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Lexus 450h: Spritsparen in Luxus rundrum

Eigentlich wäre dieser riesige SUV das ideale Auto für den Bullen aus Tölz. Genauso massig kommt er daher, genauso clever arbeitet er. Wenn er rückspiegelfüllend auf der Autobahn an einen anrollt, sucht man flugs nach einer Lücke rechts und denkt „mein Gott, was schluckt der wohl an Sprit!“ Sitzt man selbst in diesem Bullen, hört man beim Anfahren erst mal gar nichts. Elektrisch summt höchstens. Dann, nach ein paarhundert Metern, brummt’s deutlich hörbarer, der Benzinmotor schaltet sich zu. Schon Schluss mit der Stromreserve im Akku? Nein, für die kraftvolle Beschleunigung der zwei Tonnen Auto braucht’s eben ein bisschen mehr Leistung als die des Elektromotors.

Tatsächlich aber nutzt Lexus den Hybridantrieb sehr konsequent zum Spritsparen, was dann insbesondere beim 450h zu super günstigen Verbräuchen führt. Und das ist in dieser Klasse der großvolumigen SUVs insofern sensationell, weil alles, was unter 10 Litern liegt, nicht mehr dem Standard der als Schluckspechte geltenden großen Klötze entspricht. Weicht der 450h mit einem EU-Norm-Wert von gemittelt 6,3 l erheblich ab und schafft auch im normalen Tagewerk deutlich weniger als 10 Liter. Geleistet wurde das nicht nur von den Motoren-Ingenieuren, sondern auch von den Designern, die den cw-Wert immerhin auf 0,32 drückten.

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Foto: Lexus

Allerdings muss angemerkt werden, dass das immens vorhandene Drehmoment und der sich im Kickdown zuschaltende Elektromotor doch sehr verlockend ruft. Was geht da ab, wenn man den Gasfuß senkt! Und ganz im Gegensatz hierzu steht der Wettbewerb mit der Sparanzeige im fast fernsehergroßen Display. Wenn da die Ökosymbole auftauchen und sich vermehren, versucht man immer wieder noch ein Bäumchen dazu zu packen. Und wird immer sparsamer, fängt aber dann auch plötzlich an, verkehrsbehindernd zu schleichen. Auch nicht Sinn der Übung, aber immerhin ein hervorragendes Training zum Spritsparen schlechthin. Damit kann man sogar Rad fahrende Verkehrsminister und rollstuhlfahrende Finanzminister erfreuen.

Der RX450h in der dritten Generation ist wieder ein Vollhybrid, der seine Stärke und seine Verbrauchsminimierung aus dem 68 PS starken Elektromotor schöpft. Allerdings ist schon der Benzinmotor an sich ein Bulle und bringt bei 6.000 U/min den kleinen Rest an der Gesamtleistung von 299 PS. Wobei die Addition der Motorleistungen beider Motoren lt. Beschreibung nicht der effektiven Gesamtleistung entspricht, in der Fahr-Erfahrung aber auch deutlich höher zu sein scheint. Und der Benzinmotor allein hat ein Drehmoment von 317 Nm bei 4.800 U/min. Was wieder mal an die kleinen Brüder der 12-Liter Schiffsmotoren mit 2.500 Nm Drehmoment erinnert.

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Foto: Lexus

Spannend ist auch der Einsatz eines elektrischen Allrad-Antriebes in Verbindung mit einem elektrisch gesteuerten Hybrid-Getriebe mit stufenlos variabler Übersetzung und sequentiellem Schaltmodus. Will heißen: Der Benzinmotor treibt die Vorderachse an, ein Elektromotor schaltet sich bei Bedarf zu bzw. übernimmt die Anrollphase des 450h, bis der zur Fortbewegung mehr Leistung braucht, als er aus dem E-Motor beziehen kann. Wird danach noch mehr Leistung gebraucht, schaltet sich der E-Motor vorn und ein zweiter E-Motor vor der Hinterachse für die Hinterachse zu. Beide E-Motoren arbeiten im Recuperationsbetrieb als Stromgeneratoren. (Diese Funktionsweise wäre mal einen workshop für Motorjournalisten wert/Anmerk. des Autors).

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Foto: Lexus

Mit dem Bullen lässt sich’s – wie schon gesagt – vorzüglich reisen. Europäische Fahrwerkstechnik und europäische Fahrdynamik sorgen für Komfort, zusätzliche Stabis verringern die Kurvenneigung. Das ist anfänglich etwas gewöhnungsbedürftig, weil doch Fahrzeuge mit wenig Neigungsneigung in Kurven früher doch eher zum Umkippen neigten als solche, die sich wie der Fahrer selbst eben auch in die Kurven legten. Und wer sich dann noch den Luxus der Luftfederung gönnt, bewegt sich mit dem RX450h wie in einer Sänfte. Die aber auch einen ordentliche Zahn zulegen und durch die Kurven fetzen kann. Und genau da kommt das Gefühl von Luxus auf. Kraft haben, nicht zeigen müssen.    

mpp

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Foto: Lexus

Die wichtigsten Daten

Lexus 450h

  • Länge/Breite/Höhe in mm : 4.770 /  1.885 / 1.720 mit Luftfederung im Hi-Modus
  • Radstand  2.740 mm
  • Leergewicht  2.205 kg
  • Zuladung 495 kg
  • Kofferraum  450/1.570 l
  • Benzinmotor: Viertakt-V6- mit Direkteinspritzung
  • Hubraum  4.456 ccm
  • Leistung kW/PS 183/ 249 bei 6.000 U/min,
  • maximales Drehmoment  317 Nm bei 4.800 U/min
  • Elektromotor: permanenterregter Drehstromsynchronmotor
  • Leistung kW/PS 50/68 
  • Spannung 288 V aus einer Ni-MH-Hochleistungsbatterie
  • Beschleunigung auf 100 km/h  7,8 Sekunden
  • Vmax 200 km/h
  • EU-Normverbrauch im Mittel 6,3 l , Testverbrauch 8,4 l
  • Tankinhalt 65 l,
  • Abgasnorm Euro 4,
  • CO2 Ausstoß: 148 g/km

 
Preis der Basis-Ausführung des Testwagens: 59.950 Euro
Preis der sonderausgestatteten TW-Ausführung: 73.110 Euro

Stand 12/2011

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