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Mit dem BMW i3 auf die Langstrecke

Journalist Peter Paul Keizer-Pecqueur fuhr mit einem i3 vollelektrisch von Stuttgart nach Como mit einigen Zwischenstopps zum Schnellladen der Batterie. Hier sein Erlebnisbericht.

Auf Einladung von BMW Klassik besuchten wir Ende Mai den weltberühmten Concorso d'Eleganza Villa d'Este. Die Strecke bewältigten wir ab Stuttgart mit dem neuesten BMW i3 - der mit dem größeren 94Ah-Akku. früh um 6:00 Uhr morgens ging es los. In Intervallen von ca. 120 km (Restreichweite von 20-30 km) wurde konsequent CCS schnellgeladen (50kW - 30min für 80%), unter anderem bei Tank & Rast, BMWi, EVTEC und swisscharge. Das Auto fuhr grandios und sein Verbrauch war trotz  straffen Autobahntempo mit 16,5 kWh sehr gut. Das Laden war mühelos und schnell, ausreichend für eine Tasse Kaffee, einen kurzen Klobesuch und um die Beine zu strecken. Für jede Ladesäule wurde jedoch eine andere Karte benötigt.

Aufgrund eines Bedienungsfehlers des Navigationssystems und dem Verschwinden des GPS-Signals fuhren wir einen geschlossenen Bergpass hinauf und nutzten tatsächlich alle Möglichkeiten zur Rekuperation, um die nächste Schnellladestation zu erreichen. Das geringe Gewicht und das gute Handling des i3 waren hier sehr hilfreich und es war ein reines Vergnügen, in einem hohen Tempo absteigen zu können. Statt minus 12 Kilometer laut Bordcomputer kamen wir mit + 16 KIlometer Restreichweite in Luzern an. Diese ungeplante Aktion verlängerte leider unsere Hinreise um 3 Stunden. Müde kamen wir in Cernobbio bei Como an nach 0:00, aber wir hatten unser Ziel erreicht: Vollelektrisch mit dem BMW i3 in fast einem halben Tag von Stuttgart nach Como !

Am Freitagmorgen machten wir die erste Runde durch Cernobbio. Es war immer noch ruhig und wir fuhren nach Como für eine schöne Tasse Kaffee im Café Restaurant Touring. Wir parkten den i3 im Parkhaus mit einer kostenlosen 22kW-Ladestation. Nach einem Spaziergang durch die Stadt kehrten wir nach 2,5 Stunden mit einer fast vollen Batterie nach Villa d'Erba zurück, um die Sammlung anzusehen, die RM Sotheby's unter den Hammer bringen würde.

Ganz vorne stand der unwahrscheinlich schöne Bugatti T57 Atalante von 1935, ein echter Barnfind. Die Preisvorstellung des Eigentümers, des Industriellen und zweifachen Targa Florio Gewinner Meo Constantini, lag zwischen 2,8 - 3,2 Mio. Euro. Höher geschätzt wurde den kolossalen Mercedes-Benz S 680 Saoutchik aus 1928, restauriert von Paul Russell & Co zum Pebble Beach Sieger 2012 und mit 6,5- 8,0 Mio. Euro bei weitem der teuerste auf der Liste.

Darüber hinaus sahen wir einen ziemlich seltenen Lamborghini Countach LP400 „Periscopio“ von 1975 angeboten für 0,9 - 1,1 Mio. Euro und einen ultracoolen 1993 Porsche 964 3.8 RSR mit nur 10 km auf der Uhr, einem völlig Rotleder-Innenraum und sogar noch mit der Cosmoline Beschichtung auf der Lackierung! Der sollte es zu zwei Millionen bringen. Für uns waren das die Highlights.

Dann besuchten wir die Präsentation von Gastgeber BMW, der mit CEO Harald Krüger und Designer Adriaan van Hooydonk die neue Concept 8 Serie und den Concept Link e-Scooter dem Publikum vorstellte: echte Hingucker!

Für die eigentliche Auktion in Cernobbio nahmen wir auf Einladung von RM Sotheby´s Platz auf der Tribüne zwischen potentiellen Käufern und anderen reichen Liebhabern. Die Auktion fing ziemlich fad an mit einigen klassischen Motorrädern, wofür es angeblich nur eine kleine Nachfrage gab. Die ersten Autos erreichten auch kaum die Reserven, dies änderte sich aber plötzlich mit der Ankunft eines schönen portugiesischen Jaguar E-Type, die fast das Doppelte der geschätzten Ausbeute erreichte.

Nicht viel später wurde der Bugatti T57 Atalante vorgefahren. Das Publikum applaudierte lautstark, wenn die obere Grenze des geschätzten Verkaufspreises fast erreicht wurde. Der 911 RSR wurde für satte 1.800.000 an einen Telefonbieter verkauft. Neben uns sitzen zwei ältere Damen, die offensichtlich das Geschäft verstehen. Aktiv boten sie mit für den Countach LP400 Persicopio, bis sie auf einem Lamborghini-Händler stießen, der dieses Auto unbedingt haben wollte und Ihr Gebot mit Bedacht beendeten.

Die Teilnehmer des Concours d'Elegance standen anschließend neben der Villa d'Erba im Grünen geparkt. Es gab viele Schmuckstücke, wirklich unglaublich schöne Autos. Zu den schönsten gehörten sicherlich der spezielle Lamborghini Miura von Valentino Balboni, ein sehr schöner Ferrari 250 SWB, aber sicherlich auch der spätere Preisträger Giulietta SS prototipo von Corrado Lopresto. In der Jury waren der ehemalige Porsche Designer Harm Lagaay und BMW Designer Adriaan van Hooydonk anwesend.

Leider mussten wir früh zur Rückreise aufbrechen. Die ging wesentlich schneller, da sich unsere Erfahrung der Hinreise nun auszahlte und wir innerhalb von 10 Stunden wieder in Stuttgart waren. Der i3 war wieder perfekt, ist sicherlich für längere Strecken geeignet. Selbst bei Vollgas erreichten wir eine Reichweite von 120 km und wegen der warmen Batterie ging das Aufladen auch viel schneller: Denn so war es möglich, das Schnellladegerät schneller auf höhere Stromwerte zu schalten, und das sparte einige Minuten. Die Zukunft ist elektrisch!

Peter Paul Keizer-Pecqueur

  • Foto: Peter Paul Keizer
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  • Foto: Peter Paul Keizer
  • Foto: Peter Paul Keizer
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