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Mercedes-Benz E 350 BlueTec – die E-Klasse, die genauso gut S heißen könnte

S-EK, wie das Kennzeichen der neuen E-Klasse begann, der einige Tage vor dem Haus stand, S-EK hieße doch eigentlich Sondereinsatz-Kommando, sagte meine Nachbarin...

die sich vor Jahren noch mit Menschen mit Stasi-Genen herumschlagen musste. Tatsächlich ist das Kennzeichen aber eher an die Nomenklatur der Daimler-Pkw angelehnt – Stuttgarter E-Klasse. Und was für eine! Da könnte man das E aus der Kennzeichenkombination durchaus weglassen. Elegant weiß, wuchtig und dennoch dynamisch, stand das Auto vor meiner Garage und machte gleich viel mehr her als die bisherige E-Klasse, die schon einmal das Prädikat "kleine S-Klasse" verliehen bekommen hat. Jetzt gab’s halt noch einen Nachschlag drauf. Als kerniges Merkmal hat Daimler die ehemals runden Vieräugli neu designt und ihnen mit jeweils vier Ecken einen etwas zornigeren Ausdruck gegeben. Wahrscheinlich, damit der Vordermann auf der Autobahn beim Blick in den Rückspiegel eher auf die rechte Spur flieht.

Dennoch bleibt’s beim Beinahe-S, wobei der Taxifahrer, der mich neulich in einem neuen E 220 CDI durch Köln schipperte, vehement darauf bestand, "dat det en S-Klass iss, on wie!" Tatsächlich sitzt man in diesem neuen E hinten so kommod wie im letzten S; im neuen bin ich noch nicht gesessen, weder hinten noch vorn.

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Dynamik - auch in den Verkaufszahlen

Aussen ist der E ein bisschen kantiger geworden, was ihm wegen des Größenzuwachses durchaus steht und noch ein bisschen schnittiger aussehen lässt wie seinen Vorgänger, der doch schon sowohl als Limousine wie auch als Kombi ein ausgesprochen wohlproportioniertes Gefährt war. Und technisch strotzt er vor As-sistenten aller Art. Besonders erwähnenswert dabei der neue Spurhalte-Assistent, der immer dann am Lenkrad wackelt, wenn der Fahrer den durchgezogenen weißen Strich auf den Straßen überfährt oder nur berührt. Allerdings macht der Assistent das auch dann, wenn man ohne Blinker über den unterbrochenen Mittelstrich fährt, um eine Kurve ein wenig zu begradigen. Da gewöhnt man sich denn auch dran, obwohl der Gewöhnungseffekt in diesem Falle ja ausgesprochen unerwünscht ist. Sehr effektiv und sympathisch ist auch die Kaffeetasse, die vor dem Lenkrad aufleuchtet, wenn man zu lange schon ohne Unterbrechung hinter Steuer saß. So lässt man sich gerne zu regelmäßigen Pausen erziehen.

Über die Motorleistung oder die Fahreigenschaften muss man eigentlich nichts mehr sagen, beobachtet man die derzeitige TV-Werbung mit Gottlieb Daimler: "Was wir machen, machen wir perfekt!". Das ist ihm nicht nur mit moderner elektronischer Bildverarbeitung in den Mund gelegt worden, das hat er nach Überlieferungen tatsächlich immer wieder gesagt. Und hat einen Weltkonzern damit geprägt, der Pionier in aktiver und passiver Verkehrssicherheit rund um die Fahrer der Mercedese war und um alles, was mit einem Mercedes in Kontakt kommen kann. So erklären sich die meist schon aufwändiger konstruierten Fahrzeuge der Stuttgarter, die dann eben auch im höheren Preissegment zu Hause sind.

Besonders bemerkbar macht sich der technische Aufwand beim E 350 CDI Bluetec, der mit seiner selektiven katalytischen Abgasnachbehandlung nicht nur bereits Euro 6 erreicht, sondern vor allem auch schon den Schadstoff-Härtetest des ADAC mit 50 Punkten erfüllt. Daimler erreicht mit seiner BlueTec-Technologie wie der von mir gefahrene VW Passat 2,0 TDI mit der Technik gleichen Namens eine erhebliche Reduktion von Partikeln und Stickoxiden, was beiden Marken Spitzenplätze in der Bewertung des Schadstoff-Ausstosses einbringt. Obgleich der große Daimler-Motor im Gegensatz zum deutlich kleineren VW-Zweiliter noch deutlich mehr CO2 verbläst.

