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Automobil-Museen in USA: unbekannt, doch sehenswert

Amerika ist und bleibt das Land des Automobils – Zahllose Museen zeigen das.

Im gleichermaßen autonärrischen wie autoabhängigen Amerika gibt es selbstverständlich in jedem Nest, das nur ein bisschen auf sich hält, ein Auto-Museum. Manchmal sind das nur ein paar angerostete Gebrauchtwagen, die im Heimatmuseum mit untergebracht sind und dort zwischen ebenfalls etwas fragwürdigen Exponaten wie Konservendosen, Geschirr und landwirtschaftlichem Gerät ihr Dasein fristen. Selten haben die so zur Schau gestellten Oldtimer das Niveau der Top-Modelle wie sie beispielsweise das legendäre „Mullin Automobile Museum” im kalifornischen Oxnard oder das nicht minder berühmte „Walter P. Chrysler Museum” in Auburn Hills, Michigan zeigen. Doch mitunter entpuppt sich ein unscheinbares Automuseum am Wegesrand als wahres Schmuckkästchen, in dem nicht nur liebevoll zusammengestellte Kollektionen, sondern auch bemerkenswerte Raritäten stehen. Fünf dieser eher kleinen aber feinen Museen, die nicht jeder kennt und die in den gängigen „You-Must-See”-Listen kaum auftauchen, stellen wir hier exemplarisch vor.

Highlight in Texas
Eigentlich wollte Reisemobil-Händler Jack Sisemore in Amarillo, Texas, nur seinen  Kunden die Wartezeit verkürzen, als er sich entschloss, seine Sammlung von Wohnwagen, Reisemobilen und Motorrädern öffentlich zugänglich zu machen. Doch dann kam ein Reporter vorbei und berichtete in der Lokalzeitung über das „Museum“.  Seither ist das RV-Museum eine Attraktion, die auch vom Tourist Office als Sehenswürdigkeit gefeatured wird. Zu Recht: Man muss gar kein ausgesprochener RV-Fan sein, um an den Exponaten Gefallen zu finden, denn das Museum ist in seiner Art fast einmalig. Die meisten Ausstellungsstücke sind fürs Publikum geöffnet, man kann also richtig eintauchen in die Camperwelt der letzten 90 Jahre. Vom 1921-er Kampkar über einen 1962-er Airstream bis zum 1975-er Itasca reicht die Palette. Zeitgenössische Dekoration, ausführliche Erklärungen und liebevolles Arrangement machen die Sammlung mehr als sehenswert. Grund für Jack Sisemore aufzustocken. Ein deutlich größerer Neubau ist in Arbeit. Dort finden auch seine zahlreichen Motorräder einen würdigen Rahmen. Der Eintritt bleibt weiterhin frei.
Mehr Infos: www.rvmuseum.net

Nostalgie in New Mexico
Natürlich will jedes Kaff, das irgendwie an der Historic Route 66 liegt, aus dem Ruhm seinen Profit ziehen. Santa Rosa in New Mexico macht da keine Ausnahme. So kam der Ort zum „Road 66 Auto Museum“, wobei der Bezug zu der legendären Straße, vorrangig mit Aufklebern und Souvenir-Krims-Krams erzeugt, etwas künstlich wirkt. Auch die 30 Autos stehen ein wenig zusammengewürfelt beieinander und die Erläuterungen sind rar. Warum hat der „Woody“ einen Cobra Motor? Was hat es mit dem 1947-er Chevy Coe auf sich? Wer steckt hinter dem 1957-er Project Car? Fragen, die leider offen bleiben. Fazit: Kein Abstecher, den  man machen muss, aber eine nette Unterbrechung für Autonostalgiker auf der Route 66.
Weitere Infos:  www.route66automuseum.com

Kuriosität in Missouri 
Das „Museum Of Transportation” in St. Louis ist –  der Name lässt es erahnen – kein wirkliches Automuseum. Lokomotiven und Flugzeuge dominieren. Doch die kleine, separate Autoabteilung lohnt einen Abstecher – zumindest für den, der auch ganz irre Fahrzeuge mag. Denn hier in Missouri steht neben dem üblichen Querschnitt von diversen frühen Ford Modellen und den knallbunten Juke-Box-Cars der 50er- und 60er-Jahre sowie Raritäten wie dem  Stanley Steamer von 1923 als Star der DiDia 150, den der Designer Andy DiDia im Jahr 1960 für den Sänger und Schauspieler Bobby Darin auf die Räder stellte. Das futuristische Gefährt, weder praktisch, noch schön, noch genussvoll fahrbar war seinerzeit zumindest eines: auffällig.
Mehr Infos: www.transportmuseumassociation.org

Rarität in Texas
Dick’s Classic Garage in San Marcos zeigt rund 70 Traumautos – alle viertel Jahr wechselt die Ausstellung ein wenig, sodass sich auch ein häufigerer Besuch lohnt.  Die US-Autohistorie beginnt mit einem 1916er Hudson Boat Tail Speedster, zeigt einige Prachtexemplare der 20er- und 30er-Jahre-Luxusära, die eher kargen Modelle der 40-er und 50-er Jahre und spätere Muscle Cars. Zu fast allen Exponaten gibt's ausführliche Erläuterungen, oft angereichert mit Anekdoten über Vorbesitzer oder Auto. Mittendrin: ein Tucker Torpedo; das Auto, von dem 1948 nur 51 Exemplare entstanden, dann hatten die „Big Three“ den Visionär Preston T. Tucker mit Hilfe von Intrigen klein gekriegt. Einen Tucker zu sehen ist schwierig. Von den verbliebenen 47 Exemplaren sind 24 in Privatbesitz und 23 in diversen Museen –  keines davon in Europa.
Mehr Infos: www.dicksclassicgarage.com

Autodiebe in Minnesota
Deer Lodge in Montana hatte 1871 das erste Staatsgefängnis. Etwas mehr als 100 Jahre lang hat man hier nicht nur Autodiebe eingesperrt. 1979 gab’s einen Neubau. Zurück blieb ein Gemäuer, dem die Bürger von Deer Lodge eine neue Bedeutung gaben: Das Old Montana Prison wurde zum mehrteiligen Museum mit sehenswerter Autoabteilung. Über 150 Vehikel sind hier versammelt; die meisten aus Privatbesitz und manche verkäuflich. Für Historienfreunde besonders interessant: Ein 1913-er Detroit Electric Car, der mit Bleiakkus Reichweiten über 200 Meilen  schaffte. Einen Hybriden hatten die Detroiter auch im Programm. Der hatte einen aus acht Batterien gespeisten  96-V-Elektromotor sowie als „Range Extender” einen  3-PS-Benzinmotor.  
Mehr Infos: www.pcmaf.org

Text und Fotos: Franz-Peter Strohbücker

RV-Museum in Amarillo, Texas
  • Foto: Franz-Peter Strohbücker
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Route 66 Automuseum in Santa Rosa, New Mexico
  • Foto: Franz-Peter Strohbücker
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Museum Of Transportation in St. Louis, Missouri
  • Foto: Franz-Peter Strohbücker
  • Foto: Franz-Peter Strohbücker
Dick’s Classic Garage in San Marcos, Texas
  • Foto: Franz-Peter Strohbücker
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Deer Lodge in Montana, Minnesota
  • Foto: Franz-Peter Strohbücker
  • Foto: Franz-Peter Strohbücker
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