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Die ID lebt weiter: Citroen C5 Tourer

Nein, es ist keine Hieroglyphe oder eine dieser neumodischen Abkürzungen aus dem IT-Bereich. Es ist, wie sich’s spricht, eine Idee. – Ich muss schon wieder zurückgreifen auf die Revolution des Automobilbaus, die in den Fünfzigern des letzten Jahrhunderts von Citroen angezettelt wurde. Die Idee war die ID, gefolgt von der Deesse DS, der Göttin. Das waren die beiden revolutionären Limousinen von Citroen, die schon damals auf einem hydropneumatischen Fahrwerk aufgesetzt und mit „stromlinien-ähnlichen“ Formen designt wurden. Diese Autos erreichten schon sagenhafte cw-Werte, als noch niemand über Luftwiderstand sprach. Weil Benzin eben noch unter 50 Pfennig (in Ziffern 0,50 DM entsprechend 25 Eurocent) kostete. Der Liter, nicht ein Schnapsglas voll!

Und praktisch, wie die Franzosen eben schon damals veranlagt waren, gab es von den beiden Autos gleich einen „break“, wie die Kombis auf neufranzösisch genannt werden. Mit der ID19 break begann Citroen die lange Tradition der ausgesprochen komfortablen Kombi-Limousinen, die ihren kommerziellen Höhepunkt mit in den dreiachsigen straßenzugelassenen und getunten Rennkombis von der DS bis zum CX Tourer für den Vertrieb französischer Tageszeitungen und englisch/ameri-ka¬ni¬scher Wirtschaftszeitungen in Europa fanden. Diese Rennkombis hatten verstärkte Achsen, einen verlängerten Aufbau und entsprechend große Nutzlast. Dafür waren sie so aufgemotzt, dass die beiden Hinterachsen in regelmäßigen – kurzen – Abständen ausgetauscht werden mußten. Aber ich erinnere mich noch daran, wie diese langen Citroen Kombis auf meinen Fahrten von und aus der Bretagne an mir vorbeiflogen.

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So einen habe ich natürlich nicht gefahren, sondern den ganz normalen C5 Tourer, der allerdings sehr solide gebaut und auch ausgesprochen komfortabel zu fahren war. Von der Straßenlage mit erstklassiger Ruhe im Auto bis zur equemlichkeit der Sitze war nichts zu meckern, der Diesel funktionierte wie eben jeder Diesel aus dem PSA-Regal klaglos, geräuscharm, sparsam und trotzdem mit ordentlich Drehmoment in Start-Anzug von null an und vor allem der Beschleunigung in den Bereichen zwischen 100 und 130 km/h. Das muss man ja allen neuen Dieseln lassen – und PSA hat da wohl ein besonderes Händchen für die Nutzung des Drehmoments – diese Motoren haben nichts mehr zu tun mit den traktorähnlichen Naglern. Die von ihnen angetriebenen Autos sprinten los, als ob sie nur ein Motorrad antreiben müßten. Das hat mich doch sehr stark an die erwähnten Renn-Tourer auf Citroen-Basis erinnert.
Im neuen C5 Tourer ist’s nicht nur zügig zu fahren und excellent zu beschleunigen, er bietet auch einen Innenkomfort, der in dieser Klasse sonst eher selten in der Standard-Version zu finden ist. Und im Heck ist ausreichend Platz für einen mehrwöchigen Urlaub. Oder für Rasenmäher, Kinderwagen und was sonst noch so an größerem Gerät eines Haushalts transportiert werden muss. Sogar Ikea-Regale passen - auseinandergenommen und bei runtergeklappter Lehne des Vordersitzes – bequem neben den Fahrer, der dann jedoch die Ladungssicherung nicht vergessen sollte.

Dass das alles dann auch noch in Ruhe und Gelassenheit von statten geht, hat der C5 Tourer seiner hydrostatischen Federung zu verdanken, die nach wie vor mustergültig alle Straßenunebenheiten glättet und auch Bordsteine überwindet, sofern man sie angemessen angeht und nicht mit Gewalt seine Leichtmetallfelgen kaputt machen will. Die Hydrostatic passt dabei unebene Straßenzustände bis zu vier Zentimetern automatisch an.

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Und das Lederlenkrad kreist angenehm ruhig um die Nabe, die fest stehen bleibt. Das ist am Anfang etwas gewöhnungsbedürftig, weil natürlich immer irgendein Finger ausgerechnet dort am Lenkrad bleibt, wo die Speiche die etwas klobige Nabe trifft und für den Finger kein Platz mehr bleibt. Gewöhnt man sich daran, ist es ausgesprochen praktisch, zu wissen, dass die Bedienelemente der elektronischen Helfer des Citroens immer am gleichen Platz bleiben und nicht plötzlich auf dem Kopf und auf der anderen Seite stehen.

Keine Frage ist die Akzeptanz des Kombis bei der Haute Volée. In Frankreich sowieso, da ist ein Citroen C5 ohnehin schon ein sehr upperclassiges Fahrzeug. Aber auch in unseren Gefilden kommt der C5 nicht als Handwerker-Transporter daher, sondern eher als Allzweck-Künstler zum vielfältigen Gebrauch zwischen Möbelwagen, Kindertransporter oder Opern-shuttle.

Der auch noch überaus sparsam im Verbrauch ist und im Alltagsverkehr grade mal sieben Liter verbraucht, auf Autobahnen oder bei dynamischer Fahrt aber doch schon bis zu acht.

mpp

Die wichtigsten Daten

Citroen C5 Tourer:

  • Länge x Breite x Höhe: 4.829 x 1.860 x 1.491- 1.495 mm
  • Radstand: 2.815 mm
  • Leergewicht: 1.730 kg
  • Zuladung: 546 kg
  • Kofferraum: 533 l
  • Tankinhalt: 71 l
  • Vierzylinder-Common-Rail mit Turboaufladung
  • Hubraum: 1997 ccm
  • Leistung: 103 kW /140 PS bei 4000 U/min
  • Max. Drehmoment: 320 Nm bei 2.000 U/min
  • Getriebe: Sechsgang-Schaltung
  • Bereifung: 225/55 R 17
  • Beschleunigung auf 100: 10,9 Sekunden
  • Höchstgeschwindigkeit: 200 km/h
  • EU-Normverbrauch im Mittel 5,5 l , Testverbrauch 7,2 l
  • Abgasnorm Euro 5,
  • CO2 Ausstoß: 155 g/km

Preis der Basis-Ausführung des Testwagens:  29.800 Euro
Preis der sonderausgestatteten TW-Ausführung: ca. 33.200 Euro

Stand: 5/2011

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