Zu den Inhalten springen

Die DTM 2017 feiert bald Bergfest

Das ‚Deutsche Tourenwagen Masters‘, die DTM, steht kurz vor der Halbzeit. In Nürnberg ging am ersten Juli-Wochenende die vierte von insgesamt neun Veranstaltungen, an denen jeweils zwei DTM-Läufe stattfinden, mit einem sehr umfangreichen Rahmenprogramm über die Bühne.

Neuerungen in der DTM gab es zum Saisonbeginn natürlich auch. Am Start der DTM 2017 stehen nur noch 18 DTM-Boliden. Jeweils sechs Wagen von Audi, BMW und Mercedes-Benz. Neu ist unter anderem der „Pit-View“, bei dem in einer Zuschauerbox die Fans mit einem Fahrerlagerticket die Möglichkeit haben, die Teams hautnah bei der Arbeit zu erleben. Ebenso soll ein Teil des Boxendachs für die Fans geöffnet werden. Die Vierliteraggregate der DTM-Boliden leisten in dieser Saison mehr als 500 PS. Um diese Mehrleistung zu erzielen, wurde der Durchlass an den Luftmengenbegrenzern, den sogenannten Air-Restriktoren, um einen Millimeter im Durchmesser erhöht. Ferner durften einige Bereiche im Ansaugsystem der Motoren in ihrer Konstruktion überdacht werden. Generell legt die Dachorganisation ITR auf Langlebigkeit der Antriebseinheiten sehr grossen Wert. Die Vorgaben des neuen Technischen Reglements umfassen auch eine Reduzierung der Aerodynamik, um den Anpressdruck der Fahrzeuge zu verringern. Dazu wurde die Geometrie von Frontsplitter, Unterboden und Heckdiffusor verändert, sowie die Bodenfreiheit erhöht.

Auch wurde die Benutzung von Heizdecken, die die Rennreifen auf die nötige Temperatur bringen sollen, verboten. Dadurch sind die Piloten aufgefordert, selbst das thermische Fenster für die optimalste Haftung der Reifen zu finden und zu öffnen. Beim in jedem Rennen fälligen Boxenstopp dürfen heuer lediglich nur noch acht, statt bislang 14 Mechaniker unter der Mithilfe von nur zwei Radschraubern, bisher waren Vier erlaubt, den fälligen Radwechsel vollziehen. Beide Rennen am DTM-Wochenende gehen über dieselbe Distanz. Sprich jeweils 55 Minuten Renndauer plus eine Runde. Dieter Gass, der Audi-Motorsportchef, sieht darin „spannende Zeiten für die DTM“. Im Rahmenprogramm der DTM starten wie gewohnt der Porsche Carrera Cup und der Audi Sport TT Cup als Nachwuchsserie. Die Formel-III-Europameisterschaft ist bei einigen DTM-Rennen ebenfalls mit Läufen im Boot.

Im Motodrom von Hockenheim ging es Anfang Mai los. Der junge Lucas Auer, dessen Onkel Gerhard Berger als der neue Direktor der DTM-Dachorganisation ‚Internationale Tourenwagen Rennen‘ (ITR) an die dortige Spitze berufen wurde, hatte einen fulminanten Start in die neue Saison der besten Tourenwagen-Rennserie der Welt. “Einen Bonus wegen meines Onkels habe ich in der DTM überhaupt nicht“, meinte der smarte Österreicher und widerlegte alle Spekulationen, die man ihm zu Gute halten könnte und siegte am Samstag nach einem Duell auf höchster Ebene mit Timo Glock (BMW). Am Sonntag hatte Jamie Green (GBR) die Nase seines Audi RS5 DTM vom Team Rosberg ganz vorne und hatte den vollen Durchblick in einem chaotischen Regenrennen. Gary Paffett (Mercedes-Benz) und BMW-Pilot sowie auch DTM-Titelverteidiger Marco Wittmann hatten das Nachsehen.

Vierzehn Tage später in der Lausitz schlug Lucas Auer mit seinem- im schönsten ‚schweinchenrosa‘ gehaltenen Mercedes-Boliden- erneut im ersten Lauf zu. Der Platz an der Tabellenspitze war dafür die Belohnung. Mercedes hatte mit dem jungen Österreicher nun auch einen neuen Stern am Himmel und nicht nur auf der Motorhaube. Der Kanadier Robert Wickens bescherte Mercedes-Benz mit dem zweiten Rang den Doppelsieg. Audi-Pilot und DTM-Novize René Rast komplettierte als Dritter das Trio auf dem Siegerpodest. 

