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Wie auf Schienen: VW Passat Variant 4Motion

Etwas gewöhnungsbedürftig ist das schon, wenn plötzlich wie von Geisterhand, jemand ins Lenkrad zu greifen scheint und den Passat von sanfter Hand wieder in die Spur zurück bringt. Das Spurhaltesystem Lane Assist greift ein, wenn das Fahrzeug scheinbar ungeplant die Fahrbahnbegrenzung oder den Mittelstreifen überquert, also die Spur verlässt. Damit erzieht das System ganz nebenbei auch den Blinkmuffel dazu, beim Fahrstreifenwechsel ordentlich zu blinken. Denn sobald der Blinker gesetzt wird, ist der Lane Asssit ausgeschaltet für den angekündigten Spurwechsel. Und natürlich kann der Fahrer auch dagegenhalten, und den Druck des Spurhaltesystems ignorieren.

Hat man sich aber an den Lane Assist und seine sanfte Hilfe erst einmal gewöhnt, ist er genial. Vor allem in engen Autobahnbaustellen ist er hilfreich – selbstverständlich nur auf der rechten Spur. Denn die linke ist für den aktuellen Passat Variant tabu, wie für viele andere moderne Pkw heute auch. Zwar nennt der Fahrzeugschein eine Fahrzeugbreite von 1.820 Millimeter, mit den ausladenden Spiegel sind es jedoch 2.062 Millimeter und damit eben etwas zu viel für die bis zwei Meter Breite zugelassenen linken Baustellenspuren.

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Foto: VW

Der beliebte Mittelklasse-VW verlässt inzwischen in der siebten Generation die Montagebänder. Dabei war immer schon der Variant genannte Kombi der Topseller. Das ist in der aktuellen Version nicht anders, wenngleich sich auch das Design der Limousine hinter der Konkurrenz nicht verstecken muss. Die VW-Designer haben Limousine und Variant für die siebte Generation komplett überarbeitet und sich dabei ein wenig auch an den Phaeton angelehnt. Herausgekommen ist ein schicker Reisewagen und ein flottes Familienauto, das mit seinem großen Kofferraum auch locker das Gepäck für den großen Urlaub wegsteckt.

Zudem macht der Passat seinem Ruf als Technologieträger im Konzern wieder alle Ehre. Alles was es an modernen Assistenzsystemen gibt, ist im Passat serienmäßig vorhanden oder zumindest gegen Aufpreis lieferbar. So kann man in der abgelegenen US-Kneipe aus dem Mercedes-Werbespot nun auch den Passat-Fahrer treffen. Denn die Müdigkeitserkennung, die den Fahrer mit blinkender Kaffeetasse zur Pause auffordert, gibt es auch bei VW. Ganz unmittelbar Unfälle, Auffahrunfälle in der Stadt hilft die City-Notbremsfunktion zu vermeiden. Unterhalb von 30 km/h bremst das System aktiv ab und reagiert etwa auch auf stehende Fahrzeuge. Besonders bequem ist das System aber vor allem in Verbindung mit der Geschwindigkeitsregelanlage. Automatische Distanzregelung ACC plus Front Assist heißt das ganze bei VW. Also feste Geschwindigkeit einprogrammiert uns los geht’s. Taucht dann voraus ein etwas langsameres Fahrzeug auf, passt sich das System automatisch dem Vorausfahrenden an und hält Abstand. Ist ein Überholen möglich oder biegt der Langsamere ab, beschleunigt das System sofort wieder auf die voreingestellte Geschwindigkeit. Der Side Assist sorgt zudem dafür, dass beim Überholen kein Fahrzeug im toten Winkel übersehen  wird.

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Foto: VW

Bei so viel Assistenztechnik gerät das Herz des Autos fast ein wenig ins Hintertreffen. Dabei war unser Testwagen mit dem größten 125 kW/170 PS starken Common Rail Turbodiesel ausgerüstet. Zusammen mit dem 6-Gang-Doppelkupplungsgetriebe DSG sorgt der kräftige Diesel für entspanntes Fahren sowohl im Stadtverkehr als auch auf schnellen Autobahnpassagen. Das Automatikgetriebe aus dem Konzernregal schaltet kaum merklich und blitzschnell, kraftstoffsparend im Komfortmodus und  mit höher ausgedrehten Gängen in der Sporteinstellung. Zudem können die Schaltvorgänge jederzeit manuell über die Tiptronic beeinflusst werden – besonders elegant natürlich über die Schaltwippen am Multifunktionslenkrad.

125 kW Leistung bei 350 Nm auf die Straße zu bringen, dafür sorgte bei unserem Passat Variant der 4Motion-Allradantrieb. Eine elktrohydraulische Lamellenkupplung sorgt dabei für die Kraftverteilung zwischen Vorderrad-und Hinterradantrieb und überträgt bis zu 50 Prozent der Kraft auf die Hinterachse. Spürbar wird das vor allem in engen Landstraßenkurven, durch die der 4Motion wie auf Schienen gleitet. Wählt man dann auch noch die sportlich, straffe Fahrwerksabstimmung, dann wird der Passat endgültig zum agilen Sportgerät, mit dem sich vortrefflich um die Kurven räubern lässt.

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Foto: VW

Alles was gut und teuer ist kann so in den Passat für die Sicherheit und den Komfort integriert werden. Dabei ist in der Top-Ausstattung Highline vieles schon serienmäßig enthalten. Dennoch bietet die Ausstattungsliste noch reichlich Luft für individuelle Vorlieben. So war unser Testwagen mit Sonderausstattungen im Wert von 15.300 Euro ausgestattet – eine stolze Summe, aber auch eine Ausstattung, die nun wirklich keine Wünsche mehr offen ließ. Einschließlich Fernsehempfang für 1.025 Euro. Übrigens: Damit der Fernseher in der Mittelkonsole den Nutzen der zahlreichen Assistenzsysteme für die Verkehrssicherheit nicht gleich wieder zunichtemacht, schaltet der Bildschirm schwarz, sobald der Wagen rollt. Den spannenden Spielfilm während der Fahrt anschauen, geht also nicht – aber das ist wohl auch besser so.

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Foto: VW

Die wichtigsten Daten

VW Passat Variant Highline 4Motion Blue Motion Technology 2,0 TDI

  • Länge/Breite/Höhe 4.769 / 1.820/2.062 mit Spiegeln / 1.481  mm
  • Kofferraumvolumen: 603 bis 1.731 l
  • Radstand 2.712 mm
  • Leergewicht 1.687 kg
  • Zulässiges Gesamtgewicht 2.280 kg
  • Zuladung 668 kg
  • Anhängelast max.  2.000 kg gebremst (bis max 12 % Steigung)
  • Allradantrieb
  • Vierzylinder-Dieselmotor mit Commonrail-Direkteinspritzung und Turboaufladung
  • Hubraum 1.968 ccm
  • Leistung kW/PS 125 / 170 bei 4.200 U/min,
  • maximales Drehmoment 350 Nm bei 1.750 – 2.500 U/min
  • Vmax 217 km/h
  • EU-Normverbrauch im Mittel 5,7 l
  • Testverbrauch 7,8 l
  • Tankinhalt: 70 l  
  • CO2 Ausstoß: 149 g/km


Preis der Basis-Ausführung des Testwagens:  39.725 Euro
Preis der sonderausgestatteten TW-Ausführung: 55.043 Euro

Stand 02/2012

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