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Fiat Cinquecento Abarth Competizione

Hier nun der Bericht über den Abarth Competizione, der sich leistungsmäßig zwischen den Abarth Normalo und den Abart Tributo (Ferrari) einreiht. Rote Ohren gaben dem Fiat Cinquecento Abarth einen besonders heißen Anstrich. Sie sind als Option geblieben beim Fiat 595 Competizione, der Basisversion für den Rennsport. Zumindest beim früheren 595 auf der Basis des Cinquecento nuova, den man sich über die Abarth-Dependance in Konstanz (oder war‘s Kreuzlingen?) bestellen und machen konnte. Dort gab’s ja auch Abart-Lenkräder, Abarth-Auspuffs, -Rennsitze samt Hosenträgergurten und allerlei mehr, was man zum Antreten an der Startlinie von Bergrennen oder Rundstreckenrennen brauchte. Von 160 PS sprach damals noch niemand, hatte doch die Basis-Version des Abarth, der Fiat Steyr-Puch, eben mal so um die dreißig PS rum. Erkennen konnte man die Abarths damals am Auspuff und an der augestellten Heckklappe, die dem kleinen Motor mit Querstrom-Zylinderkopf mehr Luft zur Kühlung zuführte. Immerhin waren die kleinen Rennkugeln so vielzählig, dass an manchen Rennen die Klasse bis 600 ccm aufgeteilt werden musste in einen Abarth-Start und einen für die anderen. Heckspoiler, breite Felgen und reifen und tiefere Straßenlage waren jedoch schon in den70ern des vergangenen Jahrhunderts üblich.

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Foto: Abarth

Heute signalisieren die roten Ohren jedem behosenträgerten Pseudosportwagen-Fahrer, das er zur Seite fahren muss oder sich nicht wundern, wenn ihn plötzlich ein unscheinbarer Cinquecento überholt, wo er doch schon mit dem Gaspedal das Bodenblech ausgebeult hat.

Viel mehr Spaß macht der 500 comp allerdings in jenem dezent auffälligen Rot, in dem ich ihn fuhr -- ohne roten Ohren, die waren verchromt. Dann nämlich sieht er wirklich aus wie ein 500 normalo, der hauptsächlich wegen seines bereits erreichten Kultstatus beachtet wird. Gibt man in diesem Underdog Gas, schluckt so mancher GT und SL und TI-Fahrer mehrfach trocken und kommt dennoch nicht ran. Bezahlen muss man diesen Spaß jedoch mit harten Stößen auf die Wirbelsäule, die meine aus früherer Testjournalismuszeit ohnehin schon geschädigten Bandscheiben nur langsam verziehen. Die hervorragenden Ledersitze schützen wenigstens  und dämpfen die härtesten Stöße. Trotzdem fühlt man sich in festem Halt wie in einem ungepolsterten Schalensitz der siebziger Jahre.  Vielleicht gibt’s ja für die aufgemotzten Cinquecentos inzwischen im Zubehör luftgefederte Sitze.

Was den Platz im 500 anbetrifft, war das in den 1970ern nie ein Problem, da wusste man, dass hinten nur ein paar Einkaufstüten reinpassten. Oder – wenn wir den Vordersitz ausgebaut haben – sogar einer unserer Irish Wolfhounds. Dafür geht’s vorne platzmäßig doch deutlich geräumiger zu, auch wenn ich immer noch davon ausgehen muss, dass der italienische Fahrzeug-Dummy eher der Reiter der Abruzzen-Ponys ist als der der Lipizzaner aus der Spanischen Hofreitschule in Wien. Dafür sind die Competioziones ähnlich nervös wie die Lipizzaner und auch ähnlich anspruchsvoll, was die Verpflegung angeht. Super muss es sein, möglichst das Schumacher Supersuper, mit dem Shell während dessen Ferrari-F1-Zeiten so gern geworben hat, und möglichst nicht in homöopathischen Dosen.

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Foto: Abarth

Ich habe schon über den einfachen Cinquecento Abarth gesagt: Er erscheint richtig erwachsen geworden, hat jede Menge Power und jede Menge Spaßfaktor. Gewiß kann man mit den neuen Kleinen auch gemäßigt fahren, dann schafft das Kerlchen eine Reichweite pro Tankfüllung von um die 600 km. Aber Spaß machen vor allem die 300 km, die man bei fetziger Fahrt mit dem Gerät noch erreicht. Wenn ich jedoch daran denke, das mein Ur-Fiat-500 F eben mal 18 PS hatte und für zehn Mark damals bereits vollgetankt war, machen sich richtige Galaxien dazwischen auf. Auffallend ist dabei, dass fast zehnmal mehr Leistung nicht gleich zehnmal mehr Verbrauch sind, aber bereits wieder zehnmal mehr Verbrauchskosten.

Was soll man mehr sagen über diesen Rennwagen, der, wenn es sie gäbe, in der altvorderst angebotenen Farbe positanogelb mehr wie ein wild gewordener Post-Briefkasten aussähe?. Die Instrumente: Hervorragend gegenüber dem Spartakus des Ur-Abarth. Riesig der Drehzahlmesser, daneben unauffällig der Tacho, dem der Drehzahlmesser immer davon rennt. Dass der Kleine dann so richtig um die Ecken fegt, muß den Gegenverkehr nicht unbedingt stören, die Straßenlage ist nämlich phänomenal – verglichen mit dem heckgetriebenen 500 der ersten oder zweiten Generation. Damals kam abarth-angetrieben 500er in heißen Kurven schon ganz gerne mal das Heck zum Überholen vorbei.

Schön, dass es wieder immer mehr solcher kleiner Giftbolzen gibt, vom Abarth sind’sinzwischen ja schon mindestens drei. Und zählt man das Cinquecento Abarth Cabrio extra, macht das schon ein Quartett.
mpp

Die wichtigsten Daten des Fiat Cinquecento Abarth Competizione

  • Länge/Breite/Höhe 3.657/1.627/1.488 mm
  • Radstand 2.300 mm
  • Leergewicht 1.110 kg
  • Zuladung 315 kg
  • Kofferraum 185 - 610 l
  • Viertakt-Vierzylinder DOHC  in Reihe mit Turbolader
  • Hubraum 1.368 ccm
  • Leistung kW/PS 118/ 160 PS bei 5.500 U/min,
  • maximales Drehmoment 230 Nm bei 3.000 U/min
  • Beschleunigung auf 100 km/h  7,4 Sekunden
  • Vmax 211 km/h
  • EU-Normverbrauch im Mittel 6,5 l , Testverbrauch 8,8 l
  • Tankinhalt 35 l,
  • Abgasnorm Euro 5
  • CO2 Ausstoß: 155 g/km

 
Preis der Basis-Ausführung des Testwagens:  23.600 Euro

Stand 11/2013

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