Das Rennen in Ungarn hatte es in sich. Im ersten Lauf, also am Samstag, traten Ereignisse in den Vordergrund, die zum Teil bei den Rennbossen der Hersteller ein Kopfschütteln hervorriefen. Eine Kollision, der der Mercedespilot Lucas Auer zum Opfer fiel, rief das Safetycar, mit Jürgen Kastenholz am Steuer, zunächst mal auf den Plan. Das komplette Feld wurde wieder auf sehr kurze Abstände der Boliden zusammengeschoben. Später liess Maxime Martin seinen BMW plötzlich mit Bremsproblemen auf dem Seitenstreifen ausrollen. Erneut musste das Safetycar raus, um den Abtransport des weissen BMW’s zu koordinieren. Das Audi-Trio mit Rockenfeller, Ekström und Rast hatte dadurch das Nachsehen im samstäglichen Rennen.

Der Audi-Pilot und DTM-Novize René Rast gewann dagegen am Sonntag seinen ersten DTM-Lauf.
Nach einem rundenlangen Zweikampf mit Mattias Ekström konnte René Rast zu einem sehr beherzten Schlag ausholen und passierte in einem genialen Manöver den schwedischen DTM-Fuchs. „Wenn mir das einer vorher gesagt hätte (dass er ein DTM-Rennen gewinnt), hätte ich ihn für verrückt erklärt“, sprudelte es nur so aus Rast heraus.

Im ‚fränkischen Monaco‘ ging es am ersten Juli-Wochenende hoch her. Zum Einen gewann der Kanadier Bruno Spengler mit dem Samstagsrennen seit Jahren wieder mal einen DTM-Lauf auf seinem BMW M4 DTM, zeigte sich darüber überglücklich und stiess über den Bordfunk einen inbrünstigen Freudenschrei in den Äther. BMW-Teamchef Jens Marquardt fiel mit diesem Sieg ein schwerer Stein vom Herzen. Im Rennen am Sonntag brillierte ebenfalls die weissblaue Marke. Maxime Martin (Belgien), ebenfalls wie Bruno Spengler vom Team RMB, durfte am Norisring den Siegerpokal in die Höhe heben. In Nürnberg kochten auch wieder die alten Querelen bezüglich der Zusatzgewichte auf. Der DMSB (Deutscher Motorsport Bund) lehnte es kategorisch ab, die das Zusatzgewicht betreffenden Regularien zu ändern. Alle DTM-Piloten wollen ‚einfach nur Gas geben‘ und nicht mit trickreichen Spielchen abgewatscht werden.

Das Samstagsrennen gewann Bruno Spengler vor Maxime Martin (beide BMW) vor Mattias Ekström im Audi. Ein schwerer Crash zwischen Gary Paffett (Mercedes) und Mike Rockenfeller (Audi) überschattete am Sonntag den Sieg von Maxime Martin (BMW), der vor Lucas Auer und Edoardo Mortara (beide Mercedes) die Ziellinie kreuzte. 

Text: Dirk Strähle (VdM)
Fotos: Dirk und Eberhard Strähle (VdM)

(04.07.2017)

DTM-Tabellenstand nach Norisring:

1. Mattias Ekström    Audi RS5 DTM        89 Punkte
2. Lucas Auer        Mercedes AMG C63    87 Punkte
3. Maxime Martin    BMW M4 DTM        78 Punkte
4. Jamie Green         Audi RS5 DTM        75 Punkte
5. René Rast        Audi RS5 DTM        72 Punkte
6. Timo Glock        BMW M4 DTM        60 Punkte
7. Gary Paffett        Mercedes AMG C63    55 Punkte
8. Mike Rockenfeller    Audi RS5 DTM        54 Punkte


…die noch ausstehenden Rennen:

21.07.-23.07.   Moskau (RUS)
18.08.-20.08.   Zandvoort (NL)
08.09.-10.09.   Nürburgring
22.09.-24.09.   Spielberg (A)
13.10.-15.10.   Hockenheim

  • Audi Trio
  • Auf in die Schlacht am Norisring
  • Autor Dirk Strähle auf Motivsuche
  • Boxenhektik in Nürnberg
  • Der Schweizer Nico Müller startet für Audi
  • Die Carrera-Bahn darf nicht fehlen
  • Jürgen Kastenholz (rechts) sitzt am Steuer in jedem Safety Car in der DTM
  • Regenstart in Nürberg am Samstag
  • Robert Wickens im Outfit des VfB Stuttgart
  • Rush Hour in Franken
  • Safety first - auch auf der Rennstrecke
  • Sie sorgen für die freie Rennstrecke
  • Start zum Sonntagsrennen
  • Titelverteidiger Marco Wittmann vor Tom Blomqvist
  • Tom Blomquist's BMW
  • Wo liegt der Schraubenschlüssel
  • Nachdenklich ist BMW Boss Jens Marquardt
  • Nico Müller (Audi)
© 2012 Verband der Motorjournalisten - VdM Haftungsausschluss