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Spannende Historie und moderne Filterproduktion

Besuch beim Ludwigsburger Filterspezialisten Mann + Hummel

Mitte März hatten Miriam Teige und Harald Kettenbach aus der Mann + Hummel Kommunikationsabteilung den VdM-Arbeitskreis Südwest zusammen mit den Kolleginnen und Kollegen des MPC zu einem informativen Abend ins Mann + Hummel Stammwerk nach Ludwigsburg eingeladen. In einer kurzen Präsentation stellte Harald Kettenbach zunächst das 1941 gegründete Familienunternehmen vor, das heute weltweit 15.000 Mitarbeiter beschäftigt und 2013 rund 2,7 Milliarden Umsatz erwirtschaftete.  Etwa 85 Prozent des Umsatzes entfallen auf Filter für die Kfz-Erstausrüstung und den Ersatzteilmarkt, der Rest auf die beiden Sparten Industriefilter und Wasserfilter. Aktuell steht das Unternehmen auf Platz 25 der aktivsten Patentanmelder in Deutschland. Noch heute bestimme der Geist der Gründerfamilien, die noch im Aufsichtsrat vertreten sind, das Unternehmen, berichtete Kettenbach, der seit drei Jahren als Vice President Corporate Communications bei Mann + Hummel arbeitet.

Anschließend ging es in die historische Sammlung des Unternehmens, die derzeit noch wenig repräsentativ im Keller untergebracht ist. Im Neubau der Firmenzentrale, der bis 2016 auf dem Firmengelände errichtet wird, ist für die Sammlung ein modernes Museumskonzept geplant, das die Unternehmensgeschichte attraktiver präsentieren wird. „Mit dem Neubau wird Mann + Hummel auch in Ludwigsburg deutlicher sichtbar sein, als das bisher der Fall ist“, urteilte Kettenbach. Marcel Hofmeister konnte die VdM- und MPC-Kollegen dann aber auch im Keller-Museum für die spannende Technikgeschichte der Filtration begeistern. Mitten im Krieg hatten die Firmengründer Mann und Hummel, Lehrer der eine, Jurist der andere, die Filtersparte von Mahle übernommen und zunächst vor allem Filter für Wehrmachtsfahrzeuge produziert. Nach Kriegsende jedoch waren andere Dinge nötiger. Also wurden Hüte aus Filtermaterialien, aus Filz, produziert, außerdem Kochtöpfe und das „Rutscherle“, ein vierrädrigrer Handkarren.

In den 50er Jahren konnte schließlich die Filterproduktion für die wachsende Motorisierung wieder anlaufen. Die Filtergehäuse wurden langen Zeit ausschließlich aus Druckguss gefertigt. Erst Ende der 80er Jahre ging ein Ölfilter mit Kunststoffgehäuse bei Audi in Serie. Die Filtergehäuse wurden immer weiter verfeinert und angepasst, zum Teil aus mehreren Teilen durch Vibration aneinandergeschweißt. Manche Gehäuse etwa für Luftfilter aber haben heute eine so komplizierte Struktur, dass die herkömmliche Spritztechnik an ihre Grenzen stieß. Die Lösung schaffte eine speziell gegossene Metallform, auf die der Kunststoff aufgespritzt wird. Das Metall, eine Zink/Wismuth-Legierung, schmilzt bereits bei 150 Grad, der Kunststoff dagegen erst bei 320 Grad. So lässt sich die Metallform im heißen Ölbad aus dem Kunststoff herausschmelzen. Übrig bleibt das hochkomplizierte Kunststoffgebilde für den Filter.

Wie überhaupt sich hinter den unscheinbaren Filtern oft ausgeklügelte Technik verbirgt.  Was auch die Mann + Hummel Filter für Fälscher auf der ganzen Welt interessant macht. Auch dazu konnte Marcel Hofmeister interessante Beispiele zeigen – von der dilettantischen Verpackung, auf der aus dem Schriftzug Mann Filter „Wann Filter“ wurde, bis zu Fälschungen, die selbst für den Fachmann kaum zu erkennen sind.

Nach viel Geschichte folgte ein Rundgang durch die Filterproduktion, wo auch spät abends noch kräftig produziert wurde. Werksführer Werner Bölke vermittelte einen spannenden Einblick in moderne Produktionsabläufe. Die meisten Montageschritte werden heute von Maschinen erledigt, die gleichzeitig jeden Schritt überwachen und das Ergebnis protokollieren. Fehlerhafte Teile werden gleich ausgesondert. Der Mensch ist nur noch für die Bestückung der Maschinen und den Transport der Teile zuständig. „Nur so erreichen wir die geforderte Null-Fehler-Toleranz“, hieß es bei der Führung. Allerdings gibt es eine Ausnahme: Formdichtungen werden immer noch von Hand eingesetzt, denn: „Die Sensorik der Finger ist immer noch besser als jede Maschine“.

Beim abschließenden ausgezeichneten Imbiss aus der Werkskantine (!) war schließlich noch reichlich Gelegenheit über Mann + Hummel, über Geschichte und moderne Filtertechnik zu diskutieren.
so

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