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Gefahr für Kinder im Straßenverkehr

Es knirscht bei der Verkehrserziehung  von Kindern an allen Ecken und Enden. Zu diesem Schluss kommen Dr. Rudolf Günther und Martin Kraft, nachdem sie den "Stand der Radfahrausbildung an Schulen und die motorischen Voraussetzungen bei Kindern“, so der Titel ihrer Arbeit,  gründlich unter die Lupe genommen haben.

Die von der Forschungsgruppe Dr. Günther und der Deutschen Verkehrswacht durchgeführte Untersuchung erfolgte im Auftrag der Bundesanstalt für Straßenwesen und wurde jetzt veröffentlicht. Der Reutlinger Dr. Günther kümmert sich seit langem ganz besonders um die Sicherheit von Kindern und Jugendlichen im Verkehr. Schon 1998 wurde er dafür vom Verband der Motorjournalisten mit dem Goldenen Dieselring ausgezeichnet.

Die Radfahrausbildung steht an Grundschulen im vierten Schuljahr auf dem Stundenplan. Ihr Stellenwert entspricht der Bedeutung, die das Fahrrad für Kinder und Jugendliche zunächst als Spielgerät, dann zunehmend als Verkehrsmittel hat. Das hat sich, so die vorliegende Untersuchung, in den letzten Jahren jedoch stark verändert. Die eigenständige Mobilität der Kinder hat abgenommen. Das Fahrrad bleibt zwar weiterhin ein für Kinder jedes Alters wichtiges Verkehrsmittel, Kinder haben jedoch speziell in den Städten immer weniger Gelegenheit, es eigenständig zu nutzen.

Um die Leistungsunterschiede von Kindern beim Beherrschen des Fahrrads empirisch zu erfassen,  wurden während laufender Kurse zur Radfahrausbildung Polizisten, Lehrerinnen, Eltern und Kinder (insgesamt etwa 3.000) schriftlich befragt.  Zusätzlich erfolgte eine bundesweite Online-Befragung von 1.000 Eltern 8- bis 10-jähriger Kinder. Polizeiverkehrslehrer wurden außerdem  nach Modellen befragt, die motorischen Fähigkeiten von Kindern zu fördern. Ziel war es, auf dieser Grundlage Vorschläge für eine künftige Radfahrausbildung in der Schule zu erarbeiten.

Die Befragungen zeigten, dass die Radfahrausbildung nach wie vor flächendeckend im ganzen Land durchgeführt wird, in der Regel gemeinsam von Schule und Polizei. Auf Seiten der Polizei allerdings stößt die praktische Radfahrausbildung vor allem im echten Verkehr immer mehr an Grenzen, was mit unterschiedlicher Herkunft der Kinder und ihrem sozialen Status zu tun hat.
 
Die viel diskutierten motorischen Schwächen der Kinder beim Radfahren wurden durch die Untersuchung präzise erfasst. Zwar gehört motorische Förderung heute zur Praxis der Schulen, ist aber oft nicht umfassend und kontinuierlich genug. Vielfach sind die Erfahrungen der Kinder, sich frei außerhalb der Wohnung zu bewegen, eingeschränkt. Ein Sechstel der Kinder hat dort keine Möglichkeit zum Radfahren.

Bei der Verkehrserziehung der Kinder spielt die Mitarbeit der Polizei eine besondere Rolle. Diese müsse unbedingt erhalten werden, empfehlen die Autoren der Untersuchung.  In Bundesländern, wo Kürzungen nicht zu verhindern sind, sollte vorab versucht werden, durch Absprachen zwischen allen Beteiligten (z.B. Schule, Polizei, Elternvertreter) Erfolg und Qualität der Ausbildung langfristig zu sichern. Auch sei zu überlegen, wie Eltern eingebunden und in stärkerem Maße beteiligt werden können. Damit das System funktionsfähig bleibt, sei jedoch Polizeiunterstützung aus Sicht der Autoren grundsätzlich unverzichtbar.

Jörn Turner

  • Jugendlicher Radfahrer im Stadtverkehr, Foto: DVR

„Stand der Radfahrausbildung an Schulen und motorische Voraussetzungen bei Kindern“ von Rudolf Günther und Martin Kraft
Deutsche Verkehrswacht,  Verkehrswacht Medien & Service-Center Bonn, in Verbindung mit der Forschungsgruppe Dr. Günther Reutlingen
Berichte der Bundesanstalt für Straßenwesen
Mensch und Sicherheit Heft M 261

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