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On the road again: Jeep Grand Cherokee

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Wer Noten lesen kann, weiß, dass jetzt gleich ein Jeep um die Ecke kommt, Charles Bronson auf der falschen Seite aussteigt und beginnt, auf seiner Mundharmonika zu spielen. Er sucht Frank, im Film dargestellt von Henry Fonda. Tatsächlich stieg er natürlich aus dem Zug aus, weil der Film in den Eisenbahn-Gründerzeiten spielt. Heute allerdings müßte er Jeep fahren, um in dieses gottverlassene Kaff zu kommen, wo der italo-amerikanische Regisseur die Handlung hinverpflanzt hat.

Welche Szene aber würde besser passen zu diesem Grand Cherokee, der sogar einen Namen aus der Italo-Western-Szene von Sergio Leone trägt. Und welche Landschaft würde seinen idealen Aufenthaltsort besser darstellen als die amerikanischen „deserts“, die Rockys und in die Neuzeit versetzt natürlich auch die von Idyllwild, jenem Skifahrer-Bergdörfchen in den kalifornischen Mountians gleich dreißig, vierzig Meilen eastwards Orange County.

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Foto: Jeep

Tatsächlich ist der neue Grand Cherokee, der erstmals unter Fiat-Regie überarbeitet wurde, ein echter Italo-Western geworden. Feinster amerikanischer Komfort, edles Holzfurnier, Leder natürlich, jetzt aber von Poltrona Frau oder so, hohe Sitzposition und doch so saubequem , dass das „ american feeling“ immer da ist. Wie man doch verführt wird dazu, den Arm aus dem Fenster rauszuhängen und das Lenkrad nur mit zwei Fingern festzuhalten. Und dann der italienische Diesel drunter, mit einem Drehmoment wie ein amerikanischer Gruppe5-Lkw mit langem Sattelauflieger, der grad auf dem Highway mit brüllender Hupe entgegenkommt (erinnert so an den Tank-Lastzug, der das Lincoln-Coupé quer durch die Staaten jagt und immer bedrohlicher den Rückspiegel sprengt. Hätte der Fahrer doch bloß die 550 Nm Drehmoment unterm Gasfuß gehabt wie ein Grand Cherokee-Pilot beim V6-Diesel mit italienischem Multijet.) Wo wir auch schon beim Herzstück dieses neuen Jeep sind, der nun auch in Europa mit bulligen, aber vernünftig sparsamen Motoren angeboten wird. Sergio hat’s hinbekommen. Nein, nicht Leone, sondern Marcchione. Die Verbindung amerikanischer Lässigkeit mit italienischem Stil scheint viel besser zu funktionieren als die preussisch-amerikanische. Zumindest beim Jeep herausgekommen ist ein Auto, das sich nicht nur für die europäischen Märkte eignet, sondern aufgrund der technischen Finessen auch genau dorthinein paßt. Alles, was komfortabel amerikanisch ist, hat der italienische Macher drin gelassen, alles was europäisch technisch state of the art ist, zusätzlich hineingepackt. Herausgekommen ist ein Auto, das einem ständig das Gefühl gibt, Herr jeder Situation bleiben zu können. Geholfen wird dem Cherokee dabei mit jeder Menge Elektronik, die zu steuern über den Kommandostand allerdings ein wenig Feingefühl und Geduld bedarf. Wenn die Boeing-Cockpits genauso komplex sind, frag‘ ich mich immer wieder, wie sie immer so sicher wieder auf den Boden kommen.

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Foto: Jeep

Ausgewogen aber ist die automatische Anpassung an das Gelände, auf dem sich der Cherokee eben bewegt. Auf jedem Untergrund findet er die richtige Fahrwerksanpassung, bei steilem Gelände in jeder Richtung dann auch die Brems- und Differentialeinstellung, die das Fahrzeug auf den Rädern hält. Zumindest bei mir ist der Grand Cherokee nicht umgekippt, was ich mehr der Elektronik zuschreibe als meiner ängstlichen Fahrweise.

Über Motor und Getriebe muss ich nicht viel erzählen. Drei Liter Hubraum, die erwähnten 550 Nm Schiffsmotordrehmoment, 241 originale PS, keine SAEs oder Abruzzen-Ponystärken, eine variable Drehmomentverteilung und die Quadra-Trac- oder Quadra-Drive-Steuerung sind über Geröll gleichermaßen erhaben wie über Tiefsand oder auch Asphalt. Auf dem der Grand Cherokee übrigens beachtliche Werte erreicht, für die man aber ja nicht unbedingt selbst Rekorde in den Asphalt brennen muss. Dafür ist der Verbrauch durchaus erwähnenswert, kommt er doch dem werkseitig angegebenen Normverbrauchmit knapp über neun Litern sehr nahe.

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Foto: Jeep

Damit wird der Jeep Grand Cherokee zu einem meiner Favoriten aus dem amerikanische Fuhrpark, nachdem der Chrysler 300 C Touring durch seine Mutation zum Lancia Thema seinen Rucksack verloren hat und jetzt nur noch als Limousine angeboten wird.

mpp

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Foto: Jeep

Die wichtigsten Daten

Jeep Grand Cherokee Overland 3,0 CRD

  • Länge/Breite/Höhe 4.822/ 1.943*/ 1.764 mm (* mit Spiegeln 2.154 mm)
  • Radstand 2.915 mm
  • Leergewicht 2.347 – 2.430 kg
  • Zuladung 602 - 519 kg
  • Kofferraum 782 l
  • V6-Dieselmotor mit Commonrail-Direkteinspritzung und Turboaufladung
  • Hubraum 2.987 ccm
  • Leistung kW/PS 177/ 241 bei 4.000 U/min,
  • maximales Drehmoment 550 Nm bei 1.800 - 2.800 U/min 
  • Beschleunigung auf 100 km/h  8,2 Sekunden
  • Vmax 202 km/h
  • EU-Normverbrauch im Mittel 8,2 l
  • Testverbrauch 9,2 l
  • Tankinhalt 93 l
  • Abgasnorm Euro 5 mit Partikelfilter
  • CO2 Ausstoß: 218 g/km

 
Preis der Basis-Ausführung des Testwagens:  57.600 Euro
Preis der TW-Ausführung mit Zubehör: ca. 58.500 Euro

Stand: 12/2011

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