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Historisches Hanomag Rekordfahrzeug aufwändig restauriert

In den 30er Jahren spielten im Automobilbau erstmals Stromlinienform und Leichtbau ein größere Rolle und damit auch die Jagd nach Geschwindigkeiten. Eine der für die Rekordversuche geeigneten Strecken wurde Anfang 1939 auf der damaligen Reichsautobahn Leipzig-Berlin eröffnet. Auf der heutigen A9 zwischen Wolfen und Dessau Süd ist dieser inzwischen sanierte, 14 km lange Streckenabschnitt noch komplett erhalten. Dazu gehören auch die vier filigranen Stahlbrücken im Bauhaus-Design, berichtet die Hanomag Interessengemeinschaft aus Hildesheim. Mitglieder des Vereins rekonstruieren in mühevoller Kleinarbeit eines dieser Rekordfahrzeuge, einen Hanomag. Präsentiert wurde das Fahrzeug Anfang Oktober zum 75. Jubiläum der Rekordstrecke bei einer Veranstaltung des Technikmuseum Hugo Junkers in Dessau, zu der zahlreiche Rekordfahrzeuge aus Deutschland und der Schweiz kamen.

Der fahrbereite Hanomag Rekord hatte dazu in nur vier Tagen noch eine fast komplette Aluminium-Verkleidung um die Fahrzeugfront bekommen. Ein versierter Karosseriebauer aus Zetel hatte die Arbeiten gerade noch rechtzeitig für Dessau vollendet. Der Rekordwagen basierte auf damaliger Serientechnik, die wiederbeschafft werden konnte. Von 1934 bis 1940 baute die Hanomag rund 20.000 Pkw des Typs Rekord, knapp 1.100 davon mit einem Klein-Diesel-Motor.

Zur Rekordwoche waren 17 Sammler historischer Stromlinienfahrzeuge mit ihren Fahrzeugen nach Dessau gekommen, um am 3. Oktober – Tag der Deutschen Einheit – nochmals auf die Rekordstrecke zu gehen. Den weitesten Weg hatte Leo Kreienbühl mit Frau und Kindern aus Bern in der Schweiz zurückgelegt. Mit einem Hanomag AL 28 Wohnmobil als Zugfahrzeug und auf dem Trailer ein wunderschönes Darl´mat 402 DSE Peugeot-Coupé von 1938. Davon wurden insgesamt nur drei Exemplare gebaut. Weitere Raritäten waren ein Adler Le Mans von 1938, ein Leichtbau Maier, zwei Tatra sowie mehreren DKW- und Hanomag-Fahrzeugen. Ein Rekordfahrzeug aus Hannover war gerade erst zu der Veranstaltung aus der Restauration gekommen. Mit diesem Wagen hatte der berühmte Rennbaron Huschke von Hanstein 1937 die Rallye Marokko gewonnen.

Im geführten Konvoi ging es zur Autobahn und nachdem sich am 3. Oktober morgens der Nebel verzogen hatte, gab die Polizei grünes Licht für die Demonstrationsfahrt auf der ehemaligen Rekordstrecke. Auf den Bauhausbrücken hatten sich zahlreiche Schaulustige eingefunden, die sich das Ereignis nicht entgehen lassen wollten. Nach erfolgreichem Verlauf waren die seltenen Rekordfahrzeuge noch unter der Ju 52 im Technikmuseum Hugo Junkers zu bestaunen. Für die Veranstalter steht schon jetzt fest: 2019, zum 80. Geburtstag der Rekordstrecke, wird es eine Wiederholung geben.

Klaus-Lothar Bebber / Horst-Dieter Görg

Hanomag Rekord präsentiert sich den VdM-Dieselringträgern

Inzwischen ist der Hanomag Rekord wieder zurück in Hildesheim. Dort hatten am vorletzten Oktoberwochenende die VdM-Dieselringträger bei ihrem jährlichen Treffen Gelegenheit, das historische Fahrzeug live zu erleben.




  • Start zur Ausfahrt der historischen Rekorfahrzeuge Foto: Holger Eggers
  • Der Hanomag-Diesel im Februar 1939, vor 75 Jahren, auf der Rekordstrecke bei Dessau, Foto: Archiv der Hanomag IG
  • Das im Aufbau begriffene Fahrzeug 75 Jahre später unter der Brücke, Foto: Holger Eggers
  • Die Frontverkleidung war gerade noch rechtzeitig zur Veranstaltung in Dessau fertig geworden, Foto: Holger Eggers
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