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VW Touareg und BMW X5 mit 3-Liter-Diesel - gleiche Brüder

Auch, wenn ich den von geschmäcklerischen Profi-Autotestern oft „Chromlätzchen“  genannten Kühlergrill des Vorgängermodells als eindeutiges Erkennungszeichen einer ganzen VW-Familie doch recht vermisse,  und der BMW X5 sich demgegenüber schon sehr maskulin gegen den eleganteren Touareg neuester Ausgabe abhebt, gleichen sich der nord- und der süddeutsche SUV doch sehr. Und das neue VW-Gesicht mit den beiden zusammen gepreßten Lippen als Grill erinnert halt schon an die Oma, der man eben das Gebiss aus dem Mund genommen hat. Ganz anders der BMW X5, der vorn zwar ansprechend nach BMW aussieht, hinter den Rücksitzen aber doch einen ziemlich dicken Hintern mit sich rumschleppt.

Alles andere scheut keinen Vergleich, weder untereinander noch mit den inzwischen vielzähligen Konkurrenten der großen SUVs. Vor allem die beiden Diesel sind phänomenal, was die Laufruhe und den Verbrauch betrifft. Während der VW mit dem TDi den ältesten Direkteinspritzer in modernisierter Fassung einbaut, wird der X5 angetrieben von einem ganz modernen Dreiliter-Diesel, dessen Verbräuche mit komplexer Technik auf den gefühlt niedrigsten Stand der Dieseltechnologie bringt. Unter sechs Liter für einen Zweitonner sind Spitzenklasse, auch wenn er dafür im Samtfußbetrieb gefahren werden muß. Und auch noch um die acht Liter, was der X5 bei strammer Fahrt verbrauchte, sind gerade bei den explodierten Dieselpreisen eine kleine Beruhigung für den Geldbeutel. Ähnliches gilt allerdings auch für den Touareg, selbst wenn der mit einem Motor cruist, der schon ein paar Tage Entwicklungszeit auf dem Buckel hat. Dennoch bleibt er mit seinen 7,4 Liter Normverbrauch und rund neun Litern Testverbrauch nur zweiter Sieger.

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Agil bis sportlich lassen sich beide Schwergewichte fahren, der X5 scheint in den niedrigeren Drehzahlbereichen mehr am Gas zu hängen und sofort loszusprinten, während der Touareg sich ein wenig gemütlicher gibt und das lastwagenmäßig enorme Drehmoment nicht so ungestüm in den Asphalt brennen will. Trotzdem macht es dem autosport-verwöhnten Ohr Spaß, zuzuhören, wie beide SUVs losbrummen und einen förmlich in die Sitze drücken, senkt man den Gasfuß ab.

Über die Ladekapazitäten der beiden Großraum-Geländegänger muss ich nicht viel sagen. Habe ich doch eben einem Sylt-Urlauber zugeguckt, wie er den Porsche-Bruder des Touareg beladen hat. Da ging nicht nur das Urlaubsgepäck für einen Zweiwochenurlaub mit Frau und Kind rein, da hätte das Restumzugsgut aus einem Einfamilienhaus wahrscheinlich auch noch gepasst.

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Und weil wir schon vom Innenraum reden: Nicht nur der Gepäckraum ist in feinster Studioausstattung möbliert und teppichgeschützt, auch die Fahrgasträume beider Beinahe-Offroader schwelgen in Luxus. Leder, edles Holt und Chrom überall. Elektrische Motoren überall, wo mehr als 200 Gramm Drehmoment menschlicher Nutzung benötigt würden. Auch die Heckklappe des BMW elektrisch, sogar mit Zuziehschutz, falls sich der Kopf meines Hundes mal dazwischen verirrt hätte.

Kein Wunder, dass beide wuchtigen Fortbewegungsmittel – so leicht sie sich auf der Straße bewegen lassen – nur noch von jungen, sportlichen Zeitgenossen einfach zu entern sind. Fahrer älteren Zuschnitts wie ich stellen sich an die Vordersitzkante, stemmen sich vom Boden ab und rutschen dann mit etwas Glück auf den Sitz drauf, um die Beine nachschwenken zu können. Das darf jedoch weder dem Touareg noch dem X5 über genommen werden, sind sie doch konzipiert dafür, dass man im Straßenverkehr über die anderen drüber weggucken kann. Das bringt erhebliche Vorteile, vor allem, wenn man durch einen VW-Bully hindurch oder über einen 7-er-BMW hinweg den Verkehrszustand vor dem Vordermann kontrollieren kann. Was eigentlich gar nicht nötig wäre, hat man doch bei den heutigen etwas komfortabler ausgestatteten Fahrzeugen zumeist schon einen Abstandshalter, einen Spurhalter und einen weißgottwasnoch-Halter eingebaut.

Zu empfehlen sind daher beide Sports Utilities, der eine, der VW, mehr für den etwas eleganteren Auftritt, was man einem Volks-Wagen an sich eigentlich eher weniger zutraut. Der andere, der X5, eher bulliger, was sehr zu BMW paßt, wenngleich man sich dem Markenimage folgend auch bei den Geländegängern mehr Eleganz wünschen würde.

mpp

Die wichtigsten Daten

VW Touareg 3,0 TDI

  • Länge/Breite/Höhe : 4.795/1.940/1.709 mm
  • Radstand 2.893 mm
  • Leergewicht 2.179 kg
  • Zuladung 756 kg
  • Kofferraum 580 -1.642 l
  • Viertakt-V6-Dieselmotor mit Commonrail-Direkteinspritzung
  • Hubraum 2.967 ccm
  • Leistung kW/PS 150/ 204 bei 4.000 U/min,
  • maximales Drehmoment 400 Nm bei 2.000 - 2.250 U/min
  • Beschleunigung auf 100 km/h  9,0 Sekunden
  • Vmax 206 km/h
  • EU-Normverbrauch im Mittel 7,4 l , Testverbrauch 8,2 l
  • Tankinhalt 85 l,
  • Abgasnorm Euro 5 mit Partikelfilter,
  • CO2 Ausstoß: 150 g/km
  • Preis der Basis-Ausführung des Testwagens:  48.750 Euro
  • Preis der sonderausgestatteten TW-Ausführung: 58.900 Euro

BMW X5 3,0 TDI

  • Länge/Breite/Höhe : 4857 / 1933 / 1776 mm
  • Radstand 2933 mm
  • Leergewicht 2.075 kg
  • Zuladung 680 kg
  • Kofferraum 620 - 1.750 l
  • Viertakt-6-Zylinder Dieselmotor mit Commonrail-Direkteinspritzung
  • Hubraum 2.993 ccm
  • Leistung kW/PS 180 / 245 bei 4.000 U/min,
  • maximales Drehmoment 540 Nm bei 1.700 - 3.000 U/min
  • Beschleunigung auf 100 km/h  7,6 Sekunden
  • Vmax 222 km/h
  • EU-Normverbrauch im Mittel 7,4 l , Testverbrauch 8,0 l
  • Tankinhalt 85 l,
  • Abgasnorm Euro 5 mit Partikelfilter,
  • CO2 Ausstoß: 195 g/km
  • Preis der Basis-Ausführung des Testwagens:  54.500 Euro
  • Preis der sonderausgestatteten TW-Ausführung: ca. 75.000 Euro

Stand: 4/2011

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