Stick oder Stapel? Auf jeden Fall beides!
Die Ergebnisse der großen VdM-Umfrage zur optimalen Pressemappe
Wie hätten Sie´s denn gern, fragte der VdM Journalisten: Sollen Pressemappen weiterhin ausgedruckt geliefert werden oder lieber gleich elektronisch? Was sollen sie genau enthalten? Unsere exklusive Umfrage schafft Klarheit.
Ob im Zug, am Flughafen oder abends im Hotel: es scheint keinen Ort mehr zu geben, an dem nicht jemand ein iPad herauszieht, darauf Filme anschaut, Bücher liest oder Prospekte durchblättert. 55 Millionen Tablet-Computer verkaufte allein Apple als Marktführer – und vom Schüler bis zum Senioren nutzen Menschen jeden Alters den modernen, kinderleicht zu bedienenden Papierersatz. Das Marktforschungs-Institut Gartner prognostizierte schon im September, dass in diesem Jahr über 100 Millionen der Alleskönner über die Ladentheke gehen – oder im Online-Shop bestellt werden. Denn im Zeitalter von mobilem Internet geht das von überall aus. Bedeutet dies das Ende des fast 2000 Jahre währenden Papierzeitalters?
Nein, wir wollen weiter Pressemappen aus Papier, sagen selbst diejenigen, die täglich mit modernen Medien umgehen. 95 Journalisten beteiligten sich an der VdM-Umfrage im Internet, gaben detailliert Auskunft zu ihren Erfahrungen mit Pressemappen, nannten ihre Anforderungen an Text und Foto – und sagten uns, welche Pressemappe sie für die beste halten.
Zunächst zu den Teilnehmern: Als größte berufsständische Organisation für Motorjournalisten aller Medien und Beschäftigte von Automobil- und Zulieferindustrie hat der Verband der Motorjournalisten rund 430 Mitglieder. Fast ein Viertel davon nahm an der Umfrage teil. Insofern nur Experten befragt wurden – und diese detailliert Auskunft gaben – sind die Ergebnisse durchaus relevant und repräsentativ. Gut 10.000 Datensätze wurden im Anschluss ausgewertet, die ein differenziertes Bild ergeben.
Die Befragten arbeiten überwiegend im Print-Bereich, immerhin jeder fünfte ist allerdings auch für Online-Medien tätig. Zwei Drittel der Befragten stimmen der Aussage „Ich nutze Pressemappen intensiv“ zu – übrigens auch diejenigen, deren „Infos auf Fahrvorstellungen und Testfahrten basieren“. Nur drei Prozent sagen, dass Pressemappen heutzutage überflüssig sind und direkt ins Altpapier wandern.
Nutzbarkeit entscheidend
Auch wenn knapp zwei Drittel der Aussage „Hochwertige Pressemappen sind ein Aushängeschild des Herstellers“ zustimmen: entscheidend ist die Nutzbarkeit. Die optimale Pressemappen muss daher ein Inhaltsverzeichnis enthalten, aber nicht übertrieben aufwendig gestaltet sein.
Analog und digital
Ganz klar ist das Votum, Texte ausgedruckt und digital zu liefern. Die Fotos müssen digital vorliegen – ein Heft mit Miniaturfotos ist zusätzlich gern gesehen. Der viel gescholtene USB-Stick erfreut sich bei den Befragten großer Beliebtheit.
Texte: Ansprechpartner sind ein Muss
Journalisten fragen gerne nach – und so sind Adressen von Ansprechpartnern, auch und gerade für spezielle Themenbereiche, ein Muss in der Pressemappe. Eine Kurzversion des Textes hilft, sich schnell einen Überblick zu verschaffen. Und der Text lässt sich mit Zitaten von Technikern, Verantwortlichen oder Prominenten später farbiger gestalten. Die mit Abstand häufigste Freitext-Antwort zu Texten lautete – wie es ein Journalist drastisch formulierte - „kein Werbegequatsche, sachliche Informationen, (tabellarische) Übersicht über: Ausstattung, Preise, Technik“. „Superlative“ und „Werbegequatsche“ ärgern viele.
Bilder: Lieber authentisch als exotisch
Gewagte Perspektiven, exotische Sets, kreative Ideen, überraschende Farbspiele – das liebt der Fotograf. Aber nicht unbedingt der Motorjournalist. Die höchste Zustimmung fand sich für die Aussagen „Authentische Fotos sind mir lieber als unrealistische Hochglanzaufnahmen“ und „Explosionszeichnungen oder Fotos technischer Detais sind nützlich“. Gewünscht sind auch Fahraufnahmen, freigestellte Fotos, Fotos mit Personen, Bilder von Technik oder Zubehör im eingebauten Zustand, Fotos der Autos in Deutschland mit deutschen Kennzeichen, Innenraum-Aufnahmen und Fotos, die die Fahrzeuge gemeinsam mit Vorgänger- und historischen Modellen zeigen.
Ein Praxistipp aus den Freitext-Antworten: „Das Bild muss genügend Hintergrund haben, um Bildausschnitt/Format selbst wählen zu können“ und „es sollte den richtigen Winkel haben, keine ungewöhnlichen Perspektiven“.
Lieferung: Am liebsten vorher fragen
Journalisten hätten die Pressemappen gerne per E-Mail und per Post. Am liebsten hätten sie es, wenn der Hersteller vorher per E-Mail nachfragen würde, ob und in welcher Form die Mappe benötigt wird („Ich möchte per E-Mail informiert werden und dann selbst entscheiden können“).
Texte am besten als Word-Dokument
„Keep it simple“, lautet die technische Anforderung an den Text. Am besten ein Word-Dokument, das keine Logos und Fotos enthält – und die Datei bitte nicht umständlich in einen Warenkorb oder eine E-Mail verpacken. Es muss sich ohne Umwege von der Webseite herunterladen lassen, wenn es nicht ohnehin schon auf USB-Stick oder DVD gespeichert ist.
Fotos mit direktem Zugriff
Werden Fotos von der Webseite geholt, sollte man auf das jpeg direkt zugreifen können. Es kann sich in einem neuen Fenster in höchster Auflösung öffnen oder per Klick auf ein Diskettensymbol gespeichert werden. Unbeliebt sind zusätzliche Schritte wie ein Downloadkorb oder ein Zip-Download.
Die beste Pressemappe aller Zeiten
Nein, der Stein der Weisen wurde noch nicht gefunden. Bei der Frage nach der besten Pressemappe 2011 liegen die deutschen Auto- und Zubehörhersteller vorn. Für die beste Pressemappe aller Zeiten wurde Mercedes am häufigsten genannt. Aber hier gab es keine repräsentativen Zahlen. Vielleicht wird dies ja Thema der nächsten VdM-Umfrage.
Die VdM-Umfrage zeigt insgesamt, dass Authentizität und einfache Beschaffung am meisten geschätzt werden. Die Anforderungen der einzelnen Teilnehmer sind jedoch durchaus unterschiedlich. Die Analyse der Umfrage mit zahlreichen weiteren Informationen und Abbildungen können Interessierte kostenlos auf www.motorjournalist.de herunterladen.
Frank Börnard

Hier gibt es alle Ergebnisse der VdM-Umfrage im Detail zum Download.


