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DEKRA Verkehrssicherheitsreport 2017: „Best Practice“: Schritte auf dem Weg zum großen Ziel von null Verkehrstoten

Die Entwicklung der Zahl der Verkehrstoten in vielen Staaten der Welt macht deutlich, welch große Herausforderung es bedeutet, die Sicherheit auf den Straßen nachhaltig zu erhöhen. Während zum Beispiel in der EU im Jahr 2016 wieder ein positiver Trend zu verzeichnen war, ging die Zahl der Verkehrstoten etwa in den USA steil nach oben. Und: Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation WHO kommen weltweit jährlich nach wie vor etwa 1,25 Millionen Menschen bei Straßenverkehrsunfällen ums Leben. „Ein Gegensteuern ist weiterhin dringend erforderlich“, mahnte Clemens Klinke, Mitglied des Vorstands DEKRA SE und verantwortlich für die Business Unit Automotive, bei der Vorstellung des DEKRA Verkehrssicherheitsreports 2017. Im Mittelpunkt des seit 2008 jährlich erscheinenden Reports stehen diesmal „Best Practices“ aus aller Welt.

Auf den ersten Blick lesen sich die EU-Zahlen grundsätzlich positiv: Rund 25.500 Verkehrstote in den Mitgliedstaaten im Jahr 2016 bedeuten gegenüber dem Vorjahr einen Rückgang um 2,3 Prozent, über die letzten sechs Jahre hinweg ist die Zahl der Verkehrstoten in der EU um 19 Prozent gesunken. In den einzelnen Mitgliedstaaten verlief die Entwicklung 2016 allerdings sehr uneinheitlich. Während zum Beispiel in Deutschland mit rund 3.200 Getöteten gegenüber 2015 ein Rückgang um 7,3 Prozent zu verzeichnen war, stieg in Frankreich laut „Observatoire National Interministériel de la Securité Routière“ im dritten Jahr in Folge die Zahl der Verkehrstoten, wenn auch „nur“ um 0,2 Prozent von 3.461 auf 3.469. Und in den USA ist 2016 nach Schätzungen des National Safety Council sogar mit einem Anstieg auf über 40.000 Verkehrstote zu rechnen. Schon 2015 war hier eine Zunahme um 7,5 Prozent zu beklagen.

Vor dem Hintergrund, dass jedes Straßenverkehrsopfer eines zu viel ist, bleibt die Erhöhung der Straßenverkehrssicherheit eine der ganz großen gesellschaftlichen Herausforderungen. Das gilt erst recht, wenn man die Problematik nicht beschränkt auf einzelne Länder, sondern global betrachtet. „Dringender denn je ist die Frage zu stellen, wie man effizient und nachhaltig gegensteuern kann, um endlich eine deutliche Verbesserung dieser Situation zu erreichen“, sagte Clemens Klinke im Rahmen des Parlamentarischen Abends in der Landesvertretung von Baden-Württemberg in Berlin, bei dem der Report vorgestellt wurde. Als wirksamer Schlüssel könne sich dabei der „Best-Practice“-Ansatz erweisen, der auch im Bereich der Verkehrssicherheit schon seit Jahren Anwendung findet. Gemeint sind damit Maßnahmen, die sich in bestimmten Regionen der Welt bewährt haben und unter Umständen auch andernorts dazu beitragen können, die Zahl der Getöteten und Verletzten im Straßenverkehr weiter zu senken.

Der DEKRA Verkehrssicherheitsreport 2017 zeigt für die Bereiche Mensch, Fahrzeugtechnik und Infrastruktur sowie für alle Verkehrsteilnehmergruppen an Hand von Beispielen aus den unterschiedlichsten Ländern auf, dass sich für das Ziel der „Vision Zero“ – also einen sicheren Straßenverkehr, in dem es bei Unfällen möglichst wenig Getötete und Schwerverletzte gibt – viele unterschiedliche Ansatzmöglichkeiten bieten.

Aussagekräftige Statistiken als Basis für die Planung von Maßnahmen
Vor der jeweiligen Planung und Umsetzung sollten sich die zuständigen Stellen aber fragen, in welchem räumlichen Gebiet die Maßnahmen wirken, welcher Stand schon erreicht ist, wie nachhaltig die Maßnahmen voraussichtlich sind, wie viele Unfälle vermieden oder in ihrer Schwere reduziert werden können, welche Querbeeinflussungen es mit anderen Maßnahmen gibt und wie die Maßnahmen den Bereich außerhalb des Straßenverkehrs berühren. Nicht vergessen werden darf außerdem, dass für Beurteilungen der Verkehrssicherheit und die Einleitung entsprechender Optimierungsschritte das reale Unfallgeschehen auf den Straßen die ganz entscheidende Rolle spielt. „Vor diesem Hintergrund muss unbedingt international die Verfügbarkeit fundierter und weitestgehend vergleichbarer Unfalldaten und Statistiken verbessert werden“, forderte DEKRA Vorstand Klinke. Nach wie vor gebe es zwischen den Erhebungsmethoden und Datenmengen von Land zu Land große Unterschiede.

