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Freiheit oder Freigang? - Podiumsdiskussion zu den im Auto gesammelten Daten

Entwickeln sich Datenmissbrauch aus Fahrzeugmanagement und Versicherungsvertrieb zu elektronischen Fesseln?“

Das Goslar Institut hatte am 30. Januar Experten aus Versicherung, Automobilclub, Fahrzeugzulieferer, Datenschutz, Recht und Technik ins Kloster Wöltingerode zum sogenannten Goslar Diskurs eingeladen. Dabei ging es in diesem Jahr um die Daten, die inzwischen im Auto von vielen elektronischen Systemen zusammengetragen werden. Entsteht so der gläserne Autofahrer? Und wem gehören die Daten überhaupt? Der Zeitpunkt der Veranstaltung war ideal gewählt. Beschäftigte sich doch auch der Verkehrsgerichtstag parallel mit dem Thema.

Alles beginnt mit den elektronischen Helfern: Das Fahrzeugmanagement sorgt dafür, dass alle Sicherheits- und Komfortsysteme optimal funktionieren. Antiblockiersystem ABS und elektronische Stabilisierung des Fahrzeugs ESP tun, was sie sollen. Es sorgt für angenehme Temperatur im Auto, der Motor wird immer sparsamer, das Navigationssystem sorgt für die richtige Route auch bei aktuellen Staus … Die dabei permanent entstehenden Daten werden im Fahrzeug gespeichert. Bleiben sie auch da? Fahrzeughersteller und Werkstätten greifen inzwischen mit und ohne Wissen des Halters bzw. Fahrers auf die Daten aus dem Auto zu. Ist der Fahrzeugeigentümer darüber im Detail informiert? Alle Experten auch auf dem Podium des Goslar Diskurses sagen nein.

Die Autohersteller betonen immer wieder, dass die Daten und ihre Auswertung dem Fahrer und der Fahrzeugsicherheit nützen. Da ist nichts gegen einzuwenden, wenn die Daten dafür sorgen, dass fällige Termine in der Werkstatt angezeigt werden oder auf die Belagstärke der Bremsbeläge hingewiesen wird.

Doch es kommen Zweifel auf, ob der Hersteller oder gar der Teilelieferant wirklich alles wissen darf oder soll. Nicht von ungefähr flammt die Diskussion gerade jetzt verstärkt auf. Denn mit dem Notrufsystem E-Call, das 2015 für alle Neuwagen verbindlich eingeführt werden soll, werden die Daten, die das Auto sammelt immer transparenter.

Rechtlich gehören die Daten aus dem Auto zunächst niemandem, so ein Ergebnis der Podiumsdiskussion. Für die Debatte ist das keine Hilfe. Denn längst geht es auch um wirtschaftliche Interessen von Versicherern, Herstellern, Werkstätten, Hilfedienstleistern und Teilezulieferern.

Die Versicherungen wüssten nur zu gern, wie der Fahrer fährt, ob er „vernünftig“ fährt, wo und wieviel er das Auto nutzt. Das interessiert auch Hersteller und Werkstätten. Hier muss der Datenschutz Grenzen setzen. Bei allem Wohlwollen den elektronischen Helfern gegenüber, es muss die Entscheidung des Halters bzw. Fahrers bleiben, welche Daten herausgehen werden dürfen und welche nicht. Und darüber muss auch der Autofahrer in verständlicher Weise unterrichtet werden. Nur dann kann er die für ihn richtige Entscheidung treffen. So das Fazit der Experten auf dem Podium des Goslar Diskurses. Und auch zum Thema E-Call kann man nur hoffen, dass die EU-Gremien den Datenschutz beachten und in der entsprechenden Richtlinie berücksichtigen.

… dann wird alles gut und man kann sich dem guten Wein hingeben, der nach der Podiumsdiskussion gereicht wurde … Prosit aber jetzt nicht mehr fahren, denn einen „Alcolock“ gibt es auch schon im Auto.

Joachim General

  • Das Podium des Goslar Diskurses (v.l.n.r)<br />
Matthias Knobloch, Autoclub Europa ACE<br />
Reinhard Dankert, Landesbeauftragter für Datenschutz und Informationsfreiheit Mecklenburg-Vorpommern<br />
Klaus-Jürgen Heitmann, HUK-Coburg Versicherung<br />
Carola Ferstl, n-tv / Moderatorin<br />
Dipl.-Ing. Jürgen Bönninger, Geschäftsführer FSD Fahrzeugsystemdaten GmbH<br />
Dr. Thomas Funke, Osborne Clarke – Kartellrecht –<br />
Dr. Uwe Thomas, Vorsitzender des Bereichsvorstandes Automotive Aftermarket der Robert Bosch GmbH<br />
Foto: General
Weitere Informationen

Eine ausführliche Zusammenfassung der Veranstaltung mit weiteren Fotos und einem Video-Mitschnitt gibt es auf der Homepage des Goslar-Instituts

www.goslar-institut.de

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