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Mit Suchtpotential: Mercedes SLK 350

Der aufrecht stehende große Stern in der Kühlermaske unterscheidet die dritte Generation des „kleinen“ Mercedes-Roadster SLK auf den ersten Blick von seinen Vorgängern.  Mit der markanten Front erinnern die Mercedes-Designer an den legendären 190 SL aus den 50er-Jahren. Die lange Motorhaube, dahinter der Innenraum für zwei Mitfahrer und das kurze Heck: Der SLK ist ein klassischer Roadster - also eigentlich ein reines Spaßauto? Ja und nein! Fahrspaß bietet der neue SLK tatsächlich reichlich. Dabei ist er aber durchaus auch alltagstauglich.

Das Wetter ist bestens, als wir den SLK in schickem Weiß, in der Daimler-Presseabteilung in Stuttgart Möhringen abholen. Also gleich auf das Dach, das sich mit leichtem Surren hebt, zusammenlegt und komplett unter dem Kofferraumdeckel verschwindet. Das dauert nur wenige Sekunde und lässt sich wohl auch vor einer roten Ampel erledigen, noch bevor die wieder auf Grün springt und die Nachfolgenden ungeduldig hupen könnten.  Die erste SLK-Generation setzte 1996 mit dem festen „Variodach“ einen Trend, den viele Hersteller aufgenommen haben. Inzwischen ist es fast schon schwierig, ein Cabrio mit herkömmlichem Stoffverdeck zu finden.

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Foto: Mercedes

Beim Variodach, das den SLK auch in der dritten Generation auf Knopfdruck vom offenen Roadster in ein Coupe und wieder zurück verwandelt, bringt Mercedes mit der „Magic Sky Control“ wieder etwas Besonderes. Das als Weltpremiere gefeierte System erlaubt es, das Panorama-Variodach (Aufpreis 2.606 Euro) auf Knopfdruck hell oder dunkel zu schalten – von nahezu komplett durchsichtig bis ganz dunkel.  Aber eigentlich macht es natürlich viel mehr Spaß, offen zu fahren mit dem neuen SLK, beim Flanieren in der Stadt oder noch besser auf kurvigen Landstraßen in schöner Umgebung.

Wie zum Beispiel im Südschwarzwald, wo wir mit dem SLK 350 rund um Feldberg, Schauinsland und Bellchen unterwegs waren. Der neuentwickelte Sechszylinder-V-Motor mit rund 3,5 Liter Hubraum und 225 kW/306 PS lässt da keine Wünsche offen. 5,6 Sekunden benötigt er um den SLK aus dem Stand auf Tempo 100 zu bringen.  Mit einem sonoren Grollen lässt der Motor seine Kraft durchaus auch hören. Die Blicke autobegeisterter Mitmenschen sind einem so doppelt sicher.  Auf den kurvigen Schwarzwaldstraßen kann man dank des temperamentvollen Motors sehr flott und sportlich unterwegs sein, zumal auch das ausgezeichnet abgestimmte Fahrwerk mit dem optional erhältlichen elektronischen Dämpfungssystem den SLK sicher und unproblematisch auf der Straße hält. Das Schalten von Hand, das ja angeblich zum sportlichen Fahren dazu gehört, haben wir mit dem ausgezeichneten Siebengang-Automatikgetriebe „7G-Tronic plus“ dabei überhaupt nicht vermisst.  Zumal das Automatikgetriebe sicher auch den Kraftstoffverbrauch eher in Grenzen hält.

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Foto: Mercedes

Natürlich haben wir den angegebenen kombinierten Normverbrauch von 7,1 Liter/100 km nicht erreicht. Die im Gesamtschnitt errechneten 10,0 (laut Bordcomputer 9,8) Liter/100 km gehen angesichts unseres Streckenprofils aber völlig in Ordnung. 

