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Turin oder Freemont?

Besser Freemont. Der durchaus typische große Italiener aus nordamerikanischer Quelle

Wenn man Freemont mit nur einem „e“ schreibt, dann liegt das in der  San Francisco Bay in Kalifornien gegenüber Palo Alto und gleich neben Mountain View. Dort ist’s fast idyllisch, vor allem weit, mit viel Platz und breiten Straßen. Passt also gut zum Freemont mit zwei „e“, der mit seinen  amerikanischen Maßen und Innenraum-Volumina dort durchaus seinen Zweck erfüllt, in den engen Gassen von Portofino aber eher  etwas deplaciert wirkt. Ich war dort mal mit meinem alten Caprice Station und mußte bis ans Ende der Staatsstraße durch Portofino fahren, um endlich wenden zu können. Einen freien und ausreichend großen Parkplatz zu finden, war ganz aus dieser malerischen italienischen Welt.

Ähnlich geht es Dir mit dem Freemont, der in seiner stattlichen Größe knapp einen Meter kürzer ist als der alte Caprice. Immerhin ist der Freemont aber so jung und neu konzipiert, dass in seinem Bauch ganz unkompliziert sieben Leute reinpassen, wovon die letzten beiden für die dritte Sitzreihe nicht mal von italienischer Dummy-Statur sein müssen. Besser wär‘s allerding schon. Und wer nicht gerade durch die engen Gässchen von San Gimignano oder ähnlichen italienischen Bergdörfern fahren muss, kommt auch dort durch. Selbst die Römer erfreut der Freemont mehr und mehr, kann das Familienoberhaupt so wenigstens mindestens die halbe Großfamilie transportieren.

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Foto: Fiat

Der Freemont muss logischerweise mit seinem Bruder verglichen werden, dem Dodge Journey, der in wenigen Exemplaren noch aus alten DaimlerChrysler-Zeiten auch auf Europas Straßen zu finden ist. Allerdings hat er sich hier weniger durchgesetzt als der Freemont, was sicher an der löchrigen Beschaffenheit des Chrysler/Dodge Servicenetzes lag. Heute wird der Freemont und der Dodge Journey mit einem Zweiliter-Dieselmotor in zwei Leistungsstufen angeboten und mit einem 3,6-Liter V6-Benziner von Chrysler, der allerdings dank seiner -- zwar inzwischen gebremsten – Schluckfreue immer noch kaum Anklang im dieseldurchdrungenen Deutschland findet. Kann man doch mit den Dieseln im täglichen Gebrauch richtig Geld – sprich Mineralölsteuern – sparen. Wohl darum gibt’s diesen Freemont V6 Benziner in Deutschland und ganz Europa erst gar nicht.

Immerhin ist der Freemont eine gute Alternative zum Kombi des Chrysler 300, den Sergio Marcchione bedauerlicherweise überhaupt nicht mehr bauen lässt, nachdem er dieses Modell für Europa als Limousine in den neuen Lancia Thema verwandelt hat.

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Foto: Fiat

Im Finish der Karosserie gibt’s nach dem moderaten Facelift unter Fiat-Regie genau wie bei der Wandlung des 300 C zum Lancia viel weniger zu beanstanden als zu beglückwünschen. Das Auto fällt dabei nur sympathisch auf. Besonders das Fahrwerk ist nach wie vor von amerikanischer Gutmütigkeit und einer bewundernswerten Schlagloch-Schluckfreudigkeit, die man heutzutage auch in Deutschland mehr und mehr zu schätzen weiß. Verkommen doch die Straßen mehr und mehr zu Extrempisten für Stoßdämpfertests, nachdem Staat und Kommunen den Autofahrer nur noch für andere Zwecke mit den Kfz-Steuern schröpfen als für den Erhalt der Straßenverkehrs-Infrastruktur. Genauso komfortabel wie das Fahrgefühl ist auch das Raumgefühl im Freemont.  Platz ohne Ende, wenn erforderlich auf drei Passagier-Reihen, geschmackvoll und wohlfühlig ausgestattet; genau wie im Thema mit einem riesigen Monitor in der Mitte der Frontmöblierung ausgestattet. Aber eben genau wie beim Thema mit dessen kleinen Macken, was die Bedienung mancher Fahrzeugfunktionen betrifft, die man sich lieber am Lenkrad oder über Schalter in den Armaturen gewünscht hätte. Sind doch manche europäische Zeitgenossen noch nicht so smartphone- bzw. touchscreen-gierig wie wahrscheinlich die meisten Amerikaner.

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Foto: Fiat

Das Fahrgefühl im Freemont ist nicht nur kommod wie bereits beschrieben, sondern vermittelt auch in schnell gefahrenen Autobahnkurven keine Angstgefühle an die Beifahrer. Und wie bei allen modernen Dieseln und insbesondere bei den Fiat-Multijets ist der Blick auf die PS-Stärke eher irreführend. Mit den 125 Diesel-PS und dem reichlich zur Verfügung stehenden Drehmoment lässt sich der Turbodiesel genauso agil bewegen wie ein mit einem leistungsstärkeren Benziner ausgestattes Fahrzeug.

Der Freemont ist – auch wenn als SUV konzipiert -- für mich eine echte Alternative zu europäischen Fahrzeugen der gehobenen Mittelklasse,  in denen richtige Kombis kaum mehr vorkommen.

mpp

Die wichtigsten Daten des Fiat Freemont 2,0 D Allrad/Automatik Lounge

  • Länge/Breite/Höhe 4888 / 1878 / 1745 mm
  • Radstand 2890 mm
  • Leergewicht 1949 kg mit dritter Sitzreihe
  • Zuladung 531 kg
  • Kofferraum 758 l bei eingeklappter dritter Sitzreihe
  • Vierzylinder-Diesel mit CommonRail-Direkteinspritzung
  • Hubraum 1.956 ccm
  • Leistung kW/PS 125/170 bei 4.000 U/min,
  • maximales Drehmoment 350 Nm bei 1.750 – 2.500 U/min
  • Beschleunigung auf 100 km/h  11,0 Sekunden
  • Vmax 194 km/h
  • EU-Normverbrauch im Mittel 6,4 l , Testverbrauch 7,8 l
  • Tankinhalt 78 l,
  • Abgasnorm Euro 5,
  • CO2 Ausstoß:  169 g/km

Preis des komplett ausgestatteten Testwagens (Basisausführung, die fast keine Extras benötigt, aber incl. Navi, Telefonvorbereitung und vielen sonst nur als Sonderausstattung erhältlichem sinnvollen Zubehör):  34.790 Euro
Als Zusatzausstattung gibt es nur den Aschenbecher nebst Zigarettenanzünder für 80 Euro sowie die DVD/Bildschirmausstattung an den Kopfstützen der Frontsitze nebst Kopfhörern für die zweite Sitzreihe für 890 Euro.

Stand 8/2013

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