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Elektromobilität: Fahrrad 4.0

Fachmessen bieten nicht immer spektakuläre Produkte. Bei der „World of Energy Solutions“ Anfang Oktober in Stuttgart ist das anders.
 
Das Messekonzept ist etwas sperrig: Unter der Dachmarke „World of Energy Solutions“ präsentieren sich seit 2012 die Spezialveranstaltungen „Battery+Storage“, „e-mobil BW conference“ und „f-cell“ dem Fachpublikum. Das Themenspektrum ist entsprechend vielschichtig: Im Mittelpunkt stehen Techniken und Dienstleistungen rund um die Bereiche Batterie- und Energie-Speichertechniken, Wasserstoff- und Brennstoffzellen-Anwendungen sowie Innovationen aus dem Bereich E-Mobilität. 

Das verspricht zwar interessante Technik aber nicht unbedingt Hingucker. Bei der aktuellen Veranstaltung auf dem Messegelände nahe des Stuttgarter Flughafens ist das anders. Inmitten von Display-beherrschten Ausstellungsständen mit überwiegend drögen Darstellungen steht ein Fahrrad – aber was für eines. Trefecta DRT heißt das Gefährt, das von einem anderen Stern zu stammen scheint und allen anderen Exponaten die Schau stiehlt. Man könnte es in chronologischer Abfolge der Fahrräder (Laufrad des Herrn von Drais als Fahrrad 1.0, die mit vielfacher Gangschaltung und allerlei Schnickschnack ausgerüsteten Gefährte unserer Jugend als Fahrrad 2.0 und den aktuellen Pedelecs und E-Bikes als Fahrrad 3.0) auch als das ultimative Fahrrad 4.0 bezeichnen. Denn das Trefecta ist nicht nur ein High-Tech-Gefährt vom allerfeinsten, sondern schafft dank seiner iPhone-Steuerung auch mühelos den Weg in die digitale Welt. Alle Funktionen, die sonst mit Hebelchen, Knöpfchen und Schaltern zu erledigen sind, lassen sich alternativ per eigens entwickelter App erledigen.

Der Niederländer Haiko H.G. Visser zeichnet quasi als „Mr. Trefecta“ persönlich für das utopisch wirkende Fahrzeug verantwortlich und gibt bereitwillig Auskunft: Der futuristische, zusammenlegbare Rahmen mit dem integrierten, abschließbaren Batteriefach ist von Ingenieuren der ehemaligen Fokker-Flugzeugwerke entwickelt und besteht aus Carbonfaser-verstärktem Aluminium. Auch die Farbe mit dem gleichermaßen vielsinnigen wie  sprechenden Namen Gunmetal Grey macht klar: Das ist ein Geschoss. Bis auf 70 km/h beschleunigt der maximal 4 kW starke E-Motor das Ding. Bei gemäßigterer Gangart sollen immerhin rund 100 km Reichweite pro Akkuladung möglich sein. Das höchste Drehmoment des Motors beträgt 250 Nm. Wenn der Fahrer noch ordentlich mitstrampelt liegen bis zu 500 Nm an der Hinterachse an, weshalb die Kraftübertragung auch per Motorradkette erfolgt. „Derzeit haben wir noch keinen Carbonriemen  gefunden, der dieses gewaltige Drehmoment aushält“, verrät Visser. Doch im Sinne der Gewichtsoptimierung arbeitet man auch an der Lösung dieses Problems.

Aktuell wiegt das Gerät 39 Kilogramm in der Off-Road-Spezifikation. Die ist freilich nicht straßenzugelassen. Doch mit Schutzblechen, Lampen und der Speedreduktion auf 45 km/h lässt es sich mit Versicherungs-Kennzeichen auch im normalen Straßenverkehr bewegen. (Ein Rückbau auf die Offroad-Variante ist jederzeit möglich.) Die nötigen Zulassungs-Tests hat Trefecta laut Visser jedenfalls genommen.

Als perfekte Synergie zwischen Mann und Maschine bezeichnet der Prospekt feinsinnig das System, bei dem die menschliche Anstrengung genügt, um mit moderatem Tempo unterwegs zu sein und der Einsatz elektrischer Leistung auch über längere Zeit Topspeed erlaubt. Klar, dass beim Bergabfahren die Rekuperation für Nachladung des Akkus sorgt. Der Akkupack, so verrät Visser, ist aus Einzelzellen im bewährten 18650-Format zusammengesetzt. „Damit ist der Austausch kein Problem, falls es mal bessere Zellen mit anderen Materialien gibt.“ Denn neue Zellen werden immer ganz früh auch in diesem Standard angeboten. „Damit sind Käufer eines Trefecta DRT auch für die Zukunft gerüstet.“ 

Der Zusammenbau der Hightech-Teile, die alle von europäischen Herstellern stammen und jeden Down-Hill-Freak mit der Zunge schnalzen lassen (u. a. 4-Stempel Scheibenbremsen aus England, Steuerelektronik aus Deutschland, Federung aus der Schweiz), erfolgt in Holland. Dort ist aktuell auch der Vertrieb angesiedelt, der ebenfalls die Wartung übernimmt. Die ist freilich eher selten vorgesehen. 15.000 Kilometer Wartungsintervall schreibt Trefecta vor. Dafür werden wohl auch eifrige Nutzer einige Jahre  benötigen, zumal das bevorzugte Terrain der DRT-Fahrer das raue Gelände sein dürfte.

Die erste Produktion von 50 Exemplaren ist bereits vorab verkauft. Fast erstaunlich bei dem Preis von 22.000 Euro. Aber echte Hardcore-Fahrradfans mit entsprechendem Geldbeutel erliegen dem Trefecta eben sofort. Mehr Infos und weitere technische Details unter http://www.trefectamobility.com

fps

  • Gefährlich schön: Trefecta DRT in Offroad-Version, Foto: Strohbücker
  • Digitale Steuerung: per iPhone-App, Foto: Strohbücker
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