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Riesen Sauerei zum Jahresende

 Mercedes-Museum? Ja klar! Porsche Museum? Natürlich! Staatsgalerie? Selbstredend! – Stuttgart hat zahlreiche Museen zu bieten, die zu Recht Weltruhm genießen. Aber es gibt auch weniger bekannte, dennoch nicht minder sehenswerte und durchaus originelle Museen in der baden-württembergischen Landeshauptstadt. Eines davon ist das noch recht neue – Eröffnung war am 1. Mai 2010 – Schweine-Museum.

Dieses Kuriositäten-Kabinett mit angegliederter Gastronomie (oder ist es ein Gastronomiebetrieb mit angegliedertem Museum?) war Treffpunkt für die Jahresabschlussfeier der Südwestler. Knapp zwei Dutzend VdM-Mitglieder, verstärkt durch einige MPCler, ließen bei einer gut einstündigen Führung erst einmal kräftig die Sau raus.

Rund 50.000 Schweinereien sammelte Museumsgründerin Erika Wilhelmer, die zu Stuttgarts gastronomischen Urgestein zählt, im Lauf der Jahre und präsentiert sie nun im alten Verwaltungsgebäude des ehemaligen Stuttgarter Schlachthofs. Zu fachkundigen und amüsanten Erläuterungen von Führerin Silke, eigentlich Studentin der Verfahrenstechnik, zog die VdM-Gruppe durch die verschiedenen Themenräume und ließ sich in die „Geschichte des Schweins“ einführen.

Von der Zoologie (rund 90 Prozent der schweinischen DNA ist mit der menschlichen identisch) über das Schwein in Kunst und Kultur bis hin zu in der Mythologie und der Symbolik – in diesem weltweit einzigartigen Museum vermitteln Schweine aller Art in den verrücktesten Farben, Formen und Ausführungen die Vielseitigkeit dieses Tieres.

Ob aus Gold, Plüsch, Holz, Keramik oder Kork, ob als Tasse, Gemälde, Krawatte oder Briefkasten, ob bemalt, lackiert, beklebt, gegossen, getöpfert oder gehämmert: Hier gibt es nichts schweinisches, was es nicht doch gibt. Allein die Sparschweinsammlung umfasst rund 7.000 verschiedene Exemplare. Und im „nicht jugendfreien Raum ab 18 Jahre“ gibt’s natürlich auch Schweinereien im doppelten Wortsinn zu begaffen.

Die Jäger kommen im Wildschwein-Zimmer auf ihre Kosten und wer wissen will, in welchen Ländern wie viele Schweine leben, kann seinen Bildungshunger ebenfalls stillen: In Afghanistan lebt gerade eine einzige arme Sau, Dänemark hat mehr Schweine als Einwohner und China stellt mit rund 450 Millionen Schweinen das weltgrößte Kontingent. Zu Sprichwörtern, Redensarten und sonstige kulturellen und Brauchtums-Schweinereien findet sich natürlich auch hinreichend Material. Ganz lustig für Motorfreaks: Schweine in Form von Harley-Davidson-Tanks und Miniaturen von Porsches berühmter Rennsau.  

Nach solch herzerfrischenden Ansichten zum Thema Schwein fällt es natürlich erst einmal schwer, sich dem anschließenden Spanferkel-Essen mit Genuss und Freude zu widmen. Doch Silke wusste schon im Vorfeld Rat: „In der Südsee gibt es Volksstämme, bei denen Schweine hoch angesehen, fast heilig sind. Dort gilt die Devise: ehren durch verzehren.“ Dank dieser moralischen Aufrüstung schmeckte dann auch allen das Weihnachtsessen.

Text und Fotos: Franz-Peter Strohbücker

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