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Die Zukunft der Hauptuntersuchung

VdM-Arbeitskreis Südwest informierte sich bei Dekra

Immer mehr elektronische Sicherheitssysteme sind in modernen Autos verbaut - von ABS über ESP, über einen ganzen Strauß von Airbags bis zu den aktuellen Assistenzsystemen, die das Fahrzeug in der Spur halten oder selbständig vor einem drohenden Crash abbremsen. Erfüllen die aber auch immer ihren Zweck – ein ganzes Autoleben lang? Die Sicherheitsstandards von Pkw und Nutzfahrzeugen regelmäßig zu überprüfen, ist Aufgabe der Überwachungsorganisationen wie Dekra, GTÜ oder TÜV. Bislang jedoch beschränkte sich die regelmäßige Hauptuntersuchung vor allem auf die mechanischen Fahrzeugkomponenten, auf die Funktion der Bremsanlage, der Lampen und Leuchten, auf Verschleiß tragender Karosserieteile und den Zustand der Reifen. Ab Mitte nächsten Jahres wird sich das gravierend ändern. Künftig prüfen die Ingenieure der Überwachungsorganisationen auch die sicherheitsrelevanten elektronischen Bauteile. Dafür haben sie kräftig aufgerüstet.

Wie die Prüfstraße der nahen Zukunft aussehen wird, erfuhren Mitglieder des VdM-Arbeitskreises Südwest Anfang Juli in der Dekra-Hauptverwaltung in Stuttgart-Vaihingen. Dr. Torsten Knödler, Dekra-Pressesprecher Wirtschaft, informierte zunächst darüber, dass Dekra inzwischen in 50 Ländern auf allen fünf Kontinenten und nicht nur in der technischen Fahrzeugüberwachung aktiv ist. Mit den Themen Sicherheit, Qualität und Umweltschutz haben die rund 32.600 Dekra-Mitarbeiter 2013 gut 2,3 Milliarden Euro Umsatz erwirtschaftet. Wolfgang Sigloch, Pressesprecher Automotive,  bat die VdM-Journalisten dann in die neue Prüfhalle, die bereits mit der neuen Prüftechnik für die moderne Hauptuntersuchung ausgestattet ist.

Dipl.-Ing. Sascha Domke aus der Dekra Entwicklung erläuterte an einem aktuellen Golf die neue Technik. Schon beim Hereinfahren in die Prüfhalle wird das Kennzeichen gescannt. Das System gleicht es mit der Dekra-Datenbank ab, um festzustellen, ob das Fahrzeug schon einmal bei Dekra zur Hauptuntersuchung war. „Bei etwa der Hälfte der Fahrzeuge sind die Daten bereits erfasst und müssen vom Prüfingenieur nicht mehr von Hand eingegeben werden“, berichtete Domke. Das spart viel Zeit, die hilft, den Mehraufwand für den neuen Prüfablauf zu kompensieren.

Unerlässlich für die Elektronikprüfung, der HU-Adapter

Dreh- und Angelpunkt der neuen Prüfung ist der sogenannte HU-Adapter, den künftig alle Überwachungsorganisationen nutzen. Er passt auf alle OBD-Anschlüsse, die seit einigen Jahren in allen Autos die Kommunikation mit der Fahrzeugelektronik ermöglichen.  Mit dem HU-Adapter kann der Prüfingenieur den Zustand aller sicherheitsrelevanten Bauteile auslesen. Zuvor wird ihm angezeigt, welche Systeme im System überhaupt verbaut sind. Basis dafür ist die 17-stellige Fahrzeug-Identifizierungsnummer (FIN), über die das Fahrzeug mit seiner kompletten Ausstattung identifizierbar ist. Die nötigen Daten über die individuelle Ausrüstung jedes einzelnen Fahrzeugs sammelt seit 2006 die FSD Fahrzeugsystemdaten GmbH in Dresden von den Fahrzeugherstellern ein. Auf dem HU-Adapter liegen sie verschlüsselt vor, sodass mit den sensiblen Daten kein Missbrauch getrieben werden kann. Über den HU-Adapter können auch die Systeme angesteuert und geprüft werden, die bei stehendem Fahrzeug nicht aktiv sind. „Wir haben damit eine digitale Taschenlampe, mit der wir Bereiche ausleuchten können, die uns sonst verborgen sind“, sagt Entwicklungsingenieur Domke.

Den gesamten Ablauf der Elektronik-Prüfung steuert der Prüf-Ingenieur mit seinem Smartphone, das über W-Lan mit allen Testsystemen in der Prüfhalle und dem HU-Adapter verbunden ist. So kann er in und am Auto alle Prüfungen durchführen, ohne ständig zum Laptop, oder von einem Prüfgerät zum anderen laufen zu müssen. Mit dem Smartphone kann er Informationen abrufen, Eingaben für den Prüfbericht machen und die Prüftechnik bedienen. „Bei der Hauptuntersuchung interessiert uns nicht, was im Detail defekt ist, sondern nur: was ist verbaut und ist das noch in Ordnung?“ Fehlerspeicher beispielsweise werden deshalb nicht ausgelesen. Aber wenn der Lenkwinkelsensor bei gerade stehenden Vorderrädern 15 Grad Lenkeinschlag anzeigt, kann etwas nicht stimmen.

So viel neue Technik und zusätzliche Prüfungen, was heißt das für den Autofahrer und für die Kosten der nächsten Hauptuntersuchung? Sascha Domke gab sich ganze entspannt. Er rechne nicht mit höheren Kosten für die Autofahrer, denn die neue Technik ermöglicht zwar einen erheblich größeren Prüfumfang, reduziert aber auch den Aufwand erheblich.

so

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