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Carsharing boomt

Immer mehr Autofahrer teilen regelmäßig oder gelegentlich ihr Auto mit vielen anderen.

Mehr als 750.00 Nutzer zählten die Carsharing-Anbieter nach Angaben des Bundesverbandes CarSharing e.V. Ende 2013 in Deutschland. Vor allem in den Großstädten sind die Zahlen in den letzten Jahren geradezu explodiert, nachdem die Autos für die Kurzzeitmiete überall im Stadtgebiet zu finden sind. DriveNow, das Joint Venture von BMW und Sixt, Ende 2013 in Hamburg neu gestartet, meldet nach 100 Tagen, Mitte Februar, 30.000 registrierte Nutzer. In Stuttgart setzt die Daimler-Tochter Mobility Service mit car2go seit Anfang 2013 auf Elektro-Smarts – mit ebenfalls großem Erfolg. 28.000 Kunden haben sich 2013 für die gelegentliche Nutzung der kleinen Stadtflitzer registriert und mehr als zwei Millionen Kilometer im Stadtgebiet zurückgelegt. Zu Jahresbeginn wurde das Geschäftsgebiet deshalb auf die umliegenden Städte Esslingen, Böblingen, Sindelfingen und Gerlingen erweitert und die Flotte dazu auf 500 Fahrzeuge aufgestockt. Aber auch die Importeure sind ins Carsharing eingestiegen. Citroen etwa mit Multicity in Kooperation mit Flinkster von der Deutschen Bahn setzt ebenfalls auf Elektromobilität und meldet nach einem Jahr in Berlin 3.700 Kunden, die sich regelmäßig einen der 350 Citroen C-Zero ausleihen.

Und wer hats erfunden? Die Schweizer habens erfunden! Erste private Carsharing-Projekte, also das Teilen eines Autos mit vielen anderen, gab es in Zürich wohl schon Ende der 1940er Jahre. Ende der 80er entstanden dort die ersten gewerblichen Carsharing-Projekte und bald schwappte die Idee auch nach Deutschland. Mit zwei Autos und ausschließlich ehrenamtlichen Mitarbeitern hatte beispielsweise Stadtmobil aus Stuttgart 1992 begonnen. Seitdem tauchten immer mehr der roten Autos mit dem Stadtmobil-Logo in der baden-württembergischen Landeshauptstadt auf. Zum 20-jährigen Bestehen, 2012, standen an 170 Stationen in und um Stuttgart 390 Fahrzeuge für die rund 7.500 Kunden bereit. Viele der Stadtmobilkunden kommen damit ohne eigenes Auto aus, nutzen den öffentlichen Nahverkehr und holen sich bei Bedarf ein Stadtmobil. Denn, so die Rechnung der sparsamen Schwaben, wer unter 10.000 Kilometer im Jahr fährt, für den lohnt das eigene Auto nicht, der ist mit Carsharing günstiger unterwegs.

Der große Carsharing-Boom begann allerdings erst mit den stationsunabhängigen, sogenannten free floating Carsharing-Angeboten. Innerhalb eines definierten Geschäftsgebietes können die Nutzer die Autos überall anmieten und auch wieder abstellen. Eine Smartphone App zeigt, wo das nächste verfügbare Auto parkt, das dann über die App auch gleich reserviert werden kann. Als Pionier sieht sich hier car2go. Das Daimler Carsharing-Projekt begann bereits Ende Oktober 2008 mit einem Pilotversuch und 50 Smarts in Ulm. 2011 stieg Autovermieter Europcar bei car2go mit ein. Damit expandierte das Unternehmen auch gleich über Deutschland hinaus. Fünf Jahre nach dem Start in Ulm, im Oktober 2013, meldete car2go 500.000 Kunden, die in 25 Städten weltweit mehr als 9.000 Smart fortwo, darunter 1.100 Elektrosmart nutzen – insgesamt 15 Millionen mal seit 2008. „Inzwischen beginnt alle 2,5 Sekunden eine Car2go Miete an einem der Standorte in Europa und Nordamerika“, schreibt car2go.

