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Adrenalin pur: Boxenstopp bei Abt

Abt in Kempten ist eine pure Powerzelle. VdM- und MPC-Kollegen besuchte sie, von Pressechef Björn Marek willkommen geheißen im sonnigen Allgäu

DTM 2012. Triumphe und Tragödien beim Dreikampf von Audi, Mercedes und BMW. Wer Audi meint, sagt Abt und nennt Namen wie Mattias Ekström, Rahel Frey, Timo Scheider und Adrien Tambay, gesettelte oder kommende DTM-Racer. Ihr Teamchef: Hans-Jürgen aus der Adrenalin-Dynastie der Abts.

Seit 1896 sind sie im Allgäu zu Hause. Und hatten schon als Bauern immer etliche Pferdestärken im Stall. Leonhard Abt handelte immerhin schon mit echten PS, gründete ein Autogeschäft. Und fuhr Motorradrennen (Zweirad-Oldtimer zieren noch den Ausstellungsraum). Heute sind seine Söhne dran, Hans-Jürgen und Christian. Enkel Daniel (18) wurde bereits GP3-Vizemeister und startet zum Durchmarsch. Alles im grünen Bereich, eine Familie mit Benzin im Blut – und mit Adrenalin.

Die ABT Sportsline GmbH in Kempten beschäftigt 160 Menschen. Keine Durchschnittstypen, alle irgendwie flott und alert. Zusammen machen sie 40 Millionen Jahresumsatz. Einfach mit Rennfahren? Mitnichten. Mit solider handwerklicher Arbeit. Mit dem Tuning von Kundenfahrzeugen aus allen Herren Länder, bevorzugt: Audi, VW, Škoda und Seat. Dabei achtet Abt auf Alltagstauglichkeit, tunt also moderat. Das Hauptziel: Leistungssteigerung, Verbesserung des Drehmomentverlaufs, Anhebung der Geschwindigkeit. Allein das bringt aber mehr technische Probleme mit sich als man meint.

Tobias Aberle zeigt uns den Ausstellungsraum, erklärt jedes Fahrzeug, besonders die Siegerwagen von 2007, 2008 und 2009. Mit ihnen ist Audi als erstem Hersteller der Hattrick gelungen. Tolle Sache: Noch bis 2003 startete Abt als Privatteam. Dann erfolgte die Umstellung vom Renn- zum Tourensport… und der Erfolg. Tobias Aberle: „Entscheidend ist oft die Arbeit im Boxenstopp. Zwölf Leute schuften, um das Auto in Windeseile wieder fit zu machen, brauchen Konzentration und viel Kraft. Deshalb schicken wir sie auch ins Fitnessstudio. Allein die Reifen wurden zuletzt um fünf Kilogramm schwerer…“.

Wir sehen die riesigen Schuler-Transporter, die Abt-Boliden mit MAN-Power zu jeder Veranstaltung fahren. Drinnen alle Teile, Computer, das Büro des Teamleiters. Wir sehen die Entwicklungsabteilung mit den Fahrwerks- und Motorprüfständen. Entwicklungsleiter Norbert Englisch: „Der Leistungsprüfstand ist das Herz einer jeden Fahrzeugentwick-lung. Mit den Rollen, auf die das Fahrzeug aufgesetzt wird, können wir alle Straßenzustände simulieren und Leis-tungen bis zu 1000 PS messen, auch mit Allradantrieb“. Und dazu das Tosen des Kühlungsgebläses…

Dann schließlich betreten wir das Allerheiligste, die Motorsportabteilung. Fotografieren streng verboten! Da stehen sie nun, die aktuellen Boliden. Alle in Transaxle-Bauweise: Motor vorn, Getriebe hinten. Die ganze Technik in Nähe der Bodengruppe, des tiefen Schwerpunktes wegen. Darüber ein Gewirr von Trägern, Stützen, Versteifungen. Audi-Serienteile sind hier kaum mehr dabei. Der ohne Airrestriktor bis zu 650 PS leistende 4-Liter-V8-Motor wirkt in dem Gerüstegewirr fast unscheinbar, noch kleiner die Sitzmulde des Fahrers, ganz unten am Boden, der Ein- und Ausstieg für normal gebaute Menschen eine Farce. Wie man da hinein- und auch wieder hinauskommt? Letzteres soll im Notfall ja in Sekundenschnelle vor sich gehen, sonst ist es zu spät. Es ist schon ein Erlebnis, aktuelle DTM-Boliden direkt betasten zu können.

Dass sich Abt auch mit einem eigenen Elektromotorkonzept befasst, naja. Bisschen mehr Reichweite will man schon geschafft haben, aber viel Druck scheint hier nicht dahinter zu stecken. Das Abt aber auch da besser ist als der Markt, nehmen wir gläubig ab. Mit der Hybridtechnik befassen sich die Allgäuer aber nicht.

Mal sehen, was Abt und Audi 2013 zuwege bringen. Die DTM-Erinnerungen konnte man in diesem Jahr übrigens auch im Museum mobile von Audi erleben. Da standen die Boliden von vier Jahrzehnten, auch der berühmte Abt-Audi TT-R. Für uns, ein gutes Dutzend Journalisten, war das ein intensives Tageserlebnis. Fast schon ein Adrenalinstoß.

Hans-Roland Zitka (Text und Fotos)

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