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VW Passat TDI 2,0 BlueMotion: Jenseits des Debakels

Als VW 1973 den Passat als Ableger des Audi 80 und dem zweiten modernen Modell mit Frontantrieb nach dem Golf vorstellte und für seine „modernen“ Autos endgültig Abschied nahm vom luftgekühlten Boxermotor, ging Aufatmen durch die Autofan-Gemeinde und das Kopfzerbrechen bei den anderen Herstellern wurde hörbar. Bereits damals zeigte Ferdinand Piech seine Weitsicht und setzte noch als Audi-Technikvorstand die Zeichen für die modulare Nutzung von Konzern-Baugruppen. Was zugegebenermaßen beim ersten Passat nicht ganz zutraf, war er doch eine fast-einszueins-Übernahme des Audi 80 mit einer VW-Karosse. Ähnlich wurde übrigens auch dann mit dem Audi 50 und dem Polo verfahren; hier jedoch traten beide Konzernmodelle gleichzeitig auf, wurden uns weiland jedoch nicht auf dem VW-Testgelände in Ehra-Lessien vorgestellt, sondern von Piech persönlich in Ingolstadt. Diese Schwestern glichen sich noch mehr, sahen auch aus wie zweieiige Zwillinge.

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Foto: VW

Und heute, in der achten Passat-Generation, kämpft die Marke mit den Abgasproblemen der vorigen Motorengeneration, veranlaßt offenbar von Kritikern aus den amerikanischen Mitbewerber-Reihen, die fast durchweg alle mit ihren Benzinern mehr Abgase in die Luft blasen als ein Diesel, der immer noch mit geringerem CO2-Ausstoß über die Highways fährt.

Damit soll nicht gesagt werden, dass ein Motorjournalist alle Maßnahmen eines Automobilkonzerns zur Produktvermarktung billigt, die möglicherweise oder real gegen Gesetze verstoßen. Es gilt jedoch irgendwann auch einmal, die Relationen offen zu legen. Die gesetzeswidrigen Abgasemissionen der manipulierten Diesel in USA sind mit einem einzigen Furz zu vergleichen gegenüber den gesetzeskonformen Emissionen der großen Masse der amerikanischen Bigblock-User mit acht und mehr Zylindern und den Riesenhubräumen, die man jenseits des großen Teiches noch braucht, um an die Leistungen der kleinen Drei- und Zweiliter-Motörchen von VW heran zu kommen. Das gilt vor allem für die Riesentrucks der amerikanischen Highways, für die ganz bestimmt viel laschere Emissionswerte gelten. Man merkt das am Gestank, wenn man hinter den Supertrucks herfährt. Deutsche Diesel-Pkw und –Lkw stinken lange nicht so. Wobei dies jedoch noch lange kein Hinweis auf die Stickoxid-Ausstöße ist.

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Foto: VW

Hinweise auf sehr, sehr niedrige Verbräuche geben aber die Tankabstände. Um den Tank des Zweiliter-Variants leer zu  fahren,  vollbringt man bei einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 100 km/h (was viel ist und üblicherweise nicht dem Sparbetrieb eines Kfz entspricht) mehr als ein Tagewerk. Deutlich unter sechs Liter Diesel habe ich verbraucht und die Umwelt so wenig belastet, als sei ich mit einem Hybridauto unterwegs. Schon allein diese Werte, verglichen mit amerikanischen Supertrucks, zeigen die Realitätsferne der amerikanischen Umweltbehörden. Selbst wenn die US-Trucks schärferen Abgasbestimmungen unterlegen sind, stoßen sie mengenmäßig immer mehr CO2 oder NOx aus als drei, vier oder fünf Dreiliter-Diesel aus der VW-Phalanx der dicken Brummer (Touareg, Phaeton, Audi Q7, Porsche Cayenne…)

Und solche Verbrauchswerte machen natürlich dem sparsamen VW-Passat-Privatfahrer viel Spaß, auch wenn er dabei mit dem Gaspedal ein wenig sparsamer umgehen muß als der Dienstwagen-Fahrer, der über 60 Prozent aller Passat Variants fährt.

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Foto: VW

Drum ist es auch so erfreulich, daß man mit so einer Technik endlos lang unterwegs sein kann. Deutschland fast der Länge nach, also von Nord nach Süd oder umgekehrt, ohne zu tanken, da freut sich das Herz des Besitzers und Wolfgang Schäuble kriegt wieder mal hektisch rote Bäckchen, wenn sich sein Staatsäckel nicht mehr so geschwind mit der Mineralölsteuer füllt wie geplant. 1.000 bis 1.111 km Reichweite, da kann man sich bei Überschreiten der Schnapszahl und Beendigung der langen Reise schon mal einen Schnaps für sich selbst gönnen. Aber nicht während der Ruhepausen zwischendurch, die bei diesem Auto selten als Tankpausen bezeichnet werden können. Die Ruhepausen jedoch können sparsam verteilt werden, der Gesamtkomfort im Passat einschließlich des geschmeidig arbeitenden Automatikgetriebes des Typs Doppelkupplungsgetriebe macht die Arbeit des Fahrers am Volant ausgesprochen angenehm.

