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Teure Oldtimer in Essen

Manch einer sammelt statt Briefmarken Antiquitäten oder Ähnliches, manchmal auch Autos. Da stehen wahre Schätze, mehr oder weniger versteckt, in der Garage – und werden hin und wieder auch zu einer Ausfahrt benutzt. „Technische Kulturdenkmäler“ zum Sammeln.

Seit 26 Jahren gibt es die passende Messe dazu, die Techno Classica in Essen, die sich „The World (largest) Classic Car Show“ nennt. Das Angebot der Messe ist vielfältig, es reicht von der Aufarbeitung von sogenannten „Scheunenfunden“ über die Entwicklung stromlinienförmiger Autos über ein Jahrhundert bis hin zur Darstellung der historischen Automobile in der Kunst.

FIVA – Weltverband für Oldtimer
Es gibt sogar einen Weltverband für Oldtimer (Fédération Internationale des Véhicules Anciens – FIVA), da sind 1425 Clubs zusammengefasst, die sich mit historischen Fahrzeugen befassen. Clubs für historische Fahrzeuge spielen eine starke soziale und kulturelle Rolle. Sie veranstalten Ausstellungen, Rennen mit historischen Fahrzeugen und setzen sich dafür ein, dass in der Gesetzgebung Ausnahmen festgeschrieben werden, damit diese Fahrzeuge, die beispielsweise nicht die neuesten Abgasnormen erfüllen, auch heute und in der Zukunft noch fahren dürfen. Interessant aus den statistischen Erhebungen der FIVA, dass 98 Prozent der Besitzer von Oldtimern Männer sind, dass jeder Oldtimerbesitzer im Schnitt 2,2 Fahrzeuge besitzt und er damit im Jahr im Durchschnitt 1.433 km zurücklegt.

Nicht nur Originale
Da steht ein ganz seltener Lancia-Formel 1-Rennwagen aus dem Jahre 1955, mit dem einst der Italiener Alberto Ascari Rennen fuhr (und unter anderem damit auch im Hafenbecken von Monaco landete). Nach dem Rückzug von Lancia aus der Formel 1 kamen die Rennwagen zu Ferrari und Enzo Ferrari ließ bekanntlich alle ausrangierten Rennwagen vernichten – nur einer wurde gerettet und der steht im Automuseum in Genf. Das charakteristische an diesen 2,5 Liter Rennwagen waren die Tanks zwischen den Vorder- und Hinterrädern.

In Essen war ein solcher Lancia-Rennwagen zu sehen. Aber, eine Nachfrage ergab, dass es sich um einen Nachbau (Replica) handelte. Ein wunderschöner Nachbau, schon mit dem gelben Ferrari-Markenzeichen, dem springenden Pferd. Nachbauten historischer Rennwagen – das ist ein neuer Markt. Sicher auch teilweise gerechtfertigt, wenn man bedenkt, dass fast alle Auto Union Rennwagen der Vorkriegszeit verloren gingen und trotzdem wieder bei historischen Rennveranstaltungen fahren. Es gibt aber auch Firmen, wie Mercedes, die den Eigentümer seltener Mercedes-Automobile die Echtheit des Fahrzeugs dokumentieren (wenn es echt ist). „Replica“ ein Markt, der sich immer mehr bemerkbar macht und dem sich auch die Techno Classice stellt.

Kunst am Automobil
Schöne Frauen und schöne Autos in der Kunst darzustellen – da kommt Freude auf! Dabei hat der Künstler die Möglichkeit, die Schönheit und im Motorsport die Dramatik beson-ders darzustellen. Bernd Lehmann aus der Lüneburger Heide malte in Acrylfarben auf dem Stand von Ferrari Eberlein einen Ferrari-Dino 206 GT, der beim 12h-Rennen in Sebring (USA) 1969 im Einsatz war. Er gibt seinen Bildern, und darauf legt er besonderen Wert, noch ein paar künstlerische Zusätze. Seine Kunstwerke müssen nicht unbedingt vollständig dem Original entsprechen. „Dafür nimmt man besser ein Foto.“, so Bernd Leh-mann.

Anders sind die Bilder des Stuttgarter Galeristen Conny Constantin. Er brachte auf seinem Stand gleich seinen Lieblingsmaler Alfredo de la Maria aus Argentinien mit. Der Argentinier malt detailgetreu, sein Mercedes SS mit Rudolf Caracciola bei der Tourist Trophy 1929 entspricht genau dem Rennwagen, der damals die Ziellinie als Sieger überfuhr. Das Originalauto, das übrigens auf dem Stand von S.I.H.A. zu sehen war, ließ er sogar für sein großflächiges Bild vorher fotografieren. Conny Constantin verkauft die Bilder als Original, nicht ganz billig, und stellte eine limitierte Anzahl von Drucken her – alle handsigniert von dem jeweiligen Künstler. Keine Angst, dass der Galerist auf seinen teuren Originalen sitzen bleibt. Die Originale gehen auch bei Preisen um die 20.000 € „weg wie warme Semmeln“.

