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Open H-Air: Mercedes-Benz E 250 CDI Cabrio

Im Sommer bei Sonne ist offen fahren nun mal am schönsten. Allerdings sollte die Sonne nicht allzu sehr brennen wie im diesjährigen Sommer Ende Mai, sonst verbrennt man sich doch sehr schnell trotz ausgiebig Sonnencreme und Sonnenhut die Haut. Aber dann kann man ja das Cabriodach blitzschnell und bis 40 km/h schließen und die Klimaanlage einstellen. Tatsächlich ist das Cabriodach bei den meisten Cabrios der Knackpunkt und funktioniert im E-Klasse Cabrio eben mercedeslike perfekt.

Das E-Klasse Cabrio mutet ein wenig kleiner an als die sonstige E-Klasse, die doch insbesondere beim T-Modell recht wuchtig daher kommt (dafür kann das T-Modell aber auch jede Menge mit Leistung, Ladevolumen und Zugänglichkeit bieten). Es sieht mit dem Stoffdach auch schicker und mehr nach Cabrio aus als manche Klappdachvarianten aus Blech. Und unterscheidet sich eben mit dem Stoffdach vom E-Coupé optisch vorteilhaft. Schon der Anblick eines Cabrios weckt die Lust aufs Freiluftfahren, die im Zeitalter der Aerodynamik und des Eco- und Ökodenkens eine Renaissance erlebt. Was sieht man nicht alles an Cabrios. Angefangen vom Klassiker MX 5, der in den USA immer noch Mazda Miata heißt, bis hin zum eben wieder aufgelegten Porsche Targa wimmelt es bei allen Marken und vielen Modellen vor Frischluftvarianten vom echten Stoffdach-Cabrio übers Falt- bis zum Klappdach, das manchmal auch als Klapperdach auftritt.

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Foto: Mercedes

Das Äußere des Cabrios ist angepasst an die neue Linie der E-Klasse, die eben Schluss gemacht hat mit dem Vieräugli-Gesicht (was ihr eigentlich doch schon ein markantes Aussehen gegeben hat). Aber auch die Doppellinsen und vor allem die ein- und zweistreifigen LED-Bänder prägen die Mercedese in der neuen Designphilosophie. Da sehen die LED-Streifen nicht mehr aus wie hochgezogene Augenbrauen. 

Die Karosserie hat den inzwischen bei Daimler geübten Hüftknick, die Schnauze hat die Zetsche-Nase, kurz, es ist ein richtiger, moderner Daimler, wie die Schwaben sagen. Wobei die Mannemer ja den „Benz“ bevorzugen. Kein Wunder, kam der Gottlieb doch aus Schorndorf und der Carl aus Mannheim. (Wobei man beim jüngsten Sproß der neuen A-Klasse, dem GLA, ja schon vermuten könnte, dass das der A vom GottLieb wäre.) Und in der neuen Silhouette sieht auch das E Cabrio aus wie auf dem Sprung. Z. B. in eine neue Verbrauchs-Ära. Haben schon die zuvor vorgestellten Modelle wie z.B. die A- und die B-Klasse verblüffend wenig Verbrauch zu vermelden, ist das bei der E-Klasse, zumindest beim Cabrio – trotz Stoffdach – ebenfalls ein großes Plus der Weiterentwicklung. Ich bin mit dem Cabrio knapp zweitausend Kilometer gefahren – bis Wolfgang Schäuble im Rollstuhl  in Berlin weinend am Tor des Finanzministeriums stand und Matthias Wissmann anflehte, dass die Autoindustrie doch wieder mal was für die schwächelnden Kassen der Mineralöl-Steuereintreiber tun möge. In der Tat, trotz flotter Fahrweise blieb der Dieselverbrauch bei knapp über 6 Litern stehen, für ein recht schweres Modell gegenüber dem Coupéle der A-Klasse mit nahezu baugleichem Motor ein starker Wert. Und dabei geht auch das E-Cabrio ab wie’s Kätzle, tritt man ihm aufs Gaspedal. Da kommt Vortrieb en masse, ganz im Gegenteil zu Sebastians Vettel diesjährigem Renault. Aber das ist eigentlich klar, hat der Daimler-Diesel doch ein Motordrehmoment, von dem mancher Sechszylinder-Benziner nur träumt. Vielleicht sollte die Formel 1 auch besser auf Diesel mit Turboladern umschwenken….

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Foto: Mercedes

Innen sieht‘s nicht weniger chic aus; Leder, edle Metalle und edle Hölzer wechseln sich ab. Steigt man ein und dreht den Zündschlüssel um, wird einem der Gurt gebracht, eine wahrlich bequeme und unaufdringliche Mahnung, stets seinen Gurt anzulegen. Die Sitze bieten hervorragenden Halt und können in der Rückenhärte und der Sitzbreite sogar individuell angepasst werden; genau wie die Sitzeinstellung auch elektrisch. Gaaanz praktisch ist die elektrische Lenkradverstellung in Kombination mit den Memorytasten für die Sitzeinstellung. Da kann man die beste individuelle Sitzeinstellung für bis zu drei Personen speichern. Das hat dann schon was, wenn man die Zündung einstellt und der Sitz fängt an, sich zu bewegen wie ein Zahnarztstuhl. Und fürs Cabriofahren unabdinglich, besonders für zugluftanfällige Zeitgenossen sind der Airscarf, eine Art Warmluftschal, integriert in die Kopfstütze, und das Aircap, ein Windschott, mit dem die Haare nicht mehr im Open H-Air-Style nach vorne fliegen.

Form und Funktion passen also perfekt in diese Welt, ebenso der niedrige Verbrauch und der Komfort, den Mercedes ja zum Standard gemacht hat. Im Cockpithelfen viele kleine elektronische Heinzelmännchen, die Spur nicht zu verlassen, rechtzeitig zu bremsen oder selbsttätig zu bremsen, wenn der Chauffeur was übersieht oder verschläft. Vorn in der Mitte des Armaturenbretts, was schon längst kein solches mehr ist, sondern ein gepflegt mit Leder verkleidetes Frontboard (wenn die Adaption des im Wohnzimmer wieder en vogue kommenden Sideboards gestattet ist…), in dessen Mitte ein außergewöhnlich großer Bildschirm prangt mit der Möglichkeit, vielerlei der Helfer hier zu steuern, einzustellen oder zu überwachen.

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Foto: Mercedes

Benutzt man den Klappgriff an den Vordersitzen, klappen die nicht nur mit Heinzelmannkraft um, sondern schieben sich so weit nach vorn, dass der Einstieg auf die immer noch gut bemessenen Fondsitze auch für die Generationen jenseits der 50 bequem ist, die sich ein solches Gefährt als Zweitwagen leisten können. Auf den Fondsitzen ist erstaunlich viel Platz und wer gedacht hat, im Cabrio muss man hinten den Kopf einziehen, hat sich getäuscht. Nicht einmal beim Öffnen oder Schließen des Daches wird die Hochfrisur zerstört. Einzig der Kofferraum muss sein Tribut an das Cabriodach zollen. Dort geht’s recht eng zu; mehr Gepäckabteil hätte das Cabrio jedoch eher zu einem Langheck gemacht. Und das gab’s früher nur in der Porsche-Rennsportabteilung.

mpp

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Foto: Mercedes

Die wichtigsten Daten des Mercedes-Benz E 250 CDI Cabrio

     

    • Länge/Breite/Höhe: 4.703/1.786 – 2.016*/1.398 mm  *) ohne – mit Spiegel
    • Radstand: 2.760 mm
    • Leergewicht: 1.845 kg
    • Zuladung: 470 kg
    • Kofferraum:  300 - 390 l
    • Viertakt-4-Zyl-Dieselmotor mit Commonrail-Direkteinspritzung
    • Hubraum:  2.143 ccm
    • Leistung: 150 kW bei 3.800 U/min,
    • maximales Drehmoment: 500 Nm bei  1.600-1.800 U/min
    • Beschleunigung auf 100 km/h: 7,7 Sekunden
    • Vmax: 245 km/h
    • EU-Normverbrauch im Mittel: 5,2 l , Testverbrauch 6,1 l
    • Tankinhalt: 68 l,
    • Abgasnorm: Euro 5,
    • CO2 Ausstoß: 134 g/km

    Preis der Basis-Ausführung:  51.705,50 Euro, des Testwagens: ca. 71.500 Euro

    Stand 6/2014

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