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SevenSEATer

Der Praktische, familiengerecht und familiengünstig

Diese Family-Vans zeichnen sich alle dadurch aus, dass sie praktisch sind.  Und als der neue VW Sharan auf den Markt kam, war ich ganz begeistert davon, dass der Nichtautomann, der damals seinen ersten Bericht als Autoverantwortlicher im „stern“ schrieb, da ganz pragmatisch als Familienvater ranging. Und mit dem Sharan auf den Kinderspielplatz fuhr, um ihn von den kids testen zu lassen. Das habe ich mit dem Alhambra nicht getan, kannte ich doch das Ergebnis schon. Außer Sand rauskehren aus dem spielplatzgroßen Laderaum war alles paletti.

Da muss man eigentlich nicht mehr sagen über den Alhambra, ist er doch der spanische Bruder des Wolfsburgers. Der Alhambra hat aber ein paar Kleinigkeiten bei sich, die besonders erwähnenswert sind. Zum Beispiel die dritte Sitzbank, die es bestimmt auch im Sharan gibt, aber wahrscheinlich für viel mehr Geld. Die ist überaus praktisch, weil man sie versenken kann, um den Hund transportieren zu können. Der übrigens kaum wieder raus springt aus dem Auto, wenn er nicht mindestens hundert Meter gefahren ist und dann spazieren gehen darf. Nachteil: Wegen der Fahrzeughöhe und der damit verbundenen hohen Unterkante der Fensterscheiben steht er immer. Weil er sonst nicht mehr rausgucken kann. Was in einem normalen Kombi wie z.B. dem Exeo ST nicht passieren kann.

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Foto: Seat

Zum Beispiel die Kindersitz-Ausstattung. Die nicht nur die Höhenverstellung der Sitze umfasst, sondern auch noch die Extra-Sicherheitsgestelle rund um den Kinderkopf, die man anstelle der Kopfstützen installieren kann.

Und ganz besonders die Schiebetüren, die zugleich kindergesicherte Türen sind. Sie gehen nur elektrisch auf und zu, was die sonst erforderliche Muskelkraft schont. Und die Kinder vor allzu schnellem Herausspringen aus dem Auto schützt. Können sie doch die Tür zwar öffnen; die jedoch sperrt sich nach zehn Zentimetern solange, bis der Knopf an der Fernbedienung für den Elektromotor ausgelöst wird. Oder am Türholm. Dass allein schon der Schiebemechanismus den Besitzer und seine Haftpflichtversicherung vor dem wagenweiten Aufreißen der Tür durch Kinder bewahrt, sei nur nebenbei erwähnt. Fehlt nur noch das Lob für den Knopf der Fernauslösung der Hecktür, die ja ebenfalls scheunentorgroß öffnet. Und nach der Be-ladung nur per Luftsprung zu schließen wäre. Wäre da nicht der Knopf im Türrahmen oder der an der Fernbedienung, dem Zündschlüssel. Egal, welchen Türknopf man da drückt, fangen die Türen jeweils an, sich zu bewegen – und piepsen dabei wie ein Gabelstapler bei Rückwärtsfahrt. Außerdem ver-riegelt der Funkschlüssel die Türen nach etlichen Se-kunden des Nichtöffnens gleich wieder, damit kein Unbefugter das Auto öffnen kann, wenn der Besitzer von zu weit weg ausgelöst hat.

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Foto: Seat

Nachdem ausführlich besprochen ist, wie man dieses Auto entert, kann ja gestartet werden. Der Diesel tut das mit ein paar Sekunden Verzögerung nach Betätigung des Zündschlosses (ja, man darf den Schlüssel noch in jahrzehntealter Tradition umdrehen und muss nicht wie weiland beim 49er-Käfer den Knopf an der Armaturentafel suchen, die wirklich noch eine war und nicht in Kunststoffwölbungen schwelgte). Nach der Diesel-Gedächtnispause bollert der 2,0 TDI aber los, wie man es von den Direkteinspritzern mit Turbo aus den VW/Audi-Regalen gewohnt ist. Für den Alhambra erweist sich der 140-PS-Diesel als völlig ausreichend, auf längeren Autobahn-Aufwärtsfahrten aber bei Beladung als ein wenig  überhol-unterlegen. Das macht aber nichts, will man doch sowieso nicht per-manent an der 200 km/h-Grenze pilotieren. Denn sonst klettert auch der Verbrauch höher als der von mir als ausgesprochen angenehm ermittelte Durch-schnitts-Testverbrauch von rund 8,4 Liter. Schade nur, dass die allmächtigen Mineralölgesellschaften dank großzügigem Augenzudrücken des Kartellamtes (untersteht das Kartellamt für Mineralölüberwachung Herrn Schäuble, der den Hals nicht voll genug bekommen kann an MwSt und Treibstoffsteuern? Oder dem frühkapitalistischen Wirtschaftsminister Rösler, der ja noch von seinem noch kapitalistischer denkenden Brüderle gelernt hat? ) die Dieselpreise inzwischen in bedenkliche Nähe des Benzinpreises gedrückt haben, obwohl auf Diesel deutlich weniger Steuern liegen als auf Benzin.

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Foto: Seat

Alles in allem ist der Alhambra ein perfekter SevenSEATer, mit viel Platz für die Mitfahrer und ebenso viel Platz fürs Gepäck. Stellt man jedoch die dritte Sitzreihe auf, wird’s im Auto fürs Gepäck doch ein wenig eng, will man mehr als ein Wochenende unterwegs sein. Dann bietet sich der Dachgepäckträger an, bestimmt erhältlich als Seat-Zubehör und ganz gewiß montierbar auf die serienmäßig vorhandene
Dachreling.

Buen viaje, familia numerosa.     mpp

Die wichtigsten Daten

Seat Alhambra 2.0 TDI

  • Länge/Breite/Höhe : 4.854/1.904*/1.740 mm *) ohne Spiegel, 2.081 mit Spiegel
  • Radstand  2.919 mm
  • Leergewicht 1.774 kg
  • Zuladung 515 kg
  • Kofferraum  442-1.341 l
  • Viertakt-Reihen-Vierzylinder-Diesel mit Turbolader und Direkteinspritzung
  • Hubraum  1.968 ccm
  • Leistung kW/PS 103/140 bei 4.200 U/min,
  • maximales Drehmoment  320 Nm bei  1.750 – 2.500 U/min
  • Beschleunigung auf 100 km/h  10,9 Sekunden
  • Vmax 194 km/h
  • EU-Normverbrauch im Mittel 5,5 l , Testverbrauch 8,1 l
  • Tankinhalt 70 l,
  • Abgasnorm Euro 5,
  • CO2 Ausstoß: 149 g/km

Preis der Basis-Ausführung des Testwagens:  32.450 Euro
Preis der sonderausgestatteten TW-Ausführung: ca. 40.000 Euro

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