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Autozulieferer Capricorn will Nürburgring übernehmen

Am 1. Januar 2015 könnte am Nürburgring eine neue Ära beginnen.

Seit 2009 kommt der Nürburgring nicht aus den meist negativen Schlagzeilen heraus. Die millionenschweren Aufwendungen in das sogenannte Ringwerk , das Freizeitzentrum, das Feriendorf und die stillstehende Achterbahn entwickelten sich zur Fehlinvestition. Das eigentliche erwartete Publikum nahm Deutschlands legendärste Motorsportstätte in dieser Form nicht an. Jetzt scheint ein neuanfang möglich: Der Autozulieferer Capricorn-Group will die Traditions-Rennstrecke für 77 Millionen Euro übernehmen.

Mit mehr als 400 Millionen Schulden meldete der Ring 2012 Insolvenz an. Nun wollen es die beiden Geschäftsführer der neuen Capricorn-Nürburgring GmbH, Robertino Wild und Adam Osieka, richten. Capricorn, ein mittelständischer Betrieb mit Sitz in Düsseldorf, beschäftigt rund 350 Mitarbeiter und produziert als Zulieferer für die Automobilindustrie unter anderem Kurbelwellen, Kolben, Motorblöcke und Laufbuchsen. Am Nürburgring betreibt Capricorn in unmittelbarer Nähe zur Nordschleife seit einigen Jahren ein Testcenter. Sowohl Wild als auch Osiecka sind in der Region durchaus verwurzelt. Wild wuchs in Italien und Düsseldorf auf. Danach studierte er in Aachen. Motorsportliche Lorbeeren holte er sich mit dem Sieg in der Ferrari-Challenge 2000. Auch in der Langstreckenmeisterschaft ist er aktiv. Auch sein Partner Adam Osiecka ist ein begeisterter Rennfahrer auf der Nordschleife. Er ist geschäftsführender Gesellschafter des Motorsportunternehmens Getspeed, das an der Capricorn-Group beteiligt ist. Zu den Leistungen von Getspeed gehören unter anderem Werkstattservices, Tuning und die Betreuung von Rennveranstaltungen.

In der Region wurde die Kaufabsicht von Capricorn mit verhaltenem Optimismus aufgenommen. Manche hätten es lieber gesehen, wenn der Nürburgring in öffentlicher Hand, also der rheinland-pfälzischen Landesregierung geblieben wäre. Andere hingegen machen keinen Hehl daraus, dass es mit einem ortsansässigen Unternehmen nicht besser hätte laufen können. Hinter vorgehaltener Hand wird davon gesprochen, regionale Interessenverbände hätten sich zu Gunsten von Capricorn stark gemacht. Wie auch immer, die Menschen in der Region wollen, dass es am Nürburgring wieder in vernünftigen und damit verlässlichen Bahnen weitergeht. Die möglichen neuen Betreiber haben bereits das Ende des Eifeldorfs „Grüne Hölle“, die Schließung der Achterbahn und Schluss mit der „Ringcard“ angekündigt. Man wolle sich in Zukunft mehr auf das Kerngeschäft Automobil konzentrieren  Ob der bereits unterschriebene Kaufvertrag jedoch wirksam wird, ist noch offen. Das letzte Wort hat die EU-Kommission. Eine Entscheidung wird im Sommer erwartet, nach der Europawahl im Mai.

Heiko Schäfer

  • VLN-Start 2013, Foto: Jan Brucke/VLN
  • Nürburgring, Foto: Nürburgring Betriebsgesellschaft mbH
  • Klaus Ridder

„Ich bin sicher, dass der Nürburgring eine gute Zukunft haben wird“

VdM-Kollege Klaus Ridder ist Pressesprecher des Vereins „Freunde des Nürburgrings“. Im Verkauf des Nürburgrings an den Autoteilezulieferer Capricorn sieht er gute Zukunftschancen für die Rennstrecke. Lesen Sie hier das Interview mit Klaus Ridder.

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