Rudolf Caracciola

Auf dem Plakat der Techno Classice 2015 ist der Mercedes SS von Rudolf Caracciola, dem erfolgreichsten deutschen Rennfahrer aller Zeiten, zu sehen. In einer Abendveranstaltung wurde an den in Remagen 1901 geborenen Rennfahrer erinnert, der dreimal Europameister wurde und mit 22 Jahren das erste Rennen auf einem Fafnir-Rennwagen gewann; auch war Rudolf Caracciola 1927 der erste Sieger auf dem neu erbauten Nürburgring. Den 2. Weltkrieg überlebte Rudolf Caracciola in der Schweiz und startete nach dem Krieg als Schweizer Staatsbürger. Ein schwerer Unfall 1952 bei einem Sportwagenrennen im Berner Bremgartenwald stoppte die 30jährige Karriere des Ausnahmefahrers. 1959 starb Caracciola an den Folgen eines Leberleidens.

Stromlinienfahrzeuge und Rennsportwagen bei Mercedes-Benz
Jedes Jahr präsentiert sich Mercedes-Benz auf der Techno Classica mit einem besonders aufwändigen Stand – diesmal war das Thema „Stromlinie“ und „Sportwagenrennen“. Der Anlass für die Präsentation des 300 SLR-Rennwagens war, dass vor 60 Jahren Stirling Moss auf dem Mercedes-Benz 300 SLR Rennsportwagen mit der Startnummer 722 die „Mille Miglia“ in der besten Zeit, die jemals beim legendären 1.000-Meilen-Rennen in Italien erreicht wurde, gewann. Zur Techno Classica war das Siegerfahrzeug von 1955 Stargast des Messeauftritts von Mercedes-Benz.

Der zweite Schwerpunkt, den die Stuttgarter Marke zur 27. Techno Classica setzte: die einzigartige Geschichte der Mercedes-Benz Stromlinien-Kultur. Sieben sportlich-elegante Fahrzeuge verkörpern diese innovative und ästhetische Tradition. Die Auswahl reicht vom „Blitzen-Benz“ des Jahres 1909 bis zum aktuellen Mercedes-Benz CLA 45 AMG Shooting Brake von 2015. In der Tradition dieses Hochleistungs-Automobils zeigte Mercedes-Benz Classic zwei spätere Fahrzeuge der Marke, die als Einzelstücke für Schnellfahrrekorde gebaut wurden: Mit dem Zwölfzylinder-Rekordwagen von 1936, der auf Basis des Grand-Prix-Rennwagens W 25 entsteht, erreichte Rudolf Caracciola eine Spitzengeschwindigkeit von 372,1 km/h. Vier Jahrzehnte später entwickeln die Mercedes-Benz Ingenieure das ursprünglich 1969 präsentierte Forschungsfahrzeug C 111 im Jahr 1978 zum Rekordwagen C 111-III weiter, der mit seinem Fünfzylinder-Dieselmotor bei Rekordfahrten im italienischen Nardò neun absolute Weltrekorde aufstelle.

Historische Fahrzeuge, das ist ein technisches Kulturerbe. Immer mehr „Männer“ widmen sich dem Erhalt des Kulturguts und das wurde auf der 27. Techno Classica auch eindrucksvoll gezeigt.

Klaus Ridder

  • Alfredo de la Maria aus Argentinien malte für die TECHNO CLASSICA 2015 das Titelbild, Foto: Ridder
  • Ein Stromlinien-Rennwagen aus dem Jahre 1909, der sog. „Blitzen-Benz“ fuhr damals schon 228 km/h, Foto: Ridder
  • Auffällig und aufwendig wurden die Stromlinienfahrzeuge von Mercedes-Benz präsentiert, hier der 2,5 Liter Formel 1-Rennwagen aus dem Jahre 1955 und der Weltrekordwagen aus dem Jahre 1936, Foto: Ridder
  • Foto: Ridder
  • Nicht alles an ausgestellten Fahrzeugen ist Original, hier der Nachbau eines Lancia-Rennwagens aus dem Jahre 1955. Man beachte die Tanks zwischen den Vorder- und Hinterrädern, Foto: Ridder
  • Bernd Lehmann malte am Stand von Ferrari Eberlein den Ferrari Dino, der 1969 beim 12h-Rennen in Sebring eingesetzt wurde, Foto: Ridder
  • Mit der Startnummer 722 gewann Stirling Moss 1955 in Rekordzeit die „Mille Miglia“, oder auch „1000 Meilen von Brescia“ genannt, auf diesem Mercedes 300 SLR, Foto: Ridder
  • Auf der Pressekonferenz wurde die Mille Miglia 2015 vorgestellt, Foto: Ridder
  • Auch Motorräder wurden ausgestellt – hier 2 seltene Exemplare: Eine BMW Weltrekordmaschine von Ernst Henne ..., Foto: Ridder
  • ... sowie Die Weltmeister -Maschine von H.P.Müller aus dem Jahre 1955, eine NSU-Sportmax, Foto: Ridder
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