Hier also wieder mal ein Saubermann zu downsizing-Preisen und nicht mit downsizing-Technik.

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Foto: VW

Natürlich fährt sich der Passat Variant neuestem Modelljahres nicht nur sparsam, sondern auch bequem bis sportlich, je nach gusto. Dass dabei die Rücken- und Popopartien des Fahrers und seiner Mitfahrer entspannt in den Sitzen harren, liegt an deren guter und dennoch nicht auftragender Polsterung mit straffem Seitenhalt, auch für lange Beine ausreichender Oberschenklauflage und verstellbarer Lordose unter der edel anmutenden Leder-/Stoffverkleidung. Wobei über Seitenhalt nicht mehr allzuviel geredet werden muss, das macht der Passat alleine mit seinen zahlreichen elektronischen Unterstützern, die vom EPS bis Notbrems-Assistent reichen, automatisches Fernlicht und andere Bequemlichkeiten eingeschlossen und entsprechend dem Geldbeutel aus der umfangreichen Ausstattungsliste hinzubestellbar. Nun in einem Falle war einer der Assistenten zu übereifrig: Bei der Ausfahrt aus der Tiefgarage erkannte der Assistent die steile Auffahrt als Mauer und leitete eine heftige Notbremsung ein. Die Airbags, gottseidank, sind jedoch nicht aus ihren Halterungen geschossen.

mpp

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Foto: VW

Die wichtigsten Daten des VW Passat 2,0 TDI Bluemotion

  • Länge/Breite/Höhe : 4.887/2.062*/1.516 mm *) mit Spiegeln
  • Radstand 2.786 mm
  • Leergewicht 1.503 - 1.723 kg
  • Zul. Gesamtgewicht     2.060 kg
  • Zuladung 412 - 632 kg
  • Viertaktmotor mit Direkteinspritzung und Turboaufladung
  • mit vier Zylindern in Reihe
  • Hubraum 1.968 ccm
  • Leistung kW/PS 110/ 150 bei 3,500 U/min,
  • maximales Drehmoment 340 Nm bei 1.750 – 3.000 U/min
  • Beschleunigung auf 100 km/h  8,9 Sekunden
  • Vmax 218 km/h
  • EU-Normverbrauch im Mittel 4,2 l , Testverbrauch 5,7 l
  • Tankinhalt 66 l,
  • Abgasnorm Euro 6,
  • CO2 Ausstoß:  110 g/km

Basispreis des Testwagens einschl. Lackierung 37.205 €

Zusatzausstattungen:

  • "Business Premium"-Paket inkl. Navigation   
  • Felgen "Dartford" 8 J x 18, in Grau Metallic (5-Doppelspeichen-Design)   
  • Adaptive Fahrwerksregelung DCC inkl. Fahrprofilauswahl   
  • Ambientebeleuchtung   
  • App-Connect   
  • Außenspiegel elektrisch einstell-, anklapp- und beheizbar,
  • auf Fahrerseite abblendend, mit Umfeldbeleuchtung   
  • Automatische Distanzregelung ACC bis 210 km/h und
  • Umfeldbeobachtungssystem "Front Assist" mit City-Notbremsfunktion   
  • Dachreling silber eloxiert   
  • Dekoreinlagen in Edelholz "Brillant Pine" sowie in "Piano Black"   
  • Diebstahlwarnanlage   
  • Digitaler Radioempfang DAB+   
  • Fahrerassistenz-Paket "Plus"   
  • Frontscheibe drahtlos beheizbar und infrarot-reflektierend   
  • Knieairbag auf Fahrerseite, Seitenairbags und Gurtstraffer hinten   
  • Multifunktions-Lederlenkrad (3 Speichen), beheizbar, für DSG   
  • Multifunktionsanzeige "Premium" mit mehrfarbigem Display   
  • Parklenkassistent "Park Assist" inkl. ParkPilot   
  • Proaktives Insassenschutzsystem in Verbindung mit "Front Assist"   
  • R-Line Sportpaket für Adaptive Fahrwerksregelung DCC   
  • Schlüsselloses Schließ- und Startsystem "Keyless Access" mit
  • Safe-Sicherung   
  • Sprachbedienung   
  • Umgebungsansicht "Area View" inkl. Rückfahrkamera "Rear View"   
  • Winterpaket, zusätzlich mit beheizbaren äußeren Rücksitzen   

Gesamtpreis einschl. Zusatz-Ausstattung 51.125,00 EUR

Stand 06/2016

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