BMW ist Mitte 2011 ins Geschäft eingestiegen und partizipiert ebenso am aktuellen Carsharing-Boom. In fünf deutschen Städten und in San Francisco stehen die DriveNow-Autos inzwischen zum Teilen bereit. Rund 215.000 Kunden hatte das Joint Venture von BMW und Sixt im Januar 2014, die Fahrzeuge von Mini und BMW mieten können. Auch die DriveNow-Kunden können die Autos überall im Geschäftsgebiet in München, Berlin, Düsseldorf, Köln und Hamburg mieten und wieder abstellen. Zusätzlich versucht DriveNow, mit zusätzlichen Angeboten Mehrwert zu schaffen. So stehen die Fahrzeuge auch an den jeweiligen Flughäfen bereit und damit zum Teil außerhalb des Geschäftsgebietes. Der Kunde aus Hamburg kann also beispielsweise mit einem DriveNow BMW zum Flughafen Fuhlsbüttel fahren, nach München fliegen und dort mit dem Carsharing-Auto in die Münchner Innenstadt fahren. Die Taxifahrer vor Ort sehen das mit Sorge. Außerdem gibt es in München spezielle Freizeitpakete fürs Shopping im Outlet Center bei Ingolstadt, Skifahren in den Alpen oder Wellness in der Therme Erding.

So gelten die deutschen Großstädte Berlin, Hamburg, Stuttgart und München inzwischen als Carsharing-Hochburgen. Der Bundesverband CarSharing e.V. (bcs), in dem derzeit 112 Anbieter organisiert sind, kürte dagegen bereits zum zweiten Mal Karlsruhe zur deutschen Carsharing-Hauptstadt. Pro 1.000 Einwohner stehen hier 1,93 Carsharing-Autos zur Verfügung. Platzhirsch stadtmobil Karlsruhe kann mit guten Angeboten punkten. Auf den Plätzen folgen Stuttgart mit 1,38, und Köln mit 1,17 Autos je 1.000 Einwohner. München liegt mit 0,87 Autos auf Platz fünf. Abgeschlagen auch Berlin, wo es viele weiße Angebotsflecken in den Außenbezirken gebe, die von den großen Anbietern nicht versorgt werden, urteilt der bcs. Daneben etablieren sich Carsharing-Anbieter, meist mit stationsgebundenen Systemen auch in kleineren Städten: „Anfang des Jahres 2013 zählten wir 343 Städte und Gemeinden mit Carsharing-Angebot“, so der bcs. Im Laufe des Jahres seien 20 weitere Städte hinzugekommen.

Längst ist das Autoteilen nicht mehr nur eine Alternative für wenige, besonders ökologisch denkende Menschen. Viele jüngere Autofahrer, für die auch das Smartphone mit seinem Möglichkeiten ganz selbstverständlich zum Alltag gehört, sind vor allem auf die freefloating-Angebote eingegangen. In Stuttgart ist es inzwischen hip mit einem Elektro-Smart von car2go unterwegs zu sein, problemlos gefunden, gebucht und abgerechnet über das Smartphone. Aber auch die älteren nutzen die neue Mobilität. Eine Studie im Auftrag des Online-Automarktes AutoScout24 mit insgesamt 8.800 Menschen in sieben europäischen Ländern hat herausgefunden, dass sieben Prozent der Befragten 18- bis 29-jährigen planen, ausschließlich auf Carsharing zu setzen. Ab einem Alter von 30 Jahren steigt dieser Anteil bis auf zwölf Prozent bei den 60- bis 65-jährigen. Das eigene Auto ist damit aber noch lange nicht out, beruhigt AutoScout24: 61 Prozent der Deutschen wünschen sich nach wie vor ein eigenes Auto, das möglichst viele ihrer Bedürfnisse erfüllt.

so

  • BMW 1er und Minis gibt es bei DriveNow, dem Joint Venture von BMW und Sixt. (Foto: DriveNow)
  • In Stuttgart punktet Car2Go von Daimler mit Elektro Smarts, Foto: Daimler
  • Meist reicht eine Kundenkarte, um das Carsharing-Auto zu öffnen, Foto: DriveNow
  • Auch Multicity von Citroen setzt kan auf Elektromobilität. Foto: Citreoen
  • Einer der Pioniere, Stadtmobil Stuttgart mit festen Stationen, Foto: stadtmobil
  • Citroen kooperiert mit Flinkster von der deutschen Bahn, Foto: Citroen
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