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Den Nürburgring als eine der bekanntesten Rennstreckn der Welt erhalten

Interview mit Mirco Markfort, CEO, capricorn Nürburgring GmbH

Herr Marcfort, seit März 2016 sind Sie Geschäftsführer der capricorn Nürburgring GmbH und somit über ein Jahr im „Amt“. Wie zufrieden sind Sie mit dem Jahr 2016 und was erwartet uns in 2017?

In 2016 haben wir viele Weichen für eine erfolgreiche Zukunft des Nürburgrings gestellt. In einigen Bereichen haben wir Strukturen angepasst und am Markt ausgerichtet, so dass wir die anstehenden Herausforderungen nun noch effektiver angehen können. Darüber hinaus war das Jahr auch aus betriebswirtschaftlicher Sicht mehr als zufriedenstellend.

Auch im Jubiläumsjahr laden wieder zahlreiche Veranstaltungen zu einem Besuch am Nürburgring ein. So gehen unter anderem die VLN Langstreckenmeisterschaft (9 Läufe), das legendäre ADAC Zurich 24h-Rennen (25. bis 28.05.), die   FIA WEC – „6 Hours of Nürburgring“ (14. bis 16.07.), der AvD-Oldtimer-Grand-Prix (11. bis 13.08.) oder die DTM (8. bis 10.09.) an den Start. Zudem freuen wir uns über die Rückkehr des Musikfestivals Rock am Ring (02. bis 04.06.) und die Premieren von New Horizons (25. bis 26.08.) und Nürburgring Olé (18. bis 20.08.). Der Veranstaltungskalender lässt keine Wünsche offen.

Wie sehen Ihre Zukunftspläne aus und wo möchten Sie zukünftig investieren?

Wir blicken sehr positiv in die Zukunft. Der Nürburgring gehört seit Jahrzehnten zu den bekanntesten und beliebtesten Rennstrecken der Welt – und das soll auch so bleiben. Wir möchten den Motorsport weiterentwickeln und führen Gespräche mit Veranstaltern über neue Formate aber auch über Zusatzangebote für die Zuschauer. Die Investitionen, die wir tätigen, beziehen sich daher vordergründig auf Streckensanierung und Umbaumaßnahmen zum Zwecke der Sicherheit auf der Nordschleife und Grand-Prix-Strecke.

Zukünftig möchten wir aber auch einen noch größeren Fokus auf Unternehmensveranstaltungen, die sogenannten MICE-Events setzen. Dazu gehören Firmenevents, Tagungen oder Kongresse sowie Messen und Produktpräsentationen. Dabei spielt die Zusammenarbeit mit der Region, d. h. den Hotels und Dienstleistungsbetrieben für uns eine wichtige Rolle und ist die Voraussetzung für eine gemeinsame erfolgreiche Zukunft am Ring.

Eine weitere Herausforderung für die nahe Zukunft ist die Digitalisierung des Nürburgrings. Mit dem neuen Online-Portal „Green Hell Driving“ ist uns bereits der erste Schritt in diese Richtung gelungen.

Das ring°werk als Motorsport-Erlebnismuseum am Nürburgring – wie sehen hier Ihre Pläne aus?

Das Motorsport-Erlebnismuseum ring°werk ist ein beliebtes Ausflugsziel für Groß und Klein.  Darüber hinaus gehört es ebenfalls zu den meist gebuchten Locations für Business- und Abendveranstaltungen. Anlässlich unseres 90-jährigen Jubiläums wird im ring°werk ein neuer Themenbereich eröffnet, der ab Juni neun Jahrzehnte Rennsport-Historie sowie den Mythos Nürburgring beleuchtet.

Wird es 2019 wieder ein Formel 1 Rennen auf der Grand-Prix-Strecke geben?

Unsere Position ist unverändert: Wir sind nach wie vor daran interessiert einen Großen Preis von Deutschland auf dem Nürburgring auszurichten. Wir freuen uns darauf, zukunftsorientierte Veranstaltungsformate mit dem neuen Eigentümer der Formel 1 zu besprechen.

Der „ring°racer“ ist derzeit nicht im Betrieb. Gibt es Planungen, was damit geschehen soll?

Der ring°racer ist eins unserer Projekte, die wir noch nicht begonnen haben. Zunächst muss eine wirtschaftliche Prüfung stattfinden. Erst nach finaler Prüfung erfolgt eine endgültige Entscheidung über die Zukunft des „ring°racer“.

Die Oldtimerszene bekommt immer mehr Zuspruch. Werden Sie darauf reagieren?

Oldtimerveranstaltungen gehören seit Jahren zum festen Bestandteil des Veranstaltungskalenders am Nürburgring. Neben der Adenau Classic (12. bis 14.05.), dem AvD Oldtimer-Grand-Prix (11. bis  13.08.), dem ADAC/RGB Saisonfinale (29.09. bis 01.10.) und der ADAC Westfalen Trophy (13. bis 15.10.) lässt vor allem die Nürburgring Classic (16.bis 18.06.) das Oldtimerherz höher schlagen. Diese findet am Jubiläumswochenende auf den Tag genau 90 Jahre nach der Eröffnung des Nürburgrings statt.

Der Nürburgring hat 90-jähriges Jubiläum – wie wird das gefeiert?

Wie bereits erwähnt, haben wir das Jubiläum auf den Tag genau 90 Jahre nach dem ersten „Eifelrennen“ im Rahmen der Nürburgring Classic gefeiert. Vom 16. bis 18. Juni 2017 bildeten Rennen mit historischen Boliden und Motorrädern das passende Ambiente für das 90-jährige Jubiläum. Die historische Backstage-Tour lud an diesem Wochenende dazu ein, einen tieferen Einblick in die Geschichte der „Grünen Hölle“ zu gewinnen und der neugestaltete Themenbereich im „ring°werk“ wurde im Zuge einer Abendveranstaltung eröffnet.

Darüber hinaus ist der runde Geburtstag während der ganzen Saison ein wichtiges Thema, welches bei zahlreichen Veranstaltungen aufgegriffen wird.

Wir möchten auch weiterhin einen  Beitrag für die Entwicklung des Motorsports und des Automobilsektors leisten. Seit 90 Jahren ist der Nürburgring das deutsche Mekka für Motorsport. 1927 als „Erste Deutsche Gebirgs-, Renn- und Prüfstrecke“ eröffnet ist er bis heute als eine der anspruchsvollsten Rennstrecke der Welt bekannt. Mit dem Ausbau zu einem multifunktionalen Veranstaltungskomplex bietet die vielseitige Anlage genügend Raum auch für Weiterbildungen. Im Rahmen einer Kooperation mit der Hochschule Stralsund konnte der Nürburgring im März 2017 zum ersten Mal rund 30 Studenten des Fachbereichs Maschinenbau in der Eifel begrüßen. Die Teilnehmer des deutschlandweit ersten und bislang einzigen Studienganges „Motorsport Engineering“ sammelten in einer Praxiswoche zahlreiche Eindrücke und Wissen. Darüber hinaus gehörten auch Besuche und Vorlesungen bei Rennteams und Unternehmen rund um den „Ring“ zum Programm.  Das Pilotprojekt, das im Zusammenhang mit Kooperationen weiterer Hochschulen folgen sollen, ist ein weiterer Schritt, um den Nürburgring langfristig als „Standort für Forschung und Lehre“ zu etablieren.

Das Interview führte Klaus Ridder (07 - 2017)

  • Mirco Markfort_Geschäftsführer_capricorn Nürburgring GmbH; Foto:caprocorn
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