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Benzin im Blut

Wo andere Ehepaare die Ausfahrt ins Grüne planen oder die Grillsaison im Garten eröffnen, feilschen die Inhesters bei Classic-Rallyes mit Lichtschranken um Zehntelsekunden. Wolfgang Inhester am Steuer eines seiner Porsche-Pretiosen, Rita Inhester mit dem Roadbook auf dem Beifahrersitz.

Als Sportgeräte dienen den Inhesters mehrere, wunderschön restaurierte Elfer aus dem Haus Porsche. VdM-Mitglied Wolfgang Inhester hat schon seit sehr vielen Jahren ein großes Faible für die Zuffenhausener Sportwagen entwickelt und hegt in seinem Fuhrpark einige 911er-Pretiosen seiner automobilen Leidenschaft. „Das Schöne daran ist, dass meine (Gattin) Rita diese Leidenschaft in vollem Umfang teilt“, urteilt VdM-Kollege Wolfgang Inhester. Schon in seiner Profi-Zeit beim Toyota Team Europe an der Seite von Achim Warmbold war sie bei fast allen Rallyes im In- und Ausland dabei.

Pro Jahr nehmen die Inhesters an etwa zehn Oldtimer-Rallyes und zahlreichen Einladungs-Events teil. Im Mittelpunkt steht für die beiden aber immer der Sport: „Winke-Winke-Fahrten im Oldtimer finden wir total langweilig.“ Die Auseinandersetzung mit den Roadbooks und Stoppuhren präferieren die ambitionierten Autofreunde deshalb über Alles und zählen in dieser Kategorie zu den Spitzenteams in Deutschland. „Natürlich ist es schön, vor sehr viel Publikum um die ehemalige Solitude-Rennstrecke vor den Toren Stuttgarts zu cruizen, insgesamt überwiegt aber der Wettbewerb um hundertstel Sekunden, die eben am Schluss einer Rallye das Ergebnis bestimmen“, ergänzt Rita Inhester.

Bei den Classic-Rallyes kommt es darauf an, die bis zu 200 Lichtschranken einer Rallye auf die hundertstel Sekunde genau zu treffen. Der „Regularity-Sport“, so die offizielle Bezeichnung, ist eine ernsthafte Angelegenheit. Wer hier Erfolg haben will, muss trainieren, am besten mehrmals die Woche. Dazu gehört bei den Inhesters eine Anlage mit vier Lichtschranken und Zeitenübertragung per Funk auf einen Laptop im Auto. Das Trainingsgelände ist ein großer Steinbruch mit Asphaltstraßen in Ditzingen. Das Ziel: Jede Lichtschranke mit einer Abweichung von sechs Hundertstel oder weniger zu treffen. „Leider fehlt aus beruflichen Gründen die Zeit zum ausgiebigen Training, wir fahren nur sonntags vor einer Classic-Rallye ca. 200-250 Lichtschranken, die potenziellen Sieger trainieren über 1000,“ so der Unternehmensberater, der heute seine über dreißigjährige Erfahrung im PR-Bereich, u.a. als Hauptabteilungsleiter Unternehmenskommunikation bei Opel, als Direktor Globale Kommunikation Mercedes-Benz und als CEO der Laureus World Sports Awards in London, in der Kommunikations- und Krisenberatung namhafter Unternehmen und Spitzenmanager einsetzt.

„Trotz  unserer geringen Trainingszeiten ist unser Anspruch, bei den 100 bis 200 Startern einer Classic-Rallye immer unter den Top Ten ins Ziel zu kommen, und wenn es optimal läuft, auch den einen oder anderen Gesamtsieg herauszufahren, was uns in der Vergangenheit auch gut gelungen ist,“ so Rita Inhester, die in der Vorbereitung für die Nennungen, das Roadbook, die Wertungsprüfungen, die Zeitnahme und die Hotellogistik verantwortlich ist. Gatte Wolfgang kümmert sich um die Fahrzeugtechnik, die elektronischen Spezial-Uhren, die Bestückung des Servicefahrzeuges und den Fahrzeugtransport.

„Der Sport ist zwar stressig, aber er hält uns jung und dynamisch und wir treffen immer tolle Menschen“, hat Rita das letzte Wort – wie auch im Auto: Denn das Hirn sitzt immer rechts.

Eberhard Strähle

Motorjournalist - das Magazin des VdM 2/2016

Lesen Sie die ganze Geschichte in der aktuellen Ausgabe des Motorjournalist.

  • Bei der Metz Rallye 2015, Foto Strähle
  • Metz Rallye 2015, Pause bei Herpa, Foto: Strähle
  • Solitude Revival 2015, Foto Strähle
  • Württemberg Historic 2007, Foto Strähle
  • Württemberg Historic 2014, Foto Strähle
  • Württemberg Historic 2015, Foto Strähle
  • Ein Team: Rita und Wolfgang Inhester 2014, Foto Strähle
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