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Autonom unterwegs beim Magna Media Day

Das autonome Fahren stand im Mittelpunkt des Magna Media Day am 5. Mai 2015. Zu der Veranstaltung am Standort Sailauf bei Aschaffenburg konnte der Zulieferer über 30 VdM- und MPC-Teilnehmer begrüßen. Die Regionalkreise Rhein-Main von VdM und MPC hatten gemeinsam eingeladen. In Sailauf beschäftigt der Magna-Konzern derzeit etwa 900 von weltweit circa 131.000 Mitarbeitern. Auf dem als "Magna Campus" bezeichneten Gelände befinden sich ACTS, Magna Steyr, Magna Cosma, Magna Mirrors, Magna Electronics, Magna Seating, Magna Exteriors, Magna Powertrain, Magna Interiors und Magna International.

Nach der Begrüßung durch Klaus Iffland, Vorstand bei Magna Europe, und Gerd Brusius, Vorstand bei Magna Steyr, konnten die Teilnehmer des Media Day sich einen persönlichen Eindruck von den neuesten Entwicklungen des Unternehmens verschaffen. Kamerasysteme dienen als Basis für die Magna-Entwicklungen rund um das autonome Fahren. Die in Sailauf präsentierte neueste Generation des Fahrerassistenzsystems  EYERIS kombiniert mehrere hochauflösende Kameras am Auto, um den Fahrer in diversen Einpark- und Fahrsituationen zu unterstützen. Durch die Verschmelzung der verschiedenen optischen Signale zu einem virtuellen Bild erhält der Fahrer eine Vogelperspektive auf das eigene Fahrzeug. EYERIS erkennt nicht nur den optimalen Winkel zum Einparken und zeigt diesen auf einem Display an. Es identifiziert auch Fahrspuren, Verkehrsschilder, Fußgänger und andere Objekte, welche einen Einfluss auf Fahrsicherheit und Komfort haben.

Kameras spielen auch die Hauptrolle bei der zweiten im Rahmen der Veranstaltung präsentierten Innovation - dem Auto ohne Rück- und Innenspiegel. Der vorgestellte Prototyp hatte zwar noch an Stelle der normalen Rückspiegel ähnlich dimensionierte Kamerahalterungen, aber in der Serie könnten diese zugunsten einer besseren Windschlüpfigkeit völlig entfallen. Der Fahrer erhält alle Informationen, welche er sonst durch einen Blick in die Spiegel bekommt, künftig über Bildschirme oder beispielsweise über ein Head-Up-Display. Die Kameras ermöglichen darüber hinaus die Erfassung einer Vielzahl von Zusatzinformationen, beispielsweise über Bewegungen im Toten Winkel.

Magna ist Weltmarktführer bei der Produktion von Kamerasystemen und Spiegeln für Autos. Alleine für den chinesischen Markt stellte der Konzern bisher 125 Millionen Innen- und Außenspiegel her, und die Produktion von Kamerasystemen hat inzwischen die Zehnmillionen-Grenze überschritten. Das Know-How aus diesen Bereichen stellt auch die Grundlage für die Entwicklung weiterer Lösungen für das autonome Fahren dar. Auf der Autobahn A3 zwischen Hösbach und Waldaschaff konnten sich die Teilnehmer des Media Day ein Bild davon machen: In einem umgebauten VW Passat demonstrierte der Zulieferer, dass entsprechend ausgerüstete Fahrzeuge bereits heute ohne Eingriff des Fahrers autonom unter Berücksichtigung anderer Verkehrsteilnehmer die Spur halten, abbremsen und beschleunigen können.

Zur Reduzierung des Kraftstoffverbrauchs trägt eine weitere Neuheit aus dem Konzern bei, die in einem als Offroadgelände genutzten Steinbruch vorgeführt wurde. Mit FLEX4 hat Magna den ersten Allradantrieb mit Trennsystem entwickelt, welcher bedarfsgerecht zwischen einem Allrad- und Zweiradantrieb umschaltet. Der Allradantrieb wird innerhalb von 200 bis 300 Millisekunden aktiviert, wenn Straßenbeschaffenheit oder Gelände dies erfordern. Ansonsten sind damit ausgestattete Autos mit einem Zweiradantrieb unterwegs. Das System kann sowohl für Zweiradantriebe an der Hinterachse als auch an der Vorderachse eingesetzt werden. Mit dieser Technik sollen sich Einsparungen im Kraftstoffverbrauch von bis zu zehn Prozent realisieren lassen.

Neben dem reinen Fahrprogramm stellte Magna auch das Testzentrum der Konzerntochter ACTS auf dem Magna-Campus vor. ACTS steht für Advanced Car Technology Systems und testet Komponenten, Systeme und komplette Fahrzeuge. Dazu gehören unter anderem Dauerlauf- und Betriebsfestigkeits- sowie Airbagentfaltungsprüfungen, Umweltsimulationen sowie ein eigenes Dummy-Zertifizierungslabor. Auf den Crash- und Crash-Simulationsanlagen werden pro Jahr mehrere hundert Autos und mehrere Tausend Einzelkomponenten und Systeme getestet.

Bei diesem sehr umfangreichen Programm wurden die Teilnehmer mit Speis und Trank gut versorgt. Die Magna-Mitarbeiter, die teilweise sogar extra für dieses VdM-/MPC-Event aus dem österreichischen Graz eingeflogen waren, standen den Gästen geduldig für die vielen Fragen zur Verfügung. Ein herzliches Dankeschön an das VdM-Mitglied Rej Husetovic, der diese hervorragend organisierte und äußerst informative Veranstaltung bei Magna erst möglich gemacht hat.

Eva M. Uebel

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