Verantwortungsbewusstsein und Regelakzeptanz
Eine Lösung der mit der Verkehrssicherheit verbundenen Herausforderungen in den höher motorisierten Regionen sehen mittlerweile große Teile der Politik sowie der Automobil- und Zulieferindustrie unter anderem darin, die Fahrzeuge verstärkt mit Systemen für teil-, hoch- und vollautomatisiertes Fahren auszurüsten. Ohne Zweifel werden diese Systeme (neben Systemen für das assistierte Fahren) in Fahrzeugen aller Art zukünftig eine immer größere Rolle spielen, um die Straßen sicherer zu machen. Dennoch darf der nach wie vor wichtigste Faktor für die Verkehrssicherheit nicht aus seiner Verantwortung für das Straßenverkehrsgeschehen entlassen werden. Der Mensch ist und bleibt das entscheidende Element. „Verantwortungsbewusstes Verhalten gepaart mit der richtigen Einschätzung der eigenen Fähigkeiten und einem hohen Maß an Regelakzeptanz sind auch in Zukunft die wichtigsten Voraussetzungen dafür, dass möglichst immer noch weniger Menschen auf den Straßen ihr Leben lassen müssen“, gab Klinke zu bedenken.

DEKRA Engagement für mehr Verkehrssicherheit
Wie die Vorgänger seit 2008 ist auch der neueste DEKRA Verkehrssicherheitsreport weit mehr als eine Ansammlung von Fakten über den Ist-Zustand. Er liefert Denkanstöße und konkrete Handlungsempfehlungen für Politik, Verkehrsexperten, Hersteller, wissenschaftliche Institutionen und Verbände. Zugleich soll er Ratgeber sein für alle Verkehrsteilnehmer.

DEKRA engagiert sich seit über 90 Jahren für die Verbesserung der Verkehrssicherheit. Unter anderem gehört die Expertenorganisation zu den Erstunterzeichnern der EU-Charta für Verkehrssicherheit und unterstützt nachhaltig das von der EU neu aufgelegte Aktionsprogramm zur erneuten Halbierung der Zahl der Verkehrstoten bis 2020. In nationalen und internationalen Gremien sind die Sachverständigen von DEKRA als kompetente Gesprächspartner geschätzt.
Der DEKRA Verkehrssicherheitsreport 2017 steht online unter www.dekra.de/verkehrssicherheitsreport-2017 zum Download sowie als Blätterkatalog zur Verfügung. Weitergehende Inhalte zum gedruckten Report, etwa in Form von Bewegtbildern oder interaktiven Grafiken, finden sich im DEKRA Online-Portal zur Verkehrssicherheit unter www.dekra-roadsafety.com.

DEKRA Forderungen für mehr Verkehrssicherheit
  • Bessere internationale Verfügbarkeit fundierter sowie weitestgehend vergleichbarer Unfalldaten und Statistiken.
  • Stärkere Wirksamkeits-Evaluierung national, regional oder lokal ergriffener Maßnahmen zur Erhöhung der Verkehrssicherheit.
  • Genaue Prüfung von anderswo nachweislich erfolgreichen Verkehrssicherheitsmaßnahmen im Hinblick auf ihre Übertragbarkeit auf die jeweiligen Gegebenheiten vor Ort.
  • Noch höhere Marktdurchsetzung sicherheitsfördernder Fahrerassistenzsysteme.
  • Gewährleistung der Funktionsfähigkeit mechanischer und elektronischer Komponenten der Fahrzeugsicherheit über das gesamte Fahrzeugleben hinweg.
  • Anlegen des Sicherheitsgurts als Lebensretter Nummer 1 bei jeder Fahrt auf den Vorder- wie auf den Rücksitzen.
  • Entschärfung potenzieller Gefahrenstellen durch straßenbauliche und nachvollziehbare verkehrsregelnde Maßnahmen.
  • Frühestmöglicher Beginn einer kontinuierlichen Verkehrserziehung bis ins hohe Alter mit differenzierter Ansprache aller Gruppen von Verkehrsteilnehmern.
  • Verantwortungsbewusstes und regelgerechtes Verhalten aller Verkehrsteilnehmer.
  • Noch schärfere Kontrolle und Ahndung besonders gefährlicher Regelverstöße wie Alkohol am Steuer, Ablenkung etwa durch das Smartphone oder übermäßige Geschwindigkeitsüberschreitungen.
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