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BlueTec arbeitet mit einem Harnstoff-Zusatz, der in einem speziellen Behälter in der einst für Reserveräder vorgesehenen Mulde deponiert ist und über die Einspritzanlage der Verbrennung zugesetzt wird. Bei der Verbrennung entsteht Ammoniak, das wiederum die Stickoxide zu rund 80 Prozent in unschädlichen Stickstoff und Wasser umwandelt. Dem dabei verbrauchten Harnstoff-Zusatz muss kaum Beachtung geschenkt werden; der Zusatztank reicht für rund 25.000 km und muss daher – fast immer – nur bei den Standard-Service-Intervallen überprüft und ggf. nachgefüllt werden.

Die ganze Geschichte werkelt so unauffällig, dass sich der 350 CDI fährt wie sein Kollege ohne die Harnstoff-Abgasreinigung, obwohl dieser ein paar PS mehr auf die Straße bringt. Allerdings erscheint der Unterschied etwa vergleichbar dem Versuch, vom Stuttgarter Fernsehturm mit kreppbesohlten Schuhen hinunterzuspringen anstelle mit Ledersohlen. Entsprechend kräftig ist der Antritt auch des 350 CDI BlueTec, was seinem enormen Drehmoment zuzuschreiben ist, das eben nur durch die Dieseltechnik erreicht wird. Oder durch noch mehr Hubraum. Ebenso überzeugend die Elastizität des Motors und die Spitzenleistung mit einer Geschwindigkeit, die auf Deutschlands Straßen ohnehin nie und auf Autobahnen höchstens einmal pro Woche ausgefahren werden kann.

Das gilt inzwischen für alle Autobahnen in Deutschland, auch für den früher bei Schnellfahrern so beliebten Ostfriesenstich, der ja durch seinen emsländischen Lückenschluß inzwischen eine durchgängig befahrbare Autobahn geworden ist, die auf der linken und der Mittelspur gerne von Wohnwagengespannen mit gelben Kennzeichen blockiert wird. Zügiger bewegen kann man sich da nur noch auf den ostdeutschen Autobahnen, von denen ja nunmehr fast keine mehr in nur zweispurigen Zustand zu finden ist. So war denn auch die Reise nach Leipzig und zurück mit dem E 350 CDI BlueTec wahrlich ein Genuss – vor allem mit Blick auf den Durchschnittsverbrauch, der trotz heftiger Anstrengungen am Gaspedal die 7 vor dem Komma nur schwach streift.

Nicht verschwiegen werden darf natürlich vor allem für die Steuerzahler, die dem Staat keinen Cent zuviel gönnen, dass Euro 6 staatlich stattlich gefördert wird.

mpp

Die wichtigsten Daten des Mercedes-Benz E 350 BlueTec
  • Länge/Breite/Höhe:
    4.868 / 1.854 / 1.465 mm
  • Radstand 2.874 mm
  • Leergewicht 1.825 kg
  • Zuladung 525 kg
  • Kofferraum 540 l
  • Viertakt-V6-Dieselmotor mit Commonrail-Direkteinspritzung
  • Hubraum 2.987 ccm
  • Leistung kW/PS 155/ 211 bei 4.400 U/min,
    maximales Drehmoment 540 Nm bei 1.600-2.600 U/min
  • Beschleunigung auf 100 km/7,6 Sekunden
  • Vmax 240 km/h
  • EU-Normverbrauch im Mittel 7,5 l, Testverbrauch 7,1 l
  • Tankinhalt 75 l
  • Abgasnorm Euro 6
  • CO2 Ausstoß: 183 g/km
  • Preis der Basis-Ausführung des Testwagens: 55.829 Euro
  • Preis der sonderausgestatteten TW-Ausführung: ca. 72.000 Euro
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