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Opel-Prüffeld Dudenhofen

„Ein Männlein steht im Walde – ganz still und stumm. Und hat auch eine Kam’ra um...“

Ob dieser Dichter damals schon einen Blick in die Zukunft warf und den Erlkönig-Fotografen Hans G. Lehmann im Wald von Dudenhofen beschrieb, der hier vor mehr als 20 Jahren eines seiner „Jagdreviere“ aufgemacht hatte? 41 Kolleginnen und Kollegen vom VdM, MPC und DRPG krabbelten am 26. Juni zwar nicht, wie Lehmann dazumals, auf Bäume rund ums Opel-Prüffeld, konnten dennoch einen Blick in die Zukunft (und auch in die Vergangenheit) der leichten Nutzfahrzeuge der Adam Opel AG werfen, die 1930 mit dem Opel Blitz begann.

Wir trafen uns – bei trockener, aber kühler Witterung – auf dem Parkplatz des Opel-Prüffeldes. Interessant: Es kamen einige Transporter an mit brandneuen Renaults und Peugeots, die wahrscheinlich von den Opelanern getestet werden. Wir wurden per Shuttle zum OPC-Zelt mit der dazugehörigen Dynamikfläche gebracht, auf der viele Kunden mit ihren neuen High-Speed-Opels und Großkunden mit ihren Transportern üben dürfen. Leichter Grill-Duft begrüßte uns schon – angefacht von Opel-Caterer Dussmann Service und seine Mannen. Selbst frisch blanchierter Spargel lag auf dem Grill. Doch dazu später.

Kurz nach 19.00 Uhr begrüßte uns Harald Hamprecht (Generaldirektor Opel PR Europa) im OPC-Zelt und stellte gleich mal fest, dass Opel mit ihrer Schwesterfirma Vauxhall die drittstärkste PKW-Marke in Europa (nach VW und Ford) und die zweitgrößte PKW-Marke weltweit innerhalb der GM-Organisation ist. Eine der wichtigsten Aufgaben sei es jetzt, das Markenimage von Opel wieder zur alten Stärke aufzubauen. Deshalb sei auch ein neues Marketing-Mitglied in den Vorstand berufen worden: Tina Müller kommt ab 1. August zu Opel. Um die Rückkehr zur Profitabilität für das Rüsselsheimer Unternehmen zu sichern, soll auch das gesamte Händlernetz sowie das Gewerbe- und Flottengeschäft gestärkt werden. 23 neue Modelle und 13 neue Motoren (im Zeitraum 2012-2016) werden den Fokus auf die Marke ziehen. Dazu gehören Adam, Mokka und das preisgünstige Cabrio Cascada. Ein wenig erstaunlich kam das Quasi-Dementi von Hamprecht an, dass Opel sehr wohl ins Ausland exportieren dürfe. So ist Opel auch in Großbritannien (durch Vauxhall), Frankreich, Israel, Chile, Singapur und Russland tätig.

Als nächster sprach Axel Seegers, der die Presse für die Leichten Nutzfahrzeuge betreut: Der erste Laster von Opel fand 1930 als „Opel Blitz“ seinen erfolgreichen Weg in die Öffentlichkeit. Einer dieser Varianten wurde übrigens mit einem Buick-6-Zylinder-Motor betrieben. Wichtig dabei: Der „Blitz“ wurde das Markenzeichen der gesamten Opel-Flotte - in leicht abgeänderter Form - bis heute.

Uwe Winter, der verantwortliche Ingenieur für dem Opel Combo, war als nächster Redner tätig: Insgesamt bietet Opel im Leichten Nutzfahrzeugsektor 338 Varianten bei den drei Modellen Movano, Vivaro und Combo an. Vom Combo allein 108 Varianten. Beim Movano gibt es sogar 188 Varianten, darunter ein Heckantrieb und einen Allrad. Leider musste Winter die Frage von Kollegen Volker Lapp, ob es den Allrad demnächst auch im Combo gäbe, verneinen.

Jean-Francois Bloch, Verkaufsleiter Nutzfahrzeuge, zeigte auf, dass Opel in Europa seinen Anteil auf 3,94% anheben konnte, während der europäische LC-Markt ein Minus von 5,3% aufwies. Opel hat dabei inzwischen sogar den DB Vito überholt. In Deutschland hat Opel im Nutzfahrzeugbereich 361 Vertriebspartner mit insgesamt 900 Werkstätten. Auch hier gab es Neues zu berichten: Die Nutzfahrzeug-Händler werden demnächst eine neue Signalisation erhalten, wobei sich Opel an den Kosten beteiligen wird. Auch im Bereich Gewährleistung und Service hat Opel einige Verbesserungen vorgesehen, die vor allem den möglichen/nötigen Werkstatt-Aufenthalt verkürzen soll.

