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100 Jahre elektrische Verkehrsampel

Grünes und rotes Licht regelt den Verkehr schon seit 1868. Die erste elektrische Verkehrsampel wurde 1914 aufgestellt.

Das Jahr 1868: Nikolaus II., letzter russischer Kaiser und Zar wird geboren, in Wien heiratet der bayerische Prinz Ludwig die Erzherzogin Marie Therese von Österreich-Este und in Dahlwitz-Hoppegarten wird in Anwesenheit von König Wilhelm I. die Berliner Galopprennbahn Hoppegarten eingeweiht. Derweil droht in London der Straßenverkehr zu kollabieren: Fuhrwerke, Pferdeomnibusse, Droschken und Fußgänger verursachen auf den Themsebrücken und in den engen Straßen ein Verkehrschaos. So kam dort 1868 die erste Ampel zum Einsatz: eine Gaslaterne, die über rote und grüne Lichtsignale verfügte und den Verkehr regeln sollte. Diese erste Verkehrsampel hielt jedoch nicht lange durch: sie explodierte nach wenigen Wochen. Dabei erlitt ein Mensch schwere Verletzungen.

Es vergingen 46 lange Jahre, bis die erste elektrische Ampel in Cleveland, Ohio, in den USA in Betrieb genommen wurde, am 5. August 1914, also vor 100 Jahren. Diese Anlage verfügte seinerzeit nur über die Farben rot und grün. Die ersten dreifarbigen Ampeln wurden sechs Jahre später in New York und Detroit aufgestellt.
Ampel in Deutschland

In Europa ist Paris Ampel-Vorreiter: Von 1922 an wird der Verkehr in der Seine-Metropole mit Lichtzeichen geregelt. Die erste Ampel in Deutschland gibt es im selben Jahr in Hamburg. Berlin lässt sich weitere zwei Jahre Zeit. Dort bewundern die Menschen ab 1924 die erste Ampel auf dem Potsdamer Platz. Die Signalsteuerung in dem von Siemens gebauten Ampelturm übernahm ein Polizist, der in einer Kabine saß und das Signal per Hand steuerte und so den gesamten Verkehr auf dem seinerzeit verkehrsreichsten Ort Europas regelte. Heute steht ein Nachbau dieser Lichtsignalanlage auf dem Potsdamer Platz.

Nach Angaben von Siemens, einem der größten Ampelbauer weltweit, existieren zwischen Flensburg und Rosenheim um die 1,5 Millionen Ampelanlagen. Sie sind Teil eines inzwischen hochtechnisierten, computergesteuerten Verkehrsleitsystems und verbrauchen dank energieeffizienter LED-Dioden deutlich weniger Strom als früher. Jeder deutsche Autofahrer wartet in seinem Leben rund zwei Wochen vor roten Ampeln.

Die vergangenen 100 Jahre sind auch an der Ampel oder Lichtzeichenanlage, wie Fachleute sie nennen, nicht spurlos vorbeigegangen: Während sie in den Anfangsjahren von Hand und später mittels einfacher Schaltungen den Verkehr regelten, arbeiten moderne Anlagen „mit verschiedenen Sensoren und reagieren damit adaptiv und dynamisch auf die Verkehrsteilnehmer“, sagt Ralf Kutzner vom Institut für Verkehr und Stadtbauwesen. Der Diplom-Ingenieur gehört mit seinen Team zu den Experten für Verkehrsinfrastruktur an der Technischen Universität Braunschweig. Ihre Kompetenzen bringen sie in das Verbundprojekt „UR:BAN“ ein, wo sie sich vor allem mit der Idee der „Smarten Kreuzung“ beschäftigen. „Wir möchten, dass die Ampel und das Auto miteinander sprechen und Informationen austauschen“, betont Kutzner. Dafür soll aus Daten von „intelligenten“ Fahrzeugen ein Abbild des Verkehrsablaufes erzeugt werden, so dass bei der Ampelsteuerung nicht nur die im Straßenraum verbauten Sensoren eine Rolle spielen.

Im Verbundprojekt „Urbaner Raum: Benutzergerechte Assistenzsysteme und Netzmanagement“ arbeiten 31 Partner aus Automobil- und Zulieferindustrie, Elektronik- und Softwarefirmen, Universitäten sowie Forschungsinstitute und Städte zusammen. Ziel ist es, Fahrerassistenz- und Verkehrsmanagementsysteme für die Stadt zu entwickeln und gleichzeitig die Sicherheit im städtischen Verkehr sowie die Senkung des Emissionsausstoßes zu optimieren.

Erwin Halentz.

  • Am Potsdamer Platz in Berlin nahm Siemens 1924 den berühmten fünfeckigen Ampelturm in Betrieb. Die historische Anlage ist eine der ältesten in Deutschland. Foto: Siemens.
  • Die Daimler-Benz AG stiftete den Nachbau auf dem Potsdamer Platz in Berlin!, Foto: Erwin Halentz
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