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Kia cee’d: Großfamilie aufgefrischt

Es ist schwierig, Aussagen zum Kia cee’d zu treffen, nachdem es denselben eben nicht nur einmal gibt, sondern mindestens gefühlte zwanzig Mal. Offenbar war die Aussaat 2006 so ergiebig, daß es nun für das zehnte Lebensjahr dieser Modellfamilie aus der Kategorie der unteren Mittelklasse nochmals Neuigkeiten und Neuheiten gibt, um den Erfolg auch weiterhin zu sichern. Tatsächlich besteht die Modellfamilie aus den fünf Baureihen cee’d, pro cee’d, cee’d Sportswagon, cee’d GT und cee’d GT-Line, die sich wiederum multipliziert in die Baureihen cee’d, pro cee’d und cee’d Sportswagon. Wenn ich jetzt noch die verschiedenen Motoren- und Getriebeausstattungen dazu nehme, angefangen beim neuen Dreizylinder und geendet beim neuen Doppelkupplungsgetriebe aus eigenem Hause, dann potenziert sich die Zahl der Modellvarianten eher noch als dass sie sich multipliziert. Für jeden also etwas, für jedes Wettbewerbsmodell dieser Fahrzeugklasse also ein Gegenstück. Asiatischer geht’s nicht mehr…

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Kia cee'd GT 1,6 CVVT, Foto: mpp


Fangen wir beim neuesten an, beim Kleinsten: dem cee’d mit dem Dreizylindermotorchen, der eine wahre Überraschung ist. Erwartet man bei solcherart Downsizing eher ein einfach um einen Zylinder gekappten Vierzylinder mit all den Schwächen, die ein solcher haircut mit sich brächte (rumpelnde Kurbelwelle, zahnloses Drehmoment, ruckelnde Beschleunigung sowie andere Kleinkinderkrankheiten), strotzt der Einliter-Dreizylinder im cee‘d mit Drehfreudigkeit, ganz spontanem Ansprechen des Turboladers und ent-sprechend schneller Leistungsentfaltung. Ganz allein dem Turbo allerdings ist dieser Biß nicht gezollt, der Motor verdichtet mit 10:1, einem Verhältnis, das in den frühen Jahren des Turbos oder gar der Saugmotoren so manchem Konstrukteur das Blut in den Adern hätte erstarren lassen beim Gedanken an die extremen thermischen Belastungen, die das Aggregat hätte aushalten müssen. Nicht so im cee’d 1,0 T-GDI, der locker 120 PS bei 6.000 U/min bringt und bei dem 171 Nm Drehmoment auf eine Bandbreite von 1.500 bis 4.000 U/min anliegen. Damit läßt sich’s leben und fahren, auch wenn es den cee’d 1,0 vorläufig erst mal nur in der als Sportausführung in der GT-Line gibt.

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Kia cee'd GT 240 PS, Foto: mpp

Beeindruckend dabei ist, dass der kleine Motor ganz allein von Kia entwickelt wurde und erstmals weltweit im Kia cee’d eingesetzt wird. Über weitere Einsätze in anderen Modellen schweigt Kia derzeit noch, genauso wie über eine mögliche Teilhabe der großen Schwester an diesem Motor. Aber vorläufig wird wohl Kia die Produktionskapazitäten mit dem Eigenbedarf auslasten, macht der cee‘d in all sei-nen Varianten doch immerhin rund 36 Prozent der europäischen Produktion im slowakischen Zilina aus.

Bei ersten Testfahrten mit dem cee’d und dessen kleinem Motor rund um Zilina, das noch nicht ganz in der Tatra liegt, aber dennoch schon von ordentlich hohen Bergrücken umgeben, macht vor allem Spaß, wie wendig und spritzig das Auto mit dem kleinen Motörchen agiert. – Wobei schon einmal gesagt werden muß, daß 120 PS aus einem Liter Hubraum zu den Anfangszeiten des Turboladers eine Traumzahl für Michel May gewesen wären, der den Turbo in Deutschland parkettreif gemacht hat. Damals war die Leistungsziellinie für Rennmotoren bei eben mal 100 PS/Liter Hubraum. Heute also ist das Stand der Technik und niemand wundert sich mehr darüber. Schon gar nicht Kia, die auch auf das Auto mit dem kleinen Motor sieben Jahre Garantie geben. Ganz im Vertrauen auf die Technik, die auch bei hoher km-Leistung (bis max. 150.000 km) immer noch gilt. Alle Achtung; daran können sich alle deutschen Hersteller eine Scheibe abschneiden.

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Kia cee'd GT-line 1,6 CVVT, Foto: mpp

Und wie der cee’d durch die Berge fetzt, so ruhig fährt er sich auf den slowakischen Fernstraßen und Autobahnen durch das Tal der Vàh (von unseren Großvätern Waag ge-nannt). Das macht er drehfreudig am Gaspedal, leicht zu schalten mit dem 6-Gang-Getriebe und ebenso leicht durch den Verkehr zu bewegen mit vielen elektronischen Helferlein: Bremsassistent, Berganfahrhilfe, ESC und TSC (Trakti-onskontrolle) genau wie VSM (Gegenlenkunterstützung), natürlich ABS und – lebenswert dazu – das aktive Bremslicht, das starkes Abbremsen signalisiert. Alles Serie. Und dazu gibt’s in Sonderausstattungspaketen einen Spurhalteassistenten und eine Verkehrszeichenerkennung sowie ein  Navi mit Sieben-Zoll-Display und allerlei komfortable Zusatzausstattungen (teilweise serienmäßig). Der cee’d 1,0 T-GDI kosten dann in der einzig erhältlichen GT-Line-Ausführung 22.390 € in der Basis-Aufsührung, Pilot-Paket, Performance-Paket und Technologie-Paket schlagen mit 1.400, 990 und 1.290 € zu Buche.

Nicht weniger attraktiv sind die weiteren Neuerungen in der breiten cee’d-Palette vom „einfachen“ cee’d über den pro_ceed und den Sportswagon sowie die GT-Line-Ausstattung und den cee’d GT selbst. Und genauso attraktiv wie die Fahrzeuge selbst sind auch die Preise. Damit ist der cee’d noch einmal mehr ein attraktiver Europäer mit asiatischen Wurzeln und immer noch asiatisch attraktiven Preise.

mpp

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Kia cee'd sportwagon, Foto: mpp

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