Nach den Reden, Fragen und Antworten wurde das recht umfangreiche Barbecue eröffnet: Hier für alle, die nicht gekommen waren, ein Blick auf die Köstlichkeiten, um deren Mund wässerig zu machen: Gebratener Spargel mit Tomatenpesto, Rosmarin-Kartoffeln (die kleinen) an Schnittlauchschmand, Ribeye-Steak (Blitz-gebranded), Bratwurst, Geflügel- und Garnelenspießchen. Als Nachtisch gab es Panna cotta mit Erdbeeren und Rhabarber - auf Wunsch mit Vanillesauce. Dazu diverse Salate (einschließlich griechischer) und drei unterschiedlich scharfe Dips. Übrigens: Der schärfste war WIRKLICH scharf. Neben den üblichen Säften und Colas gab es „bleifreies“ Bier dazu, denn auf dem gesamten Gelände herrscht absolutes Alkoholverbot. Also alles in Allem: Sehr lecker. Sehr beachtenswert war übrigens auch die Ausstellung, die von den ganz alten bis hin zu den neuesten Leichten Nutzfahrzeugen Opels reichte.

Parallel zu Barbecue und Plaudereien unter den Kollegen bot Opel auch ein kleines Sicherheitstraining an, bei dem man mit Movano, Vivaro und Combo über das Testgelände toben durfte. Die Fahrzeuge waren mit bis zu 500 kg beladen, um ein „echtes“ Gefühl für die Leichten Nutzfahrzeuge zu vermitteln. Pylonen waren aufgestellt, um sowohl Lastwechselreaktionen bei 60 km/h zu erspüren als auch bei einer Slalomfahrt die Wendigkeit der Autos zu erfahren. Bemerkenswert waren die Beschleunigung auf 100 km/h mit anschließender Vollbremsung, wobei der Movano als größtes Auto den kürzesten Bremsweg von nur 34 Metern hatte. Die netten Instruktoren, die in den Fahrzeugen mitfuhren und alles ausführlich erklärten, waren bis zum Veranstaltungsende voll beschäftigt, denn das Sicherheitstraining wurde nicht nur von den Mitgliedern, sondern auch von deren Begleitung gut angenommen.

Wie alles begann …
Im März 1966 wurde das Opel-Prüffeld Dudenhofen, Hessen, 35 km entfernt von Rüsselsheim, nach etwa zwei Jahren Planungs- und Bauzeit eingeweiht. Es war übrigens das Jahr des erfolgreichen Rallye-Kadetts. 2,6 Mio. qm Waldgebiet, Investitionssumme insgesamt: etwa 30 Mio. DM. 60 km Wegstrecken/Straßen/Verbindungswege. Davon 5 km Hochgeschwindigkeits-Rundstrecke (fliehkraftfreies Fahren bis zu 250 km/h) und 12 km Dauerlaufstrecke mit diversen Oberflächen; 808 m lange Handlingstrecke mit 16 Kurven und eine Off-Road-Strecke. Bergstrecke, Wasserdurchfahrt, Skidpad und Performance-Areal gehören ebenfalls dazu. 200 feste Mitarbeiter.

Zur Frage, wie man auf Dudenhofen im Rodgau kam, gibt es eine Anekdote, die allerdings (wahrscheinlich) eher eine Mär ist, die sich aber hartnäckig bei den alten Opelanern hält: Die erste (schriftliche) Anfrage an die Gemeinde Dudenhofen sollte an das bei Speyer liegende Dudenhofen gehen, landete aber – weshalb auch immer - beim Bürgermeister des hessischen Dudenhofen. Der war sofort Feuer und Flamme und antwortete überschwänglich positiv, bot sofort ein riesiges Waldareal zu günstigen Konditionen an – und so war‘s entschieden... Die alte Prüfstrecke in Rüsselsheim (aktiv von 1951 bis 1966), 20 mal kleiner als das jetzige Opel Test Center, beheimatet jetzt das Akustiklabor, eine EMV-Halle (Elektromagnetische Verträglichkeit) sowie das Crash-Center.

Harald Linke / Eva M. Uebel

Fotos: Franz Hoffmann (VdM), Gerd Kreusch (VdM) und Sig. Traub (Opel)

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