Abends, wenn es dann doch etwas kühler wird auf den Schwarzwaldhöhen, besteht noch lange kein Bedarf das Dach zu schließen. Für weniger Verwirbelungen im Innenraum sorgt im SLK das neue Windschottsystem „Airguide“ (Aufpreis 333 Euro) . Statt mühsam ein starres Windschott aus dem Kofferraum zu holen und installieren zu müssen, sind beim „Airguide“ zwei transparente Kunststoffscheiben schwenkbar an der Rückseite der Überrollbügel angebracht. Mit einem Griff lassen sie sich getrennt für Fahrer und Beifahrer in die Mitte schwenken – und es funktioniert tatsächlich. Die von den Mercedes Aerodynamik-Ingenieuren entwickelten Scheiben bändigen die Turbulenzen ebenso gut wie ein herkömmliches Windschott. Und wenn es dann doch etwas frischer werden sollte, sorgt ein „Luftschal“ für wohlige Wärme. Den gab es schon im Vorgängermodell, wo sich der sogenannte „Airscarf“ (487 Euro) bereits zur am häufigsten georderten Sonderausstattung entwickelte. Mit Sitzheizung, „Airguide“ und „Airscarf“ darf das Dach dann auch bei kühleren Außentemperaturen ruhig noch im Kofferraum bleiben.

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Foto: Mercedes

Irgendwann aber muss das Dach dann doch wegen eines Regenschauers geschlossen werden – Zeit sich auf den nun auch nach oben wieder eingeschränkten Innenraum zu konzentrieren. Der SLK ist ein Zweisitzer – ohne Wenn und Aber. Hinter den Rücksitzlehnen findet die Betriebsanleitung und sonst bestenfalls ein kleiner Regenschirm  Platz. Fahrer und Beifahrer aber sitzen sehr bequem auf gut einstellbaren Sitzen. Auch die Ergonomie lässt nichts zu wünschen übrig. Alles ist da wo es hingehört. Große gut ablesbare Rundinstrumente, dazwischen das Display für den Bordcomputer bieten alle wichtigen Informationen auf einen Blick. Ein großes Farb-Display in der Mitte der Armaturentafel zeigt übersichtlich und intuitiv zu bedienen das Navigationssystem, Radio und Telefon. Darüber „thront auf Wunsch eine edle Analoguhr“ (Originalton Mercedes, Aufpreis 261 Euro). Endlich mal wieder eine gut ablesbarer Uhr im Auto, zentral angebracht und für Fahrer und Beifahrer gleichermaßen zu sehen.

Sehr beengt und Roadster-typisch ist wie schon bei den Vorgänger des aktuellen SLK der Kofferraum. Ist das Dach geöffnet schränkt es das Volumen des Gepäckabteils auf 225 Liter ein.  Bei geschlossenem Dach stehen 335 Liter zur Verfügung. Auf den ersten Blick scheint das sehr wenig. In der Praxis jedoch bringt man selbst für den Wochenendausflug zu zweit bei geöffnetem Dach alles Nötige unter. Vorausgesetzt man verzichtet auf sperrige Hartschalenkoffer und nutzt vielmehr mit mehreren kleineren Taschen jeden Winkel der 225 Liter Kofferraumvolumen aus. Zugegeben, das erfordert mehr Nachdenken, vielleicht auch die eine oder andere Einschränkung als bei der Ausfahrt mit dem Familienkombi, aber der Spaß, den der SLK 350 macht, ist das allemal wert.  Denn der Mercedes-Roadster macht süchtig und verleitet dazu, die schöne Panoramastraße am nächsten Tag gleich noch einmal in die andere Richtung zu befahren – einfach so.

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Einfach zum Ausklappen und effektiv: Airguide statt Windschott, Foto: Mercedes

Die wichtigsten Daten

Mercedes SLK 350 BlueEFFICIENCY

  • Länge x Breite x Höhe: 4.134 x 1.817 x 1.303 mm
  • Radstand: 2.430 mm
  • Leergewicht: 1.540 kg
  • Zuladung: 315 kg
  • Kofferraum: 225 - 335 l
  • V6-Benzinmotor
  • Hubraum 3.498 ccm
  • Leistung: 225 kW / 306 PS bei 6.500 U/min
  • Max. Drehmonment: 370 Nm bei 3.500 U/min
  • Beschleunigung auf 100: 5,6 Sekunden
  • Höchstgeschwindigkeit: 250 km/h
  • Verbrauch kombiniert 7,1 l/100 km
  • Testverbrauch: 10,1 l/100 km
  • Tankinhalt: 60 l
  • Abgasnorm: Euro 5
  • CO2 Ausstoß: 167 g/km

Grundpreis Mercedes SLK 350: 52.300,50 Euro

Stand 06/2012

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