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Unfälle mit Wohnmobilen

Wohnmobile erfreuen sich in Deutschland wachsender Beliebtheit. Der Bestand dieser Fahrzeuge nimmt kontinuierlich zu. Zum Unfallgeschehen von Reisemobilen liegen zwar grundlegende Informationen aus der Straßenverkehrsunfallstatistik vor, es fehlte bislang detailliertes Wissen über die aktuelle Struktur von Unfällen mit Wohnmobilen. Die Unfallforschung der Versicherer hat daher in einem zweijährigen Projekt Wohnmobil-Unfälle mit Personenschaden im Detail analysiert, Beladungszustände von Wohnmobilen gemeinsam mit der Polizei kontrolliert, die Fahrer befragt sowie Fahrdynamikversuche und einen Crashtest durchgeführt.

Die Untersuchung zeigte, dass ein Wohnmobilunfall ein sehr seltenes Ereignis ist, bei dem die Insassen des Wohnmobils meist leichter verletzt werden als die Unfallgegner. Im Wohnmobil selbst sind die Insassen, die im Wohnbereich mitfahren, tendenziell höheren Verletzungsrisiken ausgesetzt als der Fahrer oder Beifahrer auf den Vordersitzen. Der häufigste Unfalltyp bei Wohnmobilunfällen ist der „Unfall im Längsverkehr“, also z.B. ein Auffahrunfall auf einen anderen Pkw.

Überwiegend auf Landstraßen und am häufigsten bei Auffahrunfällen kommt es zu tödlichen Unfällen. Viele davon müssten nicht sein, wenn Wohnmobile mit Bremsen nahe am Pkw-Niveau ausgerüstet und Fahrzeuge oft nicht auch noch überladen wären. Bremswege von 60 Metern sind nicht mehr zeitgemäß. Wenn dann noch Ablenkung oder zögerliches Bremsen dazu kommt, ist ein Auffahrunfall beinahe vorprogrammiert.
Bei Verkehrskontrollen war rund die Hälfte aller Campingfahrzeuge zu schwer, jedes neunte sogar so überladen, dass es hätte gar nicht erst weiterfahren dürfen. Viele Reisemobilisten sind sich über diesen Umstand nicht im Klaren. Sie fahren zum Beispiel mit vollem Wassertank in den Urlaub und verschenken somit eine einfache Möglichkeit zur Gewichtsreduktion.

Die von der UDV durchgeführten Fahrversuche zeigten, dass das Fahrverhalten von Wohnmobilen auch im Grenzbereich eher unkritisch ist, allerdings unter der Maßgabe, dass die mitgeführten Reiseutensilien und sonstigen Gegenstände korrekt im Fahrzeug verteilt und richtig gesichert sind.

Um Wohnmobile sicherer zu machen, sollten das Stabilitätsprogramm ESP und Notbremsassistenten für alle Fahrzeuge dieser Fahrzeuggattung obligatorisch sein. Die Gurtsysteme auf allen Sitzplätzen im Wohnmobil sollten Pkw-Niveau haben, vor allem die Sitzplätze im Wohnbereich gilt es sicherer zu gestalten.

Siegfried Brockmann

Weitere Informationen unter www.udv.de/wohnmobil und der UDV-Film auf www.youtube.com/unfallforschung

 

 

  • Crashversuch der Unfallforschung der Versicherer mit Wohmobilen, Foto: UDV
  • Gutmütiges Fahrverhalten, wenn richtig beladen, Foto: UDV
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