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Maus ohne Katz’: Jaguar XFD

„Der Jag fehlt“, ist der erste Eindruck vom neuen XF, aber der fehlt ja schon lange. Trotzdem isses wie ein Rolls ohne Emily. Dafür prangt über dem silbergrauen Kühler ein bissiges Katzengesicht, das mehr an die Bulldogge des amerikanischen Mack-Riesentrucks erinnert denn an die Geschmeidigkeit der Katze, die eben dieses Image ihren metallischen Brüdern und Schwestern dieser Weltmarke des uralten Autoadels immer wieder zu übertragen verstand.

Nicht so offenbar unter der Ära Ford. Allzuviel im Jaguar XF erinnert doch daran, dass es der größere Bruder vom Mondeo werden sollte. Exclusiver zwar und ein bißchen stylischer noch, aber immer Ford-durchscheinend. Das wird sich sicher in der nächsten Generation wieder ändern, wenn kein US-Designbüro mehr der Meinung ist, Geschmacksmeister aller Dinge zu sein. Nichts gegen das Dearborner Design. Aber Jag muss Jag bleiben. So, wie es in anderen Baureihen des feinen very english statesmens cars schon wieder ist. Der XFD, so weich er sich fahren läßt und so sehr der Diesel moderner Technik zu diesem Gleiter der gehobenen Autoklasse für britische und andere Vertreter der Jung-Banker und Grauschläfen-Kaufleute paßt, der XFD kommt doch mehr daher wie eine graue Maus denn wie die Katz‘, die ihre Krallen zeigt. Was er aber durchaus kann. Sogar mit jenem Biß, den man von dieser gefleckten Katze immer erwartet.

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Hab‘ ich doch geträumt von jenen wunderschönen MK VII oder auch den MK IX und schließlich dem letzten MK, dem MK X, der hoffentlich immer noch im Münsterland rumsteht und auf mich wartet. Das ist ein echter Brite und trotzdem ein Linkslenker, der in Irland erstmals zugelassen wurde, dann über Umwege mit seinem Eigentümer nach Deutschland kam und dort nur noch einmal den Besitzer gewechselt hat. In british racing green natürlich und mit beiger Lederinnenausstattung. Mustergültig.

So fahre ich zwei Wochen lang mit dem XFD der jüngsten Generation spazieren. So selbstverständlich luxuriös gleitend, so einfach über den Wählknopf auf der Mittelkonsole in Gang zu setzen, dass ich gleich wieder in den Traum von meinem münsterländer Oldtimer fallen kann.

Tatsächlich ist der neue XFD eine gediegene Erscheinung von schlichtem Understatement. Ohne Firlefanz rundherum, dafür – wie schon erwähnt – mit meines Erachtens einer kleinen Prise zuviel Anleihen beim Mondeo innen designten Ausstattungsdetails. Zum  Beispiel die typisch amerikanische Steppnaht des Leders auf dem Armaturenbrett in weißem Kontrast zum schwarzen Leder. Das hätte Ton in Ton wie an den Türen viel edler gewirkt. Oder das Navi einfacher Art, das mitsamt dem eingebauten Computer und seinem Bildschirm eben doch nicht so recht in die Erwartungshaltung gegenüber einem Jaguar passt. Da reicht die Neigung der Windschutzscheibe im gleichen Winkel wie die im XK halt nicht hat aus für design-entscheidende Vergleiche.

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Dafür fährt sich der XFD nicht nur gut, sondern unauffällig komfortabel und mit den eingebauten kleinen elektronischen Aufpassern ausgesprochen sicher. Der Diesel packt zu, das Automatikgetriebe setzt so sachte um, dass man die Schaltvorgänge nur bei bewu0tem Kickdown bemerkt. Kurven, Steigungen, starkes Gefälle, Einparken – keine Probleme, sondern nur positive Erfahrungen. Nur beim Aussteigen aus dem Fond guckt man zunächst erst einmal eine Schrecksekunde zu lange in ein totes Eck der Karosse; zu lang vielleicht, um sich von gefährlich nahen passierenden Fahrzeugen zurückziehen zu können.

Dennoch, Kleinigkeiten machen jeden Briten zum Unikat. Also auch jeden Jaguar XFD. Er würde passen; vielleicht nach seinem nächsten Facelift mit mehr Abstand von Ford sogar noch mehr überzeugen.

mpp

Die wichtigsten Daten

Jaguar XF Diesel 3.0 - 500

  • Länge/Breite/Höhe 4961 / 1877 / 1460 mm
  • Radstand 2909mm
  • Leergewicht 1.820 kg
  • Zuladung 540 kg
  • Kofferraum 540 l
  • V6 –Diesel mit Twin-Turbo
  • Hubraum 2.993 ccm
  • Leistung kW/PS 177/240 bei 4000 U/min,
  • maximales Drehmoment 500 Nm bei 2000 U/min
  • Beschleunigung auf 100 km/h  7,1 Sekunden
  • Vmax 240 km/h
  • EU-Normverbrauch im Mittel 6,8 l , Testverbrauch 8,7 l
  • Tankinhalt 70 l,
  • Abgasnorm Euro 5,
  • CO2 Ausstoß:  179 g/km

Preis der Basis-Ausführung des Testwagens:  51.800 EuroPreis der sonderausgestatteten TW-Ausführung: ca. 58.500 Euro

Stand: 5/2011

 

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