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Stegowagenvolkssaurus

Ein wahrlich kurioser Zwitter zweier ausgestorbener Spezies steht in einer Bibliothek bei Cincinnati.

Eine Bücherei, in der es Material über Autos gibt, ist sicher nichts Unge-wöhnliches; ein Auto in einer Bibliothek schon eher. Aber so ein „Auto“, wie es die Frank-Steely-Bibliothek der Northern Kentucky University nahe Cincinnati den Besuchern bietet, dürfte im doppelten Sinn einmalig sein.

Stegowagonvolkssaurus oder kurz und liebevoll „Stego“ nennt sich das Unikum, das schon vor Jahrzehnten von der amerikanischen Künstlerin Patricia A. Renick auf die Beine gestellt wurde. Sie kombinierte den Körper eines VW-Käfer mit den Nachbildungen von Kopf, Beinen und Schwanz eines prähistorischen Stegosaurus.
Entstanden ist das Werk 1974 als Kommentar zur damaligen Ölkrise. Die Künstlerin wählte als Basis für ihre Skulptur einen 1963er VW-Beetle, der damals als eines der sparsamsten Fahrzeuge galt – zumindest in den Gas-Guzzler-gewohnten USA. Gedacht war die Arbeit als ironischer Kommentar. Renick wollte die Parallelen zwischen der drohenden Verknappung fossiler Brennstoffe und dem Aussterben der Saurier aufzeigen.

Der Körper, sprich der Käfer, ist echt, die übrigen Teile der Skulptur sind aus Fiberglas und die ehemaligen Fenster aus spiegelndem Kunststoff. Wahrlich sauriermäßig sind die Dimensionen: Gut sechs Meter lang und fast vier Meter hoch präsentiert sich Stego dem Besucher.

Dass er heute wieder zu besichtigen ist, war lange Zeit nicht zu erwarten. Nach seiner Fertigstellung stand er erst in zwei Museen in Cincinnati, ehe er 1975 zu einer Ausstellung ins Contemporary Arts Center in Chicago wanderte. Dabei wurde die Skulptur so sehr beschädigt, dass sie für gut 30 Jahren in einem Lagerraum verschwand. Es fehlte schlicht das Geld zur Restaurierung.

Erst Jahr 2008 fand sich ein großzügiger Sponsor, der die Wiederherstel-lung finanzierte und das Werk dann der Universität schenkte. Tragisch dabei: Die Künstlerin hat die Wiederauferstehung ihres Stego nicht mehr erlebt. Doch sie bleibt ihm auf ewig verbunden. Ein Teil ihrer Asche ist in das restaurierte Kunstwerk eingearbeitet.

fps

Der Geschäftsführende VdM-Vorsitzende Franz-Peter Strohbücker (fps) ist derzeit wieder in den USA unterwegs und schreibt regelmäßig in seinem USA-Blog auf www.motorjournalist.de

 

 

  • Der Stegowagenvolkssaurus wacht über eifrige Bibliotheksbesucher: Kunstwerk aus Kunststoff. Foto: fps
  • Ein Fabeltier aus zwei Welten: Stegowagenvolkssaurus. Foto: fps
  • Käfig für das Urtier: Frank-Steely-Bibliothek. Foto: fps
  • Guckt grimmig ist aber handzahm: “Stego”. Foto: fps
  • Mächtiger Rücken: gut sechs Meter lang. Foto: fps
  • Unverkennbar: Da steckt ein Beetle drin. Foto: fps
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