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IAA 2015: Vorn Glitzerwelt, hinten Sorgenfalten

Vom 17. bis zum 27. September bildet  Frankfurt am Main einmal mehr den Mittelpunkt der Auto-Welt. Die Internationale Automobil-Ausstellung öffnet, die „weltweit wichtigste Mobilitätsmesse“, wie der veranstaltende Verband der Automobilindustrie (VdA) stolz ansagt. Bald eine Million Besucher werden erwartet, darunter reichlich 10 000 Pressevertreter. Für sie sind zusammen mit den Fachbesuchern zwei Tage vor der Eröffnung reserviert. Für das Publikum stehen die neuen Autos im Mittelpunkt. Für Hersteller, Handel, Presseleute ist die IAA das große Branchen-Treffen, das Gespräch, das Erfolge-Feiern und Sorgen-Teilen im kleinen und größeren Kreis. Erfolge gibt es. Ein gerüttelt Maß an Sorgen auch.

„Mobilität verbindet“ ist das Motto der IAA 2015. Es steht für den „Megatrend des vernetzten und automatisierten Fahrens“ (VdA) und für gleich fünf Themenfelder: „Connected Car“, „Automated Driving“, „E-Mobility“, „Urban Mobility“ und „Mobility Sercices“. Die Industrie erwartet hier den wichtigsten Innovationsschub für die nächsten Jahre und einen Milliardenmarkt. Bei dem allerdings nicht sicher ist, dass er den Automobilherstellern vorbehalten bleibt – oder ob ihn nicht Apple, Google & Co. unter sich aufteilen.

Das Geld für diese Zukunft müssen die Autos heute verdienen. Und da ist die Lage im Augenblick gut, sehr gut: In Europa, in den USA ging es 2015 aufwärts. In Deutschland wurden von Januar bis Juli 1,9 Millionen Personenwagen neu zugelassen, 5,6 Prozent mehr als im selben Zeitraum des Vorjahrs. Länder wie Italien und Spanien legten sogar zweistellig zu. Vor allem die Premiummarken fahren von Rekord zu Rekord, besonders in den USA. Gekauft werden vor allem größere, stärkere, teurere Autos. Jedes vierte dabei ist ein SUV oder Geländewagen. Noble Versionen, viel Ausstattung liegen im Trend: Das durchschnittliche Auto 2014 hatte 140 PS und kostete, so die Deutsche Automobil-Treuhand (DAT), 28 330 Euro.

Den Besucher interessieren vor allem die neuen Karosserien. Die Hersteller kreuzen, „Computer Aided Design“ sei Dank, alles, was bisher eigenständig die Pressen verließ – Kombi und Coupé (Mercedes), SUV und Cabrio (Land Rover), Coupé und SUV (nach BMW jetzt auch Mercedes und künftig Volkswagen), Limousine und SUV (Volvo). Selbst Kleinstwagen wie der Citroen C1 sind nicht davor sicher, als „urban cross“ hochgestylt zu werden. Wer seiner Nachbarschaft imponieren will (oder seiner jungen Freundin), der rollt heute bevorzugt im bollernden 700 PS-SUV vor. Die neue offene S-Klasse wird den Trend nicht umkehren – bei Preisen weit im sechsstelligen Bereich bleiben die Zahlen überschaubar. VW stellt den Eos ein, Peugeot streicht 207 CC und 308 CC. Mazda indes wird seinen Roadster-Erfolg mit dem MX5 in vierter Generation fortschreiben – in Stil (wie Leistung und Preis) attraktiv wie immer. Fiat könnte mit dem vom MX5 abgeleiteten 124 Spider auf der Erfolgsspur mitsegeln.

Sorgen machen den Herstellern Länder wie Brasilien und Russland mit geradezu abstürzenden Märkten. Noch schwerer wiegen die Probleme in China: Nach Jahren steilen Aufschwungs – Volkswagen verkauft mehr als ein Drittel der gesamten Produktion in China – schwächelt der Absatz. Die jüngste und gleich mehrfache Abwertung des chinesischen Yuan verteuert importierte Autos und Teile. Die Verkäufer müssen die Preise reduzieren wie jüngst GM, Kia und Hyundai, sie müssen Rabatte geben – völlig neu für China.

Ungeachtet aller Verbrauchs- und CO2-Diskussionen geht die motorische Aufrüstung munter weiter: 300 PS im VW Golf, 381 im Mercedes A in AMG-Version, 585 im Mercedes GLE ebenfalls in AMG-Trimm. Die Liste lässt sich fortsetzen bis ins Aberwitzige – oder wie soll man 605 PS und 305 km/h Spitze in einem Audi S8 plus anders bezeichnen? Autos dieser Art sind die Kür, gut fürs Image und für den Ertrag.

Hinter den Spielzeugen für den (Geld-) Adel dieser Welt aber stöhnen die Entwickler unter der Pflicht. Sie heißt Euro7 mit weiter reduziertem Stickoxid-Ausstoß und vor allem 95 Gramm CO2-Durchschnitt ab 2021. Beide Vorgaben sind eine harte Nuss besonders für die Hersteller großer und schwerer Wagen (auch wenn diese etwas mehr ausstoßen dürfen, nur der Gesamtschnitt einer Marke ist auf jene 95 Gramm begrenzt).

Downsizing, Gas, Elektro-Hilfe: Die Wege, die anspruchsvollen Ziele zu erreichen, sind inzwischen wohl bekannt und auf der IAA in ganzer Breite zu sehen. Neben allen motorischen Maßnahmen ist oberstes Ziel, die Fahrwiderstände zu senken – durch weniger Luft- und Rollwiderstand sowie durch weniger Gewicht. Neue Modelle wie der Opel Astra und der Audi A4 schlagen die bisher Besten im Luftwiderstand mit cw-Werten bis herab zu 0,23 – und sparen im Leergewicht bis zu 200 kg. Große SUV-Modelle glänzen sogar mit bis zu 400 kg Gewichtseinsparung gegenüber dem Vorgänger.

Einen allein in die Zukunft führenden Weg gibt es sicher nicht. Was nicht zuletzt die aktuelle Umweltliste des VCD beweist: Die ersten drei Plätze belegen fast punktgleich ein Hybridmodell (Lexus CT 200h), ein Diesel (Peugeot 208 Active Blue-HDI 100) und ein Erdgasauto (Volkswagen Eco-up samt seinen Parallelen bei Seat und Skoda). Die weitere Entwicklung bleibt spannend: Der IAA 2015 wie von der ‚Automobilwoche’ (11. 8. 2015) voraus zu sagen, dass sie „technologisch kein Highlight“ sei, wird der weltweit wichtigsten Mobili-tätsmesse sicher nicht gerecht.

Stefan Woltereck


Lesen Sie den ausführlichen Beitrag in der aktuellen Ausgabe 3/2015 des Magazins "Motorjournalist", die am 9. September erscheint.

  • Ausgabe 3/2015 des Motorjournalist zur IAA
  • Noch Utopie, bald Realität: Studie von Audizur IAA, Fotos: Audi
  • Crossover von Mercedes, SUV-Coupe Foto: Daimler
  • Verbenner, Hybrid, Elektro ... Was bringt die Zukunft?, Foto: Daimler

66. IAA Pkw Frankfurt/Main, 17. - 27. September 2015
Motto: „Mobilität verbindet“
Pressetage: 15. und 16. September 2015

Presseparkplatz: Parkplatz Rebstock (Shuttle-Bus zum Eingang Portalhaus)

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