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R wie Raumkreuzer

Eigentlich ist der R von Mercedes gar kein Pkw mehr, sondern eher ein Bus im Limousinenformat. Und natürlich ein Sonder-SUV sondergleichen. Steigt man doch schon in dieses Auto nicht mehr hinauf wie bei den meisten anderen SUVS, sondern einfach und intuitiv nur ein. Sogar meine Frau, schon unter 1,60 klein, fand den Stuttgarter Riesen bereits beim Einsteigen handlich.

Damit wäre das wichtigste gesagt über die R-Klasse. Dass sie nämlich mehr als eine Berechtigung hat und eine Marktnische besetzt, die auch der Q7 nicht so recht schafft. Wenngleich von ähnlicher Größe, neigt man doch dazu, den Q7 eher mit einem Schiff zu vergleichen, der R dafür sieht doch noch mehr nach Pkw aus. Das gilt nicht nur für den Volant und Beifahrer-Sitz (das ist mir übrigens besonders im R aufgefallen: beigefahren wird nicht mehr in diesem Auto, sondern mitgefahren.) Im Q7 dagegen nimmt sich der neben oder hinter dem Chauffeur sitzende eher wie der Kapitän aus, der seinen Steuermann befehligt). Auch im Fond und vor allem in Fondfond sitzt man gut, nachdem man die dritte Reihe erst mal erreicht hat. Konstruktionsbedingt ist die natürlich eher was für den Nachwuchs, sowohl was die Wendigkeit betrifft für den bequemeren Einstieg als auch den Platz für die komfortable Fahrt. Der aber reicht besonders den kleineren und jüngeren Fahrgästen allemal auch für eine weite Überlandfahrt. Wenn die allerdings auf Sylt führt, muss man schon zirkeln, um mit dem Raumkreuzer auf die Eisenbahnwaggons zu kommen. Ist’s aber geschafft, hat man gleich unheimlich viel Reputation, sobald man den Inselsand unter die Räder bekommt. Auch im urlaubsschwachen Frühjahr. Das gilt erst recht für die Langversion des R, den es mit ab einer Motorisierung eine Kategorie höher als der Testwagen auch noch gibt und der noch mehr Raumwunder ist.

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Foto: Mercedes

Doch auch schon beim kleineren der beiden R’s spielt der Raumkreuzer seine Fähigkeiten aus, mit Raum zu klotzen. Urlaubsgepäck auf’s Dach? Doch nicht beim R. Wenn die dritte Reihe nicht gebraucht wird, faßt er fast einen Umzug, bei Nutzung der dritten Reihe gehen mit etwas Verstauungsgeschick noch allerhand Urlaubsutensilien hinter die letzten Sitze. Da läßt sich‘s gut fahren, gleich, ob der Wagen voll beladen ist oder nur einfach besetzt.

Hilfreich sind auf alle Fälle die Assistenten jeglicher elektronischer Art. Besonders erwähnenswert dabei der Spurhalte-Assistent, der immer dann am Lenkrad wackelt, wenn der Fahrer den durchgezogenen weißen Strich auf der Straßen überfährt oder nur berührt.  Sehr effektiv und sympathisch besonders bei langen Strecken ist die Kaffeetasse, die vor dem Lenkrad aufleuchtet, wenn man zu lange schon ohne Unterbrechung hinter Steuer saß. So liesse man sich gerne zu regelmäßigen Pausen erziehen, wären die Autobahn-Raststätten nicht so wucherhaft teuer.

Über die Motorleistung oder die Fahreigenschaften des R 300 CDI muß man eigentlich nichts mehr sagen. Wie schon Gottlieb sagte: „Was wir machen, machen wir perfekt!“. Zu bestätigen hinterm Lenkrad dieses doch so kommoden und leichthändig zu bewegenden Dicken. Wenn auch die blaue Effizienz ihren Tribut in Motor- und Fahrleistungen verlangt, bietet sie doch immerhin dem Gewissen Trost: Blue Efficiency gibt’s gleich mit Euro 6-Zertifikat und schön niedrigen Verbräuchen.

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Foto: Mercedes

Ansprechend kräftig ist der Antritt des R trotzdem, was dem enormen Drehmoment des Dreiliter-Diesels zuzuschreiben ist, das eben nur durch die Dieseltechnik erreicht wird. Oder durch noch mehr Hubraum. Ebenso überzeugend die Elastizität des Motors und die Spitzenleistung mit einer Geschwindigkeit, die auf Deutschlands Straßen ohnehin nie und auf Autobahnen höchstens einmal pro Woche ausgefahren werden kann.

So hält sich jedenfalls und wie schon vermeldet der Spritverbrauch sehr deutlich in Grenzen; auch hier zeigt sich der Fortschritt, den die Dieseltechnologie in den letzten beiden Jahrzehnten gemacht hat. Man wundert sich ohnehin, dass trotz des in Deutschland niedrigeren Dieselpreises und dem niedrigen Verbrauch immer noch viele Automobilisten auf Super, Super plus oder Schuma-cher-Supersuper und Benzin-Motoren stehen, auch wenn die Direkteinspritzung bei den Benzinern inzwischen ebenfalls zu verträglicheren Verbräuchen führt. Dennoch stellt sich wieder einmal die Frage, warum trotz hohen Produktionsaufkommens und entsprechendem Absatz der Diesel so viel teurer sein muss als der Benziner.

Aber trotz dieser Bedenken ist mir ein Diesel allemal lieber als ein Benziner- schon allein wegen des Drehmoments, das jeden Fahrgast auch eines R beim Beschleunigen erst mal in die Sitze drückt.

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Die wichtigsten Daten

Mercedes-Benz R 300 CDI

  • Leergewicht 1.825 kg
  • Zuladung 525 kg
  • Kofferraum  540 l
  • Viertakt-V6-Dieselmotor mit Commonrail-Direkteinspritzung und Blue Efficiency Technik
  • Hubraum  2.987 ccm
  • Leistung kW/PS 140/ 211 bei 3.800 U/min,
  • maximales Drehmoment  440 Nm bei  1.400-2.800 U/min
  • Beschleunigung auf 100 km in 9,5  Sekunden
  • Vmax 215 km/h
  • EU-Normverbrauch im Mittel 7,7 l , Testverbrauch 8,1 l
  • Tankinhalt 80 l,
  • Abgasnorm Euro 6,
  • CO2 Ausstoß: 201 g/km

 
Preis der Basis-Ausführung des Testwagens: ab 42.100 Euro
Preis der sonderausgestatteten TW-Ausführung: ca. 62.000 Euro

Stand: 7/2011

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