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Fahrzeug-Präsentationen als Stehvorstellungen: Unsitte oder Verheimlichung?

Nach dem eben stattgefundenen Audi-Summit – einer kaschierten Stehpräsentation des neuen Audi A8 – fragt man sich als gestandener Motorjournalist, wer diese Unsitte der immobilen Präsentation eines Automobils, dessen Bezeichnung durch Erfindung desselben einen neuen Horizont der Beweglichkeit der Menschen durch Mechanik geöffnet hat, wer also eine Automobil-Präsentation erfunden hat, bei der das Auto nicht mobil ist.

Seit geraumer Zeit beobachte ich, dass diese Stehpräsentationen um sich greifen, wahrscheinlich genauso lange, wie sich mehr und mehr Marketingleute in die Kommunikationsabteilungen der Automobil-Industrie verirrt haben, die zuvor nur mit immobilen Gegenständen in all ihren Leblosigkeiten beschäftigt waren. Dabei haben sie sich hauptsächlich damit ausgezeichnet, dass sie die bis vor einigen Jahren noch in leitenden Funktionen in den PR- und Presseabteilungen der Auto-Hersteller beschäftigen Kollegen vertrieben haben, die vor ihrem Industrieleben eben diese gestandenen Motorjournalisten waren. Und die ärgern sich heute möglicherweise ebenso über die Stehpräsentationen wie viele ihrer noch aktiven Kollegen, die viel Aufwand und Mühen auf sich nehmen, um ein neues Auto zu erleben und es dann nicht fahren zu können.

Für diese Art der stehenden Präsentationen hatte die Industrie früher schon und seit mehr als zwei Jahrzehnte in immer größerem Umfang genug Gelegenheiten: Auf den Automessen Europas und der Welt mieten die Hersteller von Jahr zu Jahr größere Ausstellungsflächen für ihre statischen Präsentationen, damit dort dann in möglichst vielen bewegten Bilder die Vorzüge der Neupräsentationen von allen Seiten gezeigt werden können. – Das ist sicher nicht im Sinne der automobilen Käufer, die nach wie vor erwiesenermaßen die gedruckte oder mobil per Film oder Video oder heutzutage per Internet-Blog Ersterfahrungen über das bewegte Auto beziehen wollen. Genauso sicher ist, dass sich nur sehr wenige künftige Kunden von statischen, also Stehpräsentation, mit all ihren marketingmäßigen Schönfärbereien blenden lassen. Wobei zu vermerken ist, dass die meisten Stehpräsentationen mit marktschreierischer, blendender Herauskehrung aller – auch der kleinsten -- Neuigkeiten in bisweilen penetranter Form glänzen und detailverliebt und manchmal überzogen lang jede neue Chromleiste feiern.

Also, liebe Auto-Verantwortliche in den Vorständen der Fahrzeug-Industrie, lassen Sie uns doch lieber zurückkehren zu den Fahrvorstellungen, also jenen Automobil-Präsentationen, bei denen die Kollegen der Medien ihre Eindrücke von den Fahrzeugen tatsächlich sammeln und anschließend in ihren Medien multiplikatorisch wiedergeben, um den Auto aus dem Stand zu helfen und den Automachern auch dabei helfen, mögliche Schwächen zu erkennen.

mpp (07 - 2017)

  • Foto: Audi
  • Foto: Audi
  • Foto: Audi
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