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Münchner Sechs-Sucht: BMW 640i Cabrio

Logisch war die Präsentation des offenen 640i mit altbekanntem Stoffdach als Starter der neuen Sechser-Baureihe nur wetterbedingt. Ein Cabrio stellt man zu Beginn der Verkaufssaison offener Fahrzeuge vor. Und das Stoffdach des neuen 640i ist so dicht, dass es auch einen Regentag oder mehrere beim Fahrversuch im sommerlichen Herbst gut übersteht. Da aber das Wetter es ausgesprochen gut meinte mit dem Nutzer eines Cabrios Ende Oktober, Anfang November, konnte ich sogar die Vorteile dieses edlen Nachfolgers der Landaulets auskosten. Frische Luft bei schneller Fahrt, kaum schneidenden Wind um die Ohren, dafür die Sonne im Gesicht.

So stellt man sich die Fahrt im Freien vor. Nicht einmal der Schal aus Wolle -- oder wie bei Mercedes aus warmem Wind aus den Düsen der Nackenstütze – musste bemüht werden, um etwaige Schmerzattacken offen liegender Nervenbahnen abzumildern.

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Foto: BMW

Tatsächlich aber war das früh im Jahr vorgestellte Cabrio nur die Vorhut einer ganzen Reihe von Fahrzeugtype, deren Leuchtturmspitze jetzt wohl mit dem brandneuen und erstmalig angebotenen 6er Gran Coupé markiert wird. War schon die Fahrt im 6er Cabrio eine Wucht, wie wird man sich dann in diesem viertürigen Luxuscoupé fühlen, das ja nicht nur me to gebaut wird, sondern in Fahrverhalten, Luxuriosität und Alleinstellungsmerkmalen den viertürigen Coupés von Volkswagen, Mercedes, Audi und Maserati die Überlegenheit des später kommenden zeigen muss. Gespannt warte ich drauf.

Zwischen dem 6er Cabrio und dem Gran Coupé kam allerdings im Frühherbst noch das normale 6er Coupé, jetzt eben nur noch die kleine, zweitürige Version des wuchtig eleganten Grandes.

Allen gemeinsam ist die Plattform, die lediglich beim großen Coupé einen verlängerten Radstand aufweist. Kommt schon der „normale“ Sechser elegant daher, wirkt der größere noch eleganter und schnittig gestreckter.

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Foto: BMW

Den großen Designvorteil des supersportlichen Cabriolets allerdings zeigt der 6er in der offenen Version. Kein Dach stört die Linie, die formvollendeten Heckflügel seitlich der Heckscheibe verschwinden mit dem Dach im Kofferraum, übrig bleibt nur gradlinig die Karosseriekante, die von Front- und Seitenscheibe markiert wird. Ein Auto, mit dem BMW nach der Designwende beim Fünfer, der Anpassung beim Siebener und der Übernahme der neuen Linie auch beim Dreier und Einser nun endgültig wieder zum früheren Stil zurückgefunden hat, der stets Design-Ikonen produzierte. Autoformen, die ganz klar die Bauhaus-Funktion „design follows function“ darstellten.

Wie von außen wirkt das 6er Cabrio auch innen. Alles funktional durchdacht, kein Schnick oder Schnack, nur Stil. Sogar der wilde Joystick-Knubbel der elektronischen Schalt- und Waltzentrale der früheren Jahre ist einem schlichten Kommandoknopf gewichen, mit dem intuitiv und ohne Verlust der Konzentration auf das Verkehrsgeschehen gearbeitet werden kann. In Verbindung mit dem von BMW stark forcierten Headup-Display ist das auch eine sehr feine Sache. 

Dieses Headup-Display in der Windschutzscheibe sollte man sich daher unbedingt gönnen, auch wenn es nur in Verbindung mit dem Navigationssystem Business käuflich ist. Das aber braucht man eigentlich sowieso.  Und es macht im Head-up, wo es logischerweise auch abgebildet wird, nicht nur noch mehr Spaß als nur mit Karte. Weil es in der Frontscheibe klar mit Chinesenrallye-Zeichen (auf undeutsch „Piktogrammen“) dargestellt wird, hilft es der Kartenanzeige auf dem Getriebetunnel so ungemein, dass man der stets nölenden Navigatorin problem- und folgenlos das Wort verbieten kann. Unabhängig  davon ist so ein Sichtfenster in der Frontscheibe für die wichtigsten zu kontrollierenden Daten während der Fahrt ein enormer Sicherheitsgewinn, muss man doch nicht ständig den Blick vom Verkehr wegnehmen auf die Instrumente. So viel zum komfortabelsten Fortschritt, den die Automobilelektroniker unter Leitung des VdM-Dieselringträgers Elmar Frickenstein sich inzwischen ausgedacht haben. Dass ganz nebenbei auch die Fernlichtautomatik die Sicherheit fördert und den Komfort, muss ebenfalls noch angemerkt werden. Erst wenn sie unbemerkt arbeitet, weiß man, wie oft man unnötigerweise halbblind nur mit Abblendlicht gefahren ist.

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Foto: BMW

Doch nun endlich zu dem, was einen BMW ausmacht. Hinter den flott gemachten Nierchen streckt sich wieder ein Coupé oder Cabrio à la CS wie es weiland in den siebziger Jahren bereits die hohe Kunst des Autodesigns war. Und übrigens die erste bereits bekannte Entscheidung zu einem viertürigen Coupé forderte. Was damals zuungunsten der flachen Viertürer ausging und bei BMW heute wahrscheinlich den Mut gebremst hat, in dieser Nische mitspielen zu wollen. Aber ich war damals schon vom 2800 CS begeistert und hätte nicht erwartet, dass das heutige Sechser-Cabrio so eine logische Weiterentwicklung von Design und Technik bietet, waren doch die gedangelten BMW dazwischen geschoben. Nicht nur beim Design ist die Freude zurückgekehrt, das Fahrverhalten des neuen Sechser ist gleichermaßen modern und dynamisch  Straßenlage,  Kurvenverhalten und Handling sind wieder einmal typisch BMW und ähneln – egal bei welchem Modell – eben immer wieder Gokarts. Gut, dass BMW den Sechsern den Kontakt zur Straße erhalten hat. Jenes Gefühl, mit dem Popometer und den Händen am Lenkrad die Geschwindigkeit bestimmen zu können.

Das resultiert aus der serienmäßigen Ausstattung  mit der Fahrdynamik-Control zur individuellen Fahrzeugabstimmung und der Option Adaptive Drive mit elektronisch geregelten Dämpfern und Wankstabilisierung sowie der einzigartigen elektromechanischen Servolenkung mit Integral-Aktivlenkung. So steht‘s zumindest im Pressetext.
   
Beschäftigen wir uns mit dem Antrieb: ein individuell dem 640i angepasster Reihensechszylinders mit BMW TwinPower Turbo, Direkteinspritzung und Valvetronic, mit 235 kW/320 PS. Leistung fehlt mit diesem „kleinen“ Sechszylinder nicht, was soll man da erst sagen, hat man den großen Achtzylinder im Gran Coupé unter der Haube. Selbstverständlich haben die Motoren Euro5-Werte, der 640i könnte mit der Efficient Dynamics-Option mit Stop-Start und EcoPro wahrscheinlich sogar Euro6. Dabei lässt die Automatik nichts zu wünschen übrig. Entweder zügig ohne individuelles Zutun durchgeschaltet – und das in den beiden Varianten „Komfort“ oder „Sport“ -  oder über die Schaltwippen am Lenkrad wie im Renn-Tourenwagen hoch- und  runtergeschaltet.

Der Innenraum, das sei zum Schluss erwähnt, begreift sich nicht mehr als Cockpit, sondern als gefällig unauffällig designter sogenannter Fahrerlebnisplatz. Sagt zumindest Elmar Frickenstein, VdM-Dieselringträger seit 2009. Und meint damit, dass dem Fahrer so viel wie möglich Routine abgenommen wird, damit der sich voll und ganz auf Straße und Verkehr, also auf die eigene Sicherheit und die seiner Verkehrspartner konzentrieren kann.

mpp

Die wichtigsten Daten

BMW 640i

  • Länge/Breite/Höhe  4.894 / 1.894 / 1.365 mm
  • Radstand 2.855 mm
  • Leergewicht 1.840 kg
  • Zuladung 450 kg
  • Kofferraum 520 l
  • Reihensechszylinder-Benzinmotor mit TwinPower Turbo, mit Twin-Scroll-Turbolader, Direkteinspritzung und vollvariabler Ventilsteuerung
  • Hubraum 2.979 ccm
  • Leistung kW/PS 225/320 bei 5.800-6.000 U/min,
  • maximales Drehmoment 450 Nm bei 1.300 – 4.500 U/min
  • Beschleunigung auf 100 km/h  5,7 Sekunden
  • Vmax 250 km/h
  • EU-Normverbrauch im Mittel 7,8 l
  • Testverbrauch 8,9 l
  • Tankinhalt 70 l
  • Abgasnorm Euro 5
  • CO2 Ausstoß:  181 g/km

 
Preis der Basis-Ausführung des Testwagens:  74.700 Euro
Ausstattungen bis zum Gesamtpreis über 100.000 Euro möglich.

Stand: 11/2011

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