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Der Fahrer im 21. Jahrhundert

– eine Tagung des VDI

Gleich zu Beginn der Tagung des Vereins Deutscher Ingenieure (VDI) wurde klar, dass der Begriff „der Fahrer“ zu kurz gegriffen ist. Denn erstens wurden viele Vorträge von Frauen gehalten und dann hörten wir auch noch, dass zukünftig mindestens 50 Prozent  aller Eigentümer eines Autos oder Entscheider über ein Auto weiblich sein werden. Unabhängig davon , dass sich der Weltmarkt in China entscheidet mit 154 Millionen Autos und 100 Millionen Motorrädern bereits in 2014.

Doch das eigentliche Thema der Tagung waren die Assistenzsysteme, ihre Akzeptanz bzw. Wirksamkeit und die Auswirkungen auf Fahrer ohne diese Hilfen. Die Tagung begann mit dem Thema Verhalten an Ampelanlagen. Hier zeigte sich, dass Fahrzeuge mit einer Kommunikationsmöglichkeit zur Ampel einen Vorteil beim effizienten Fahren haben. Fahrzeuge ohne diese Hilfen haben Nachteile und können das spezifische Verhalten der ausgestatteten Fahrzeuge weder erkennen noch nutzen. Hinzu kommt allerdings, dass Fahrer mit der entsprechenden Ausstattung das System zum Teil nicht einsetzen.

Der zweite Komplex befasste sich mit dem Lenkassistenten für Ausweichmanöver. Plötzliche Hindernisse u.U. auch Fußgänger bringen Fahrer immer wieder in Schwierigkeiten. In Bruchteilen von Sekunden müssen Bremsen und Ausweichen entschieden und ausgeführt werden. Damit ist selbst ein erfahrener Autofahrer häufig überfordert. Hier kann ein Assistenzsystem beim Ausweichen entscheidende Hilfe leisten.

Schon frühe Untersuchungen zeigten, dass 50 Prozent aller Unfälle auf zu später Wahrnehmung der Gefahr basieren (Nagayama). Deshalb wird vielfach diskutiert, ob sich der Fahrer beim automatisierten Fahren nicht zu weit von seiner Eingreiffähigkeit entfernt hat, sein erneutes Übernehmen der Fahraufgabe viel zu lange dauert, so dass er eine schwierige Aufgabe gar nicht bewältigen kann.  Versuche mit Probanten beim „freihändigen“ Fahren sind nicht eindeutig. Nun hat sich die Forschung der Sache angenommen und zeigt, wie der Fahrer aufmerksam bleibt. Vielleicht ist es überraschend, aber der Fahrer soll „Nebenaufgaben“ lösen und so seine Aufmerksamkeit aufrechterhalten. Dabei wird unter anderem diskutiert, wie man den Fahrer in seinem Aufmerksamkeitsgrad überwachen kann. Ein Versuch macht klar, dass dies recht schwer ist, weil die spezifische Aufmerksamkeit von der Umgebung und der gerade bevorstehenden  Fahraufgabe abhängt. Akustische Warnungen könnten ihn auf Gefahrenstellen hinweisen. Forschungen zeigen, dass hochkomplexe Systeme mit ausgerichteten Signalen den Fahrer nicht besser warnen als einfache ungerichtete Warnungen.

Der Fahrer wird zukünftig durch Assistenzsysteme teilweise oder gar ganz „ersetzt“. Bis dahin soll er auf vielfältige Weise unterstützt werden. Zum Beispiel durch Lichtsignale, die auf die Straße geworfen werden. Damit werden Fahrer auf das mögliche Beschleunigen und notwendige Bremsen frühzeitig aufmerksam gemacht.

Die Erwartungen, die Autofahrer an das automatisierte Fahren stellen, sind trotz aller Bedenken durchweg hoch. Einzelne technische Möglichkeiten erfüllen schon heute diese positiven Erwartungen. So etwa beim automatischen Einparken: Nach mehrmaligem Üben kümmerten sich Versuchspersonen bei laufender Aktion gar nicht mehr um den Vorgang, sondern unterhielten sich mit Begleitpersonen.

So kommt mit großer Gewissheit immer mehr Automatisierung in das Fahrzeug, sofern der Käufer sich dafür entscheidet bzw. entscheiden kann. Denn viele der technischen „Heinzelmänner“ im Fahrzeug sind noch ziemlich teuer. Zudem ist bei aller Euphorie die direkte Kommunikation zwischen Fahrer und Außenwelt, ob z.B. an Zebrastreifen oder an Straßen mit „rechts vor links Regelung“,  weiterhin unerlässlich. Denn der Fahrer entscheidet, was muss ich tun, was sollte ich tun oder was könnte ich tun, auch wenn es der Assistenten immer mehr werden.

Mein persönlicher Höhepunkt jedoch war der Abend zwischen den zwei Tagungstagen. Hier durften alle in die Versuchsräume, z.T. große Hallen. Diverse Simulationsstände luden zum Selbstversuch ein.

Joachim General

  • Assistenzsysteme können helfen, Unfälle zu vermeiden, Foto: General
  • Im Labor lässt sich Fahrerverhalten gefahrlos testen, Foto: General
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