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Lancia Grand Voyager

Omnisine oder Limoubus?

Ist der neue Lancia Grand Voyager nun eine Omnisine oder ein Limoubus? Egal, was in ihn reinpasst, ging früher nicht mal in einen VW Bulli. Der hatte auch nur! vier Türen, nicht mal eine Schiebetür. Davon hat der Grand Voyager zwei, sogar automatische, die auf Knopfdruck öffnen oder schließen, genauso wie die Heckklappe. Die Knöpfe für die Türautomatik finden sich überall, am Zündschlüssel, der keiner mehr ist, sondern eher ein Minicomputer, an den Türrahmen, im Dachhimmel, kurz, überall, wo Du hin greifst, kannst Du eine von den Schiebetüren oder die Heck-klappe öffnen oder schließen.

Das geht mit etwas Geschick sogar, wenn Du beide Hände vollbeladen hast. Du musst nur ein wenig logistisch denken und den Türöffnerknopf so in die Hand legen, dass das Gepäck nachher beim Öffnen der Tür nicht stört. Ich habe das mit mehreren Ein-kaufstüten in der Hand praktiziert und war froh, dass ich bei meinem nächsten Autokauf so was praktisches bestellen kann, was ungefähr gleichwertig ist wie die per Fußtritt unters Auto zu öffnenden Heckklappen verschiedener Vertreter- oder Designerkombis.

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A propos mehrere Einkaufstüten. Der Lancia Grand Voyager schluckt nicht nur Großfamilien für Langtransporte, sondern gleich noch deren Reisegepäck für mindestens zwei Wochen dazu. Und reicht das nicht aus, ist die Dachreling eins, zwei, drei aufgerüstet, dass sie entweder einen Dachkoffer aufnehmen kann oder Fahrräder oder Skihalter oder ggf. mindestens zwei der drei genannten Transporthalterungen gleichzeitig. Muss man halt mit der Zuladung ein wenig aufpassen, obgleich der sehr noch ordentlich bestückte 2,8Liter-Diesel mit der Last keine Last hat. Auch wenn der Motor schon ein wenig in die Jahre gekommen ist. Aber Fiat setzt diesen Diesel ja auch als eines der Hauptaggregate für Wohnmobile ein, die ja bekanntlich noch ein wenig mehr Gewicht auf die Waage bringen.

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Und was die Raummaße anbetrifft, kann der Voyager jederzeit und überall mithalten; auch das Maß aller Dinge der Jungfamilie kann transportiert werden: das 2,40 m lange Seitenteil des Billy-Regals von Ikea. Das geht ganz einfach, weil man beide Reihen der Rücksit-ze wegklappen kann. Und zwar so: Zuerst werden die riesigen Ladeluken unter den Fußräumen der Rücksitze geöffnet und freigemacht, dann die Sitze hineinge-klappt, schon hat man einen ebenen Ladeboden. Für die dritte Reihe geht das sogar elektrisch, sagt der Prospekt. Das sollte man aber wahrscheinlich eher las-sen, weil sonst ja vielleicht der Karton mit den zehn frischen Eiern zermatscht wird, den man gestern versehentlich in der Ladeluke ganz hinten vergessen hat. Die sind nämlich so praktisch, dass entweder komplette Getränkekisten reinpassen und nicht umkippen können oder auch lose Teile, die wegen des niedrigen Schwerpunktes auch in Kurven dort bleiben, wo sie abgestellt wurden. Und wenn man dann auf Urlaubsreisen die Sitze hoch und die Ladeluken zugeklappt hat, merkt kein Zoll an den EU-Aussengrenzen, dass die Kinder mit den Füssen auf fünf Litern Wodka oder Sliboviz oder so stehen. Oder auf drei Stangen Zigaretten. Das gönne ich dem Finanzminister.

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Ideal für Urlaubsreisen mit der Familie ist auch die eingebaute Unterhaltungselektronik, die sich nicht auf Radio und iphone-Anschluß beschränkt, sondern mit zwei herunterklappbaren Bildschirmen für die zweite und dritte Sitzreihe aufwartet. Natürlich sind auch die erforderlichen Kopfhörer im Dach verstaut, sodass Papa nicht gestört wird, wenn die Kinder hinten Filme ansehen oder sich mit DVD-Spielen beschäftigen.

Muss man eigentlich gar nichts mehr über das Auto, die sparsame Motorisierung, den american-cruising-Fahrkomfort oder die üppige Serienausstattung sagen. Dass das alles up-to-date ist, versteht sich von selbst, nachdem Sergio Marcchione sich den siechenden Chryslers angenommen, sie aufgepäppelt und für den europäischen Markt gleich noch umgetauft hat.

mpp

Die wichtigsten Daten des Lancia Grand Voyager 2,8l-Diesel Gold:

  • Länge/Breite/Höhe 5218 / 1998 / 1750 mm
  • Radstand 3078 mm
  • Leergewicht 2.199 kg
  • Zuladung 576 kg
  • Kofferraum 934 - 3912 l
  • Vierzylinder-Diesel mit CommonRail-Direkteinspritzung
  • Hubraum 2.768 ccm
  • Leistung kW/PS 120/163 bei 3.800 U/min,
  • maximales Drehmoment 360 Nm bei 1.800 – 2.800 U/min
  • Beschleunigung auf 100 km/h  11,9 Sekunden
  • Vmax 193 km/h
  • EU-Normverbrauch im Mittel 7,9 l , Testverbrauch 9,1 l
  • Tankinhalt 76 l,
  • Abgasnorm Euro 5,
  • CO2 Ausstoß:  207 g/km

 Preis der Basis-Ausführung des Testwagens:  40.990 EuroPreis der sonderausgestatteten TW-Ausführung: ca. 46.200 Euro

Stand: 10/2012

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