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80 Jahre Pkw-Diesel in Serie

1936, 13 Jahre nach dem ersten Diesel-Lkw, erscheint auf der Berliner-Automobil-Ausstellung der Mercedes-Benz Typ 260 D, der erste in Serie gebaute Diesel-Pkw weltweit. Die Sensation! Sein 2,6-Liter-Vierzylinder mit Mercedes-Benz Vorkammersystem und Bosch-Einspritzpumpe leistet 45 PS (33 kW) bei 3200/min und ist in das Fahrgestell des Benzinermodells Typ 200 eingebaut. Sein Durchschnittsverbrauch liegt bei etwas mehr als neun Liter und unterbietet damit die 13 Liter des Benzintyps 200 erheblich. Vor allem Taxifahrer setzen auf dieses Fahrzeug. Die Bewährung im harten Taxialltag zieht auch Privatkunden in die Verkaufsräume. Bis 1940 werden rund 2.000 Einheiten vom Mercedes-Benz 260 D gefertigt.

Nach dem Zweiten Weltkrieg dominiert Wirtschaftlichkeit. Der Vierzylinder-Pkw-Dieselmotor setzt bei Mercedes-Benz seinen Siegeslauf fort, ab 1949 im 170 D und ab 1952 im 170 DS. Es folgen 180 D und 190 D in der Pontonkarosserie von 1953. Der Diesel kommt auf immer höhere Stückzahlen und ist letztlich aus der „Mittleren“ Klasse von Mercedes-Benz, der heutigen E-Klasse, nicht mehr wegzudenken. Ständige Verbesserungen, größere Hubräume und steigende Leistung prägen ihn. Heute rollt der V6-Dieselmotor des Mercedes-Benz E 350 BlueTEC auf den Straßen. Die 258 PS starke Limousine soll nur noch rund fünf Liter Dieselkraftstoff auf 100 Kilometer verbrauchen.

Der Dieselmotor hat eine lange Geschichte: Rudolf Diesel konstruierte ihn bereits 1893. Dieser Verbrennungsmotor wurde zuerst in Schiffen (1903) und Lokomotiven (1913) verwendet. Den ersten Pkw mit Dieselmotor fertigte 1933 der französische Autobauer Citroën. In Serie ging er aber erst 1936 mit dem Mercedes-Benz 260 D. Der Dieselmotors punktet nach wie vor mit seinem Wirkungsgrad. Ein Diesel kann bis zu 50 Prozent der Kraftstoffenergie in Arbeit umwandeln, ein Ottomotor im Pkw kommt maximal auf 38 Prozent.

VDA-Präsident Matthias Wissmann warnt davor, angesichts des Skandals um VW-Dieselmotoren die gesamte Branche unter Generalverdacht zu stellen. „Eine missbräuchliche Anwendung einer speziellen Motorensoftware, das geht nun überhaupt nicht“, sagt er. Man dürfe das „völlig inakzeptable“ Verhalten von Volkswagen nicht mit einem generellen Problem der Dieseltechnologie verwechseln. Denn Dieselmotoren spielten auch künftig eine große Rolle bei der Reduzierung des CO2-Ausstoßes. Der Diesel sei deshalb „unverzichtbar für die deutsche und internationale Automobilindustrie“.

Bei aller Diskussion in der Gegenwart. „Der Diesel hat noch eine große Zukunft. Es gibt noch weitere Optimierungschancen“, betont der VDA-Präsident. Und er ist mit seiner Einschätzung nicht allein...

Text: Erwin Halentz

  • Mercedes-Benz Typ 260 D, erster serienmäßiger Diesel-Pkw der Welt. Droschken-Landaulet mit Schiebedach, 1936 bis 1940. Foto: Mercedes-Benz.
  • Exakte Kraftstoffverteilung. Zeichnung des Motors vom 260 D (Baureihe W 138, 1936 bis 1940) mit Einspritzpumpe und Dieselleitungen. Foto: Mercedes-Benz.
  • Der Automobilzulieferer KSPG setzt seit 1923 auf die Dieseltechnologie. Foto: KSPG.
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