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Motorsport zum Anfassen auf der Nordschleife

180 Rennfahrzeuge und freier Eintritt – Ende März geht’s los

Am letzten März-Wochenende geht’s los – dann werden 180 Rennfahrzeuge zu ei-nem vierstündigen Rennen auf der Nordschleife des Nürburgrings starten und, wenn das Wetter gut sein sollte, werden wohl 40.000 Zuschauer an der Strecke stehen und das Rennen kostenlos verfolgen. Das Rennen ist der erste Lauf zur VLN-Langstreckenmeisterschaft 2015, insgesamt sind zehn Läufe vorgesehen. Begeiste-rung pur bei den Fans der Nordschleife!

Mitte März werden sogenannte Einstimmungsfahrten durchgeführt, da werden die Rennfahrzeuge getestet und junge Fahrer versuchen mit den Tücken der legendären Nordschleife zu Recht zu kommen. 25,4 km auf und ab, immerhin müssen pro Runde 300 Höhenmeter überwunden werden. Hinzu kommen viele Kurven, Sprunghügel und unterschiedliche Leistungen der Fahrzeuge, so dass pro Runde viele Überholmanöver nötig sind. Im Streckenabschnitt Döttinger Höhe fahren die schnellsten GT3-Fahrzeuge fast 300 km/h – da kommt Freude auf, auch bei den Fans, und bei den Fahrern steigt der Adrenalin-Spiegel.

Das Besondere an der Langstreckenmeisterschaft auf dem Nürburgring ist, dass Profis gegen Amateure und Werksrennställe gegen Privatteams fahren. So entsenden Mercedes, Porsche, AUDI, BMW und auch VW Fahrzeuge aus den jeweiligen Werksrennställen – aber auch die Fahrzeuge von Toyota, Bentley und Aston Martin sind werksunterstützt. Natürlich setzen die genannten Marken auch Fahrer ein, die Rennsport als Beruf betreiben, auch ehemalige F1-Fahrer wie Bernd Schneider, Miko Salo, Nick Heidfeld oder Kurt Wendlinger sowie aktuelle DTM-Fahrer wie Marco Wittmann, Mattias Ekström oder Martin Tomczyk sind dabei. Aber, im letzten Jahr hat das private „Frikadelli-Team“ von Klaus Abbelen und seiner Lebensgefährtin Sabine Schmitz, ein „Original“ aus dem Eifeldorf Barweiler (4 km vom Nürburgring entfernt), den Großen gezeigt, dass auch ein Privatteam siegen kann – sie wurden Sieger der Wertung der leistungsstarken GT3-Wertung und haben drei Läufe gewonnen. Übrigens, der Porsche GT3 hat Kultcharakter am Nürburgring. Er fährt mit der Werbung für eine Frikadelle, die der Eigentümer Klaus Abbelen als Fleischfabrikant herstellt. Der „Frikadelli-Porsche“ löst bei den Fans Begeisterung aus, wenn er vorne mitfährt. Auch Fahrerin Sabine Schmitz, die das berühmte 24 Stunden-Rennen schon zweimal gewann, ist bei den Fans beliebt – ein Foto oder ein Autogramm, für die blonde Rennfahrerin kein Problem, sie macht das gerne.

Stichwort 24 Stunden-Rennen – das ist der Hammer unter allen Rennveranstaltungen: Es ist das größte Autorennen der Welt mit fast 200 Startern und über 200.000 Zuschauern, die mehrere Tage am Ring bleiben. Die ersten Läufe der Langstreckenmeis-terschaften dienen praktisch auch als Test für das berühmte und prestigeträchtige Ren-nen.

Es gibt einen Musterzeitplan und aus Kostengründen dauert ein VLN-Lauf nur einen Tag. Um 12.00 Uhr werden die 4 Stunden-Rennen und das 6 Stunden-Rennen gestartet. Morgens ab 8.30 Uhr wird trainiert und es werden die Zeiten für die Startaufstellung gefahren. Zwar ist im Gegensatz zur Formel 1 die Startaufstellung nicht so wichtig, weil Ausdauer, die Gleichmäßigkeit, Schnelligkeit und das Ankommen zusammen zum Sieg führen, aber wer auf der „Pole“ steht, der freut sich besonders.

Für die Sicherheit wird viel getan:

  • Die Streckenposten sind mit etwa 150 Mobiltelefonen ausgerüstet.
  • Krankenwagen und Rettungssanitäter sind rings um die Rennstrecke postiert.
  • Ärzte und ein „Medical-Center“ stehen bei Unfällen zur Verfügung.
  • Bei Unfällen muss langsam gefahren werden. Die Geschwindigkeit wird mit GPS überwacht und wer zu schnell fährt, der bekommt eine Zeitstrafe.
  • Das Renngeschehen wird durch zahlreiche Kameras in der Rennzentrale überwacht, so dass der Rennleiter bei Bedarf in das Renngeschehen eingreifen kann.


Also, auf zum Nürburgring. Übrigens, wer beim Start inmitten der Rennfahrzeuge sein möchte oder gar in der Boxengasse einen Reifenwechsel miterleben möchte, der kann für nur 15 Euro eine Zusatzkarte kaufen und ist mittendrin im Renngeschehen. Eingeschlossen im Preis ist auch ein Rennprogramm, das für jeden der 10 Läufe neu aufgelegt wird.

Klasseneinteilung
Die VLN-Langstreckenmeisterschaft Nürburgring beherbergt eine Vielzahl an Fahrzeugmodellen von rd. 30 unterschiedlichen Automobilherstellern. Um diese Bandbreite unter einen Hut zu bringen, ist die Einteilung in verschiedene Klassen vonnöten. Übergeordnet sind vier Wertungsgruppen: VLN-Specials, VLN-Serienwagen, Gruppe-H-Fahrzeuge und Cup-Fahrzeuge. Die ersten drei Gruppen sind dabei abhängig vom Hubraum in Klassen unterteilt.

Während es sich bei den Specials zumeist um ausgewachsene Rennfahrzeuge mit aerodynamischen Modifikationen handelt, machen die Produktionswagen ihrem Namen alle Ehre. Die einzige Unterscheidung vom Straßenfahrzeug sind vorgeschriebene Sicher-heitseinrichtungen sowie Änderungsmöglichkeiten z.B. im Bereich des Fahrwerks. In der Gruppe H kommen Fahrzeuge bis einschließlich 2003 zum Einsatz. Sie sind bei den Zu-schauern äußerst belieb und stellen nicht selten unter Beweis, dass sie noch lange nicht zum alten Eisen gehören. Kultcharakter hat hier ein Opel Manta, der sogar mit einem Fuchsschwanz an der Antenne um die Strecke fährt. Fahrer ist u.a. Volker Styczek, ehemaliger DTM-Meister und Sportpräsident des AvD.

Die sportliche Krönung sind die Cup-Klassen, wo weitestgehend identische Rennfahrzeuge gegeneinander antreten. Hier steht das fahrerische Können über der Technik. Gesamtsieger der Meisterschaft wird das Team, das in seiner Klasse über Jahr die besten Platzierungen einfährt. Je mehr Teilnehmer in einer Klasse, desto höher die Bewertung der Platzierung. Sieger 2014 wurde so das Privatteam Rolf Derscheid und Michael Flehmer auf einem BMW 325i in der Klasse der VLN-Produktionswagen bis 2,5 Liter.

Klaus Ridder

  • Freier Zutritt für die Zuschauer in die Startaufstellung und in die Boxengasse, Foto: Ridder
  • Wenn der Frikadelli-Porsche mit Sabine Schmitz vorne mit dabei ist, dann freuen sich die Fans ganz besonders. Hier am Sprunghügel im Streckenabschnitt ‚Pflanzgarten‘, Foto: Ridder
  • Dieser Opel-Manta mit dem AvD-Sportpräsidenten Volker Stryczek hat ‚Kultcharakter‘. Man beachte den Fuchsschwanz an der Antenne, Foto: Ridder
  • Sabine Schmitz ist hautnah bei den Fans – ein Foto oder ein Autogramm – sie erledigt beides mit Begeisterung, Foto: Ridder
  • Zuschauer sind dabei, wenn die Rennfahrer ins Cockpit steigen. Der Start der 180 Rennfahrzeuge ist atemberaubend, Foto: Ridder
  • Foto: Ridder
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