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Museumsbesuch mit Zeitzeugen

Rennsportbegeisterte bekommen glänzende Augen, wenn von Le Mans und dem legendären 24 Stunden Rennen die Rede ist. Seit 1923 sorgt das bedeutendste aller Langstreckenrennen für Schlagzeilen.

Neben den vielen privaten Rennteams starten auch Automobilhersteller mit ihren Werksteams regelmäßig bei der Materialschlacht rund um die Uhr. Ganz vorne seit Jahrzehnten mit dabei war Porsche. Nach dem Doppelsieg 1998 zog sich Porsche jedoch zunächst aus Le Mans zurück. Nach 16 Jahren geht mit dem neuen Porsche 919 in diesem Jahr am 14. und 15. Juni wieder ein Werksteam ins 24 Stunden Rennen.

Grund genug für den Sportwagenhersteller dem Porsche Engagement in Le Mans eine Sonderausstellung in seinem Museum zu widmen. „24 Stunden für die Ewigkeit“ lautet der Titel der Ausstellung, die vom 26. März bis zum 13. Juli 2014 im Zuffenhausener Porsche-Museum zu besichtigen ist. Der VdM-Arbeitskreis Südwest und die Kollegen des MPC hatten bereits vor Ostern Gelegenheit, die Ausstellung unter kundiger Führung zu besuchen. Besonderes Highlight dabei: Die ehemaligen Rennfahrer Hans Herrmann, Kurt Ahrens und Herbert Linge sowie Porsche-Konstrukteur Hans Mezger begleiteten die Führung mit spannenden Geschichten rund um die 24 Stunden von Le Mans aus erster Hand.

Neben „seinem“ Werksporsche 908 mit der Startnummer 64 erzählte Hans Herrmann etwa wie er 1969 einfach nicht am führenden Jacky Ickx vorbeikam. „Jacky Ickx hatte mich natürlich genau beobachtet und wusste, wann ich wo bremse. In der letzten Runde, vor der letzte Schikane habe ich dann überlegt, später zu bremsen und ihn so zu überrumpeln.“ Glücklicherweise siegte aber dann doch die Vernunft und so kam Herrmann als zweiter durchs Ziel. Ein Jahr später, 1970, holte Hans Herrmann auf einem Porsche 917 den Gesamtsieg.

Ebenso spannend konnte Herbert Linge von den Dreharbeiten zum Steve McQueen-Film „Le Mans“ berichten, der auch  1970 gedreht wurde. Linge steuerte nämlich während des gesamten Rennens einen Porsche 908 Spyder mit aufgebauter Filmkamera. „Regelmäßig mussten wir zum Filmrollenwechsel an die Box. Dabei wurden wir schließlich disqualifiziert, weil ein Mechaniker dabei nach dem Ölstand schaute.“ Tanken, Nachfüllen, Servicearbeiten waren aber zu dem Rennzeitpunkt untersagt. Schließlich aber wurde die Disqualifizierung wieder zurückgenommen, weil der Mechaniker nichts nachgefüllt hatte. Das Fahrerteam mit Herbert Linge erreichte trotz der vielen zusätzlichen Stopps sogar noch Platz sieben im Gesamtklassement. „Und das Filmteam hatte so viel Material, das hätte für drei Filme gereicht.“

Kurt Ahrens dagegen berichtete von einem schweren Unfall ebenfalls in den 70er Jahren während der Testfahrten mit dem neuen Porsche-Modell. „Auf unserem 24 Kilometer langen Rundkurs konnte es an einem Ende regnen und am anderen die Sonne scheinen. Ich kam aus der Sonne und sah in der Ferne die Hitze über dem Asphalt flimmern. Als ich näher kam, stellte sich das Flimmern aber als Wasser auf der Straße heraus.“ Team Radio, das ihn hätte warnen können, gab es zu der Zeit noch nicht. Ergebnis: Aquaplaning und ein kapitaler Abflug in die Leitplanken, der das Auto zerlegte. Ahrens aber kam mit ein paar blauen Flecken und Prellungen davon.

Neben diesen kurzweiligen Geschichten aus erster Hand führte der Leiter des historischen Porsche-Archivs Dieter Landenberger mit viel Detailwissen durch die spannende Geschichte des Porsche-Engagements bei den legendären 24 Stunden von Le Mans: Angefangen beim Porsche 356 SL (super leicht) aus dem Jahr 1950 mit 48 PS und 160 km/h schnell bis zum aktuellen Le Mans Porsche 919 Hybrid, über den noch weder Leistung oder Gewicht verraten wurden. Und natürlich gab es anschließend bei Getränk und Imbiss ausreichend Gelegenheit über den Mythos Le Mans und die beeindruckende Sammlung der Porsche-Rennsportwagen zu diskutieren. Als Bonbon ganz zum Schluss öffnete Landenberger Interessierten noch die Porsche-Klassik Werkstatt.

Text und Fotos: so

Le Mans@Zuffenhausen
Am Le Mans-Wochenende wird das Porsche-Museum erstmals über 24 Stunden lang von Samstag, 14. Juni ab 9.00 Uhr bis Sonntag, 15. Juni 18.00 Uhr geöffnet sein. Besucher und Fans des Langestreckenrennens können das Rennen live im Rahmen eines Public Viewing über mehrere Bildschirme im und um das Museumsgebäude herum mitverfolgen. Der Eintritt ist an diesem Wochenende frei.

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