wieder etwas besser aus. Vor gut einem Jahr kaufte sich der russische Investor Viktor Charitonin bei der Rennstrecke samt Freizeitpark ein. Auf den neuen Eigentümer werden große Hoffnungen gesetzt. Sportlich jedenfalls wird es auch 2016 am Ring. Wenn die winterlichen Streckensperrungen zu Ende sind, soll es wieder ein volles Programm geben.

Es bleibt zu hoffen, dass damit am Ring die Weichen in die richtige Richtung gestellt sind, um zukünftig wieder auf der Erfolgsspur zu fahren. Das Engagement vom TÜV Rheinland am Ring ist jedenfalls nachhaltig und wird weitergehen. Darin sind sich die Gastgeber einig.

Astrid